Pan (Mond)

Pan (Mond)

Pan
Pan by Cassini, March 2017.jpg
Aufnahme von Pan durch die Raumsonde Cassini
Vorläufige oder systematische Bezeichnung S/1981 S 13
Zentralkörper Saturn
Eigenschaften des Orbits
Große Halbachse 133.584,0 ± 0,1 km
Periapsis 133.582 km
Apoapsis 133.586 km
Exzentrizität 0,0000144 ± 0,0000054
Bahnneigung 0,001 ± 0,0004°
Umlaufzeit 0,575050718 d
Mittlere Orbitalgeschwindigkeit 16,89 km/s
Physikalische Eigenschaften
Albedo 0,50
Scheinbare Helligkeit 19,4 mag
Mittlerer Durchmesser 28,4 ± 2,6
(35 × 32 × 21) km
Masse 4,95 ± 0,75·1015 kg
Oberfläche ≈ 2.500 km²
Mittlere Dichte 0,41 ± 0,15 g/cm³
Siderische Rotation 0,575050718
Achsneigung 0,0°
Fallbeschleunigung an der Oberfläche ≈ 0,002 m/s²
Fluchtgeschwindigkeit ≈ 7 m/s
Oberflächentemperatur ≈ −195 °C (78) K
Entdeckung
Entdecker

Mark R. Showalter

Datum der Entdeckung 16. Juli 1990
Anmerkungen Schäfermond der Encke-Teilung
Saturn's Rings PIA03550.jpg
Die Positionen der inneren Saturnmonde in Saturns Ringsystem, von innen nach außen Pan, Atlas, Prometheus, Pandora, Janus & Epimetheus, Mimas, Enceladus, Tethys, Dione und Rhea

Pan (auch Saturn XVIII) ist der (von innen gezählt) zweite und einer der kleineren der 62 bekannten Monde des Planeten Saturn. Er ist der Schäfermond der Encke-Teilung und der innere der beiden Monde innerhalb des A-Rings der Saturnringe.

Entdeckung und Benennung

Pan wurde am 16. Juli 1990 von dem Astronomen Mark R. Showalter bei der Auswertung von Aufnahmen der Raumsonde Voyager 2 aus dem Jahre 1981 in den Saturnringen entdeckt.

Voyager-Bild vom 22. August 1981 von Pan in der Encke-Teilung

Die Existenz eines Mondes innerhalb der Encke-Teilung war bereits von Jeffrey N. Cuzzi and Jeffrey D. Scargle im Jahre 1985 vorausgesagt worden. Auf den Aufnahmen der Raumsonde Voyager 2 zeigten sich Wellenmuster im Ringsystem, die auf gravitative Störungen hinwiesen. Showalter und andere Astronomen berechneten 1986, welcher Himmelskörper für die Störungen verantwortlich sein könnte. Sie trafen eine ziemlich präzise Vorhersage über dessen Bahn (133.603 ± 10 km) und Masse (5...10·10−12 Saturnmassen) und folgerten, dass sich nur ein einzelner Mond innerhalb der Teilung bewegen könne. Die Angaben der Umlaufbahn wichen folglich nur um 19 km von der später beobachteten ab, die tatsächliche Masse beträgt 8,6·10−12 Saturnmassen.

Der Mond wurde später innerhalb von 1° der vorausberechneten Position gefunden. Dabei wurden alle Voyager-2-Fotos ausgewertet, wobei wiederum mittels Computer berechnet wurde, unter welchen Bedingungen der Mond auf jedem Bild am besten erkennbar sein müsste. Pan war schließlich auf 11 Voyager-Aufnahmen sichtbar, die in der Zeitspanne von 48 Stunden vor der größten Annäherung an Saturn gemacht wurden. Jede Aufnahme mit einer Auflösung besser als 50 Kilometer pro Pixel ließ den Mond klar erkennen.

Die Entdeckung wurde am 16. Juli 1990 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) bekanntgegeben; der Mond erhielt zunächst die vorläufige Bezeichnung S/1981 S 13, die aufgrund des Voyager-Vorbeifluges auf 1981 zurückdatiert wurde. Pan war der 18. entdeckte Mond von Saturn, was auch seiner römischen Nummerierung XVIII entspricht. Bis zur Entdeckung von S/2009 S 1 am 26. Juli 2009 war Pan der innerste bekannte Saturnmond.

Aufnahme von Pan durch die Raumsonde Cassini aus einer Entfernung von 209.000 km

Am 16. September 1991 wurde er dann nach Pan aus der Griechischen Mythologie benannt. Pan war der Sohn des Hermes, der Stammvater der Satyren und der Hirten- und Herdengott. Der Name spielt auf die Funktion des Mondes als Schäfermond an. Seiner Gestalt nach ist er eine Chimäre aus Menschenoberkörper mit einem gehörnten Kopf mit Bart und dem Unterkörper eines Ziegenbockes. Durch seine Gestalt erschrocken, wurde er von seiner Mutter Dryope ausgesetzt. Hermes brachte ihn in den Olymp, wo Pan jedoch keinen Platz erhielt und von Hermes auf die Insel Kreta gebracht wurde.

Nach anderen Quellen war Pan ein Sohn des Zeus und der Kallisto bzw. des Zeus und der Nymphe Hybris. Nach einer weiteren Erzählung ist Pan ein Sohn des Kronos (Saturn) und der Amaltheia, also ein Halbbruder des Zeus. Die Amaltheia, die auch als Ziegengestalt beschrieben wird, war zugleich die Amme des Zeus.

Nach Pan ist die Panflöte benannt, und das Wort Panik leitet sich ebenfalls aus seinem Namen ab. Durch seine Gestalt und seinem als wollüstig geltendem Verhalten wurde der Hirtengott Pan ab dem Mittelalter vom Christentum negativ umgedeutet und oft als Personifizierung des Teufels angesehen. Das Äquivalent in der Römischen Mythologie ist Faunus, der der Enkel von Saturn war.

Von 1955 bis 1975 wurde der 1938 entdeckte und zuvor als Jupitermond XI bekannte Jupitermond Carme auch manchmal Pan genannt.

Bahneigenschaften

Cassini-Bild von Pan in der Encke-Teilung

Umlaufbahn

Pan umkreist Saturn auf einer prograden, fast perfekt kreisförmigen Umlaufbahn in einem mittleren Abstand von rund 133.584 km (ca. 2,216 Saturnradien) von dessen Zentrum, also 73.316 km über dessen Wolkenobergrenze. Die Bahnexzentrizität beträgt 0,0000144, die Bahn ist 0,001° gegenüber dem Äquator von Saturn geneigt, liegt also genau in der Äquatorebene des Planeten. Durch die niedrige Exzentrizität variiert die Bahn um nur rund 4 km.

Die Umlaufbahn des nächstinneren Mondes S/2009 S 1 ist im Mittel etwa 16.500 km von Pans Orbit entfernt, die Entfernung der Bahn des nächstäußeren Mondes Daphnis beträgt im Mittel 2.921 km.

Pan umläuft Saturn in 13 Stunden, 48 Minuten und 4,4 Sekunden und benötigt damit etwa 2 Stunden und 28 Minuten länger als der innere Nachbar S/2009 S 1.

Pan befindet sich nahe einer 16:15-Resonanz mit Prometheus mit einer Periode von 108 Tagen und einer Amplitude von etwa 3 km in Richtung des Orbits.[1]

Der Mond umläuft Saturn innerhalb eines kritischen Abstandes, der sogenannten Roche-Grenze, was einen größeren Mond in diesem Bereich zum Zerbersten bringen würde.

Cassini-Bild der schmalen Ringlets in der Encke-Teilung

Pan-Ringlets

Der Mond läuft in der 325 km breiten nach Johann Franz Encke benannten Encke-Teilung des A-Rings um den Planeten. Er ist dabei als Schäfermond wirksam und bewirkt mit seiner Gravitation, dass die Encke-Teilung weitgehend frei von Ringpartikeln bleibt.

Die Encke-Teilung, die etwa 3.000 km von der Außenkante des A-Rings entfernt ist, enthält einen schmalen Ring („Ringlet“), der mit der Umlaufbahn von Pan zusammenfällt, was darauf hinweist, dass Pan die Ringpartikel in einer Hufeisenumlaufbahn aufrechterhält. Ein zweiter, schwächerer schmaler Ring wird von Pan periodisch gestört, ähnlich wie die Störungen des weiter außen liegenden F-Rings durch den Mond Prometheus. Wissenschaftler haben keine Bahnstörungen des Pan-Orbits durch weiter außen laufende Monde beobachtet.

Rotation

Die Rotationszeit ist gleich der Umlaufzeit und Pan weist damit, wie der Erdmond, eine synchrone Rotation auf, die sich somit ebenfalls binnen 13 Stunden, 48 Minuten und 4,4 Sekunden vollzieht. Seine Rotationsachse steht genau senkrecht auf seiner Bahnebene.

Physikalische Eigenschaften

Cassini-Bild vom walnussförmigen Pan

Größe

Pan hat einen mittleren Durchmesser von 28,4 km. Auf den Aufnahmen der Cassini-Huygens-Sonde erscheint Pan als ein unregelmäßig geformtes längliches Objekt mit Abmessungen von 35 km × 32 km × 21 km, wobei die Längsachse auf Saturn ausgerichtet ist. Wissenschaftler der Cassini-Mission beschrieben Pan als ein walnussförmiges Objekt, das an dessen Äquator eine Ausbuchtung aufweist, ähnlich einer Pelmeni. Dieser Äquatorrand ist durch das Aufsammeln von Ringmaterial der Encke-Teilung zustande gekommen. Andere bisher bekannte Monde mit solchen vergleichbaren Ausbeulungen sind Atlas und Iapetus.

Die Gesamtfläche von Pan beträgt schätzungsweise 2.500 km².

Innerer Aufbau

Seine mittlere Dichte ist mit 0,56 g/cm³ weitaus geringer als die der Erde[2] und sogar wesentlich niedriger als die Dichte von Saturn; sie ist so niedrig, dass Pan auf Wasser schwimmen würde. Dies weist darauf hin, dass der Mond überwiegend aus Wassereis zusammengesetzt ist.

Dass Pan Saturn innerhalb der Roche-Grenze umläuft, weist darauf hin, dass er entweder eine sehr feste innere Struktur hat, oder dass er zu den sogenannten Rubble Piles gehört, die durch die vergleichsweise schwache Gravitation im Innern Hohlräume aufweisen. Durch die extrem niedrige mittlere Dichte ist die letztgenannte Hypothese wahrscheinlicher.

Pan im reflektierten Licht von Saturn

Oberfläche

Pan weist eine hohe Albedo von 0,5 auf, was bedeutet, dass er eine helle Oberfläche besitzt, die 50 % des eingestrahlten Sonnenlichts reflektiert. An seiner Oberfläche beträgt die Schwerebeschleunigung 0,002 m/s², dies entspricht etwa 0,2 ‰ der irdischen. Die mittlere Oberflächentemperatur von Pan wird auf ungefähr −195 °C (78 K) geschätzt.

Erforschung

Aufgrund der geringen Größe und scheinbaren Helligkeit von 19,4m, die 1:30200000 des Zentralplaneten beträgt, sowie der großen Nähe zum Saturn und der Tatsache, dass er von diesem überstrahlt wird, ist Pan mit erdgebundenen Teleskopen kaum auszumachen.

Pan wurde bislang von drei Raumsonden besucht, namentlich von den Vorbeiflugsonden Voyager 1 am 12. November 1980 und Voyager 2 am 25. August 1981 sowie dem Saturn-Orbiter Cassini, der seit dem 1. Juli 2004 den Saturn umkreist. Pan wurde von Cassini mehrmals ins Visier genommen, so dass seine Größe und Form sowie die orbitalen Parameter mittlerweile ziemlich genau bekannt sind.

Medien

 <Lang> Commons: Pan (Mond) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks

Einzelnachweise

  1. The Orbits of Saturn’s small satellites. Abgerufen am 15. Februar 2011.
  2. Saturnian Satellite Fact Sheet. Abgerufen am 18. Februar 2010.
davorSaturnmondedanach
Pandora
Ymir

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


25.02.2021
Asteroidenstaub im „Dinosaurier-Killer-Krater“ gefunden
Ein internationales Forscherteam berichtet über die Entdeckung von Meteoriten-Staub in Bohrproben aus dem Chicxulub-Impaktkraters in Mexiko.
25.02.2021
Zwillingsatome: Eine Quelle für verschränkte Teilchen
Quanten-Kunststücke, die man bisher nur mit Photonen durchführen konnte, werden nun auch mit Atomen möglich. An der TU Wien konnte man quantenverschränkte Atomstrahlen herstellen.
23.02.2021
Auch in der Quantenwelt gilt ein Tempolimit
Auch in der Welt der kleinsten Teilchen mit ihren besonderen Regeln können die Dinge nicht unendlich schnell ablaufen.
23.02.2021
Erstes Neutrino von einem zerrissenen Stern
Ein geisterhaftes Elementarteilchen aus einem zerrissenen Stern hat ein internationales Forschungsteam auf die Spur eines gigantischen kosmischen Teilchenbeschleunigers gebracht.
23.02.2021
Unglaubliche Bilder vom Rover Perseverance auf dem Mars
21.02.2021
Schwarzes Loch in der Milchstraße massiver als angenommen
Ein internationales Team renommierter Astrophysikerinnen und -physiker hat neue Erkenntnisse über Cygnus X-1 gewonnen.
21.02.2021
Ultraschnelle Elektronendynamik in Raum und Zeit
In Lehrbüchern werden sie gerne als farbige Wolken dargestellt: Elektronenorbitale geben Auskunft über den Aufenthaltsort von Elektronen in Molekülen, wie eine unscharfe Momentaufnahme.
21.02.2021
Mit schwingenden Molekülen die Welleneigenschaften von Materie überprüfen
Forschende haben mit einem neuartigen, hochpräzisen laser-spektroskopischen Experiment die innere Schwingung des einfachsten Moleküls vermessen. Den Wellencharakter der Bewegung von Atomkernen konnten sie dabei mit bisher unerreichter Genauigkeit überprüfen.
21.02.2021
Quanten-Computing: Wenn Unwissenheit erwünscht ist
Quantentechnologien für Computer eröffnen neue Konzepte zur Wahrung der Privatsphäre von Ein- und Ausgabedaten einer Berechnung.
19.02.2021
Hochdruckexperimente liefern Einblick in Eisplaneten
Per Röntgenlicht hat ein internationales Forschungsteam einen Blick ins Innere ferner Eisplaneten gewonnen.
19.02.2021
Hochdruckexperimente liefern Einblick in Eisplaneten
Per Röntgenlicht hat ein internationales Forschungsteam einen Blick ins Innere ferner Eisplaneten gewonnen.
19.02.2021
Röntgen-Doppelblitze treiben Atomkerne an
Erstmals ist einem Forscherteam des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik die kohärente Kontrolle von Kernanregungen mit geeignet geformten Röntgenlicht gelungen.
19.02.2021
Ein autarkes Überleben auf dem Mars durch Bakterien
Führende Raumfahrtbehörden streben zukünftig astronautische Missionen zum Mars an, die für einen längeren Aufenthalt konzipiert sind.
17.02.2021
Dualer Charakter von Exzitonen im ultraschnellen Regime: atomartig oder festkörperartig?
Exzitonen sind Quasiteilchen, die Energie durch feste Stoffe transportieren können.
17.02.2021
Neuer Spektrograf sucht nach Super-Erden
Das astronomische Forschungsinstrument CRIRES+ soll Planeten außerhalb unseres Sonnensystems untersuchen.
12.02.2021
Eine neue Art Planeten zu bilden
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich schlagen in Zusammenarbeit mit der Universität Cambridge eine neue Erklärung für die Häufigkeit von Exoplaneten mittlerer Masse vor.
10.02.2021
Optischer Schalter für Nanolicht
Forscherinnen und Forscher in Hamburg und den USA haben einen neuartigen Weg für die Programmierung eines Schichtkristalls entwickelt, der bahnbrechende Abbildungsfähigkeiten erzeugt.
10.02.2021
Weltweit erste Videoaufnahme eines Raum-Zeit-Kristalls gelungen
Einem Forschungsteam ist der Versuch gelungen, bei Raumtemperatur einen Mikrometer großen Raum-Zeit-Kristall aus Magnonen entstehen zu lassen. Mithilfe eines Rasterröntgenmikroskops an BESSY II konnten sie die periodische Magnetisierungsstruktur sogar filmen.
07.02.2021
Lang lebe die Supraleitung!
Supraleitung - die Fähigkeit eines Materials, elektrischen Strom verlustfrei zu übertragen - ist ein Quanteneffekt, der trotz jahrelanger Forschung noch immer auf tiefe Temperaturen be-schränkt ist.
05.02.2021
Quantensysteme lernen gemeinsames Rechnen
Quantencomputer besitzen heute einige wenige bis einige Dutzend Speicher- und Recheneinheiten, die sogenannten Qubits.
03.02.2021
SpaceX-Marsrakete explodiert bei Landung
02.02.2021
Wie kommen erdnahe Elektronen auf beinahe Lichtgeschwindigkeit?
Elektronen können in den Van-Allen-Strahlungsgürteln um unseren Planeten ultra-relativistische Energien erreichen und damit nahezu Lichtgeschwindigkeit.
02.02.2021
Entwicklung einer rekordverdächtigen Quelle für Einzelphotonen
Forschende der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum haben eine Quelle für einzelne Photonen entwickelt, die Milliarden dieser Quantenteilchen pro Sekunde produzieren kann.
02.02.2021
Mit Künstlicher Intelligenz warme dichte Materie verstehen
Die Erforschung warmer dichter Materie liefert Einblicke in das Innere von Riesenplaneten, braunen Zwergen und Neutronensternen.
01.02.2021
Durch die fünfte Dimension zur Dunklen Materie
Eine Entdeckung in der theoretischen Physik könnte helfen, das Rätsel der Dunklen Materie zu lösen.