S/2009 S 1

S/2009 S 1

S/2009 S 1
PIA11665 moonlet in B Ring.jpg
Der helle Punkt mit dem langen Schatten in der Bildmitte ist S/2009 S1. Rechts im Bild die Cassini-Teilung.
Zentralkörper Saturn
Eigenschaften des Orbits
Große Halbachse 117.100 km
Periapsis km
Apoapsis km
Exzentrizität
Umlaufzeit ≈ 0,4725 d
Mittlere Orbitalgeschwindigkeit ≈ 9,06 km/s
Physikalische Eigenschaften
Albedo ≈ 0,9 ?
Scheinbare Helligkeit 28 mag
Mittlerer Durchmesser ≈ 0,3 km
Masse ≈ <1,0 · 1011 kg
Oberfläche ≈ 0,3 km²
Fallbeschleunigung an der Oberfläche ≈0 m/s²
Fluchtgeschwindigkeit ≈0 m/s
Entdeckung
Entdecker

Cassini Imaging Science Team

Datum der Entdeckung 26. Juli 2009
Anmerkungen Bislang einziges von der IAU nummeriertes Ring-Moonlet

S/2009 S 1 ist der innerste und kleinste der 62 bisher bekannten Monde des Planeten Saturn. Er ist der einzige bislang bekannte Mond, dessen Umlaufbahn innerhalb des B-Rings der Saturnringe verläuft. Auf Grund seiner Größe von wenigen hundert Metern wird er im englischen Sprachraum als Moonlet bezeichnet.

Entdeckung und Benennung

S/2009 S 1 wurde am 26. Juli 2009 auf einer einzelnen Aufnahme der Raumsonde Cassini vom Imaging Science Team der Cassini-Mission entdeckt. Das Bild war eine Nahwinkel-Aufnahme des B-Ringes während einer Durchquerung der Sonde durch die Ringebene und wurde durch einen klaren Filter mit einer Belichtungszeit von 0,82 Sekunden und einer Auflösung von etwa 1 km gemacht. Der Mond fiel durch einen 36 km langen Schatten auf, den er auf den dichten äußeren B-Ring warf. Da das Licht der Sonne zur Zeit des Äquinoktiums am 11. August 2009 - das etwa alle 15 Jahre stattfindet - als die Ringe des Planeten mit ihrer Kante zur Sonne wiesen und nur einen dünnen Schattenstrich auf Saturn warfen, in einem sehr flachen Winkel auf die Ringe fiel, konnte S/2009 S 1 dadurch lokalisiert werden. Er ist der erste und einzige entdeckte Mond des B-Rings, und der siebte entdeckte Mond der Cassini-Raumsonde.

Die Entdeckung wurde am 2. November 2009 durch Carolyn C. Porco, der Leiterin des Imaging Science Team der Cassini-Mission bekannt gegeben. Mit ihm wurde der zu dieser Zeit innerste und kleinste Saturnmond entdeckt und die Anzahl der bisher entdeckten Trabanten des Saturn stieg auf 62.

Die vorläufige Bezeichnung S/2009 S 1 entspricht der Systematik der Internationalen Astronomischen Union (IAU). Er ist bislang der einzige der inneren sogenannten Moonlets, der eine eigene Nummerierung erhielt und daher als regulärer Mond anzusehen ist. Außerdem ist er der bislang kleinste von der IAU nummerierte Mond im gesamten Sonnensystem.

Bahneigenschaften

S/2009 S 1 umkreist Saturn auf einer prograden, wahrscheinlich perfekt kreisförmigen Umlaufbahn in einem Abstand von rund 117.100 km (ca. 1,943 Saturnradien; dies ist bemerkenswert, da sich der innerste Neptunmond Naiad und der Uranusmond Cordelia in der im Verhältnis beinahe gleichen Distanz zu deren Zentralplaneten befindet) von dessen Zentrum, also rund 56.700 km über dessen Wolkenobergrenze. Die Bahnexzentrizität und die Bahnneigung gegenüber dem Äquator von Saturn konnte bisher nicht präzise ermittelt werden, da der Mond bisher nur auf einer einzelnen Aufnahme gesichtet werden konnte; beide Werte müssten jedoch um die 0,0 betragen.

Die Umlaufbahn des nächstäußeren Mondes Pan, der bis 2009 den Status des innersten Saturnmondes innehatte, ist im Mittel rund 16.500 km vom Orbit von S/2009 S 1 entfernt.

S/2009 S 1 umläuft Saturn innerhalb des äußeren etwa 26.600 km breiten B-Rings, die äußere Ringkante beziehungsweise die Innenkante der Cassinischen Teilung ist lediglich etwa 480 km vom Orbit des Mondes entfernt. Im Unterschied zu den 2006 gefundenen Moonlets im A-Ring, die sich etwa 13.000 km weiter außen im A-Ring befinden, konnten um S/2009 S 1 keine propellerartigen Strukturen gefunden werden. Besagte Moonlets (die keine Nummerierungen erhielten) waren zu klein, um direkt abgelichtet zu werden, wurden jedoch durch die während ihres Umlaufes erzeugten engen Lücken lokalisiert. Die Absenz von Propellerstrukturen bei S/2009 S 1 ist sehr plausibel, da der B-Ring sehr dicht ist und sich die durch ihn erzeugten Lücken schneller auffüllen würden als in einer weniger dichten Region wie dem mittleren A-Ring. Abgesehen davon ist es für einen kleinen Mond weitaus schwieriger, in einem so dichten Ring überhaupt Lücken zu erzeugen.

Die Umlaufperiode konnte nicht präzise ermittelt werden, müsste aber aufgrund der Entfernung zum Zentralplaneten 11 Stunden, 20 Minuten und etwa 24 Sekunden betragen.[1] Da dies nur wenig mehr als Saturns Rotationsperiode ist, müsste S/2009 S 1 von einem hypothetischen Betrachter von Saturn aus gesehen sehr lange Zeit am Himmel zu sehen sein (vorausgesetzt, man könnte ihn aufgrund der Einbettung in den B-Ring und der geringen Größe überhaupt ausmachen).

Physikalische Eigenschaften

S/2009 S 1 besitzt einen Durchmesser von etwa 300 Metern. Die Größe des Mondes wurde daraus abgeleitet, dass er während der Entdeckung etwa 150 Meter über die Ringebene herausragte.

Erforschung

Die einzige Aufnahme der Raumsonde Cassini, auf der S/2009 S 1 zu sehen ist, wurde 16 Tage vor dem Frühlingsbeginn von Saturns Nordhalbkugel aus einer Entfernung von 296.000 km gemacht, als sich die Sonde etwa 42° unterhalb des von der Sonne beschienenen B-Ringes befand. Saturn selbst war zu diesem Zeitpunkt aus dieser Position etwa zu zwei Dritteln beleuchtet.

Galerie

Weblinks

Einzelnachweise

  1. S/ 2009 S 1. Shatters Net, abgerufen am 14. Februar 2011 (englisch).
davorSaturnmondedanach
S/2007 S 3(Bisher zuletzt entdeckter Saturnmond)

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


25.02.2021
Asteroidenstaub im „Dinosaurier-Killer-Krater“ gefunden
Ein internationales Forscherteam berichtet über die Entdeckung von Meteoriten-Staub in Bohrproben aus dem Chicxulub-Impaktkraters in Mexiko.
25.02.2021
Zwillingsatome: Eine Quelle für verschränkte Teilchen
Quanten-Kunststücke, die man bisher nur mit Photonen durchführen konnte, werden nun auch mit Atomen möglich. An der TU Wien konnte man quantenverschränkte Atomstrahlen herstellen.
23.02.2021
Auch in der Quantenwelt gilt ein Tempolimit
Auch in der Welt der kleinsten Teilchen mit ihren besonderen Regeln können die Dinge nicht unendlich schnell ablaufen.
23.02.2021
Erstes Neutrino von einem zerrissenen Stern
Ein geisterhaftes Elementarteilchen aus einem zerrissenen Stern hat ein internationales Forschungsteam auf die Spur eines gigantischen kosmischen Teilchenbeschleunigers gebracht.
21.02.2021
Schwarzes Loch in der Milchstraße massiver als angenommen
Ein internationales Team renommierter Astrophysikerinnen und -physiker hat neue Erkenntnisse über Cygnus X-1 gewonnen.
21.02.2021
Ultraschnelle Elektronendynamik in Raum und Zeit
In Lehrbüchern werden sie gerne als farbige Wolken dargestellt: Elektronenorbitale geben Auskunft über den Aufenthaltsort von Elektronen in Molekülen, wie eine unscharfe Momentaufnahme.
21.02.2021
Mit schwingenden Molekülen die Welleneigenschaften von Materie überprüfen
Forschende haben mit einem neuartigen, hochpräzisen laser-spektroskopischen Experiment die innere Schwingung des einfachsten Moleküls vermessen. Den Wellencharakter der Bewegung von Atomkernen konnten sie dabei mit bisher unerreichter Genauigkeit überprüfen.
21.02.2021
Quanten-Computing: Wenn Unwissenheit erwünscht ist
Quantentechnologien für Computer eröffnen neue Konzepte zur Wahrung der Privatsphäre von Ein- und Ausgabedaten einer Berechnung.
19.02.2021
Hochdruckexperimente liefern Einblick in Eisplaneten
Per Röntgenlicht hat ein internationales Forschungsteam einen Blick ins Innere ferner Eisplaneten gewonnen.
19.02.2021
Hochdruckexperimente liefern Einblick in Eisplaneten
Per Röntgenlicht hat ein internationales Forschungsteam einen Blick ins Innere ferner Eisplaneten gewonnen.
19.02.2021
Röntgen-Doppelblitze treiben Atomkerne an
Erstmals ist einem Forscherteam des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik die kohärente Kontrolle von Kernanregungen mit geeignet geformten Röntgenlicht gelungen.
19.02.2021
Ein autarkes Überleben auf dem Mars durch Bakterien
Führende Raumfahrtbehörden streben zukünftig astronautische Missionen zum Mars an, die für einen längeren Aufenthalt konzipiert sind.
17.02.2021
Dualer Charakter von Exzitonen im ultraschnellen Regime: atomartig oder festkörperartig?
Exzitonen sind Quasiteilchen, die Energie durch feste Stoffe transportieren können.
17.02.2021
Neuer Spektrograf sucht nach Super-Erden
Das astronomische Forschungsinstrument CRIRES+ soll Planeten außerhalb unseres Sonnensystems untersuchen.
12.02.2021
Eine neue Art Planeten zu bilden
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich schlagen in Zusammenarbeit mit der Universität Cambridge eine neue Erklärung für die Häufigkeit von Exoplaneten mittlerer Masse vor.
10.02.2021
Optischer Schalter für Nanolicht
Forscherinnen und Forscher in Hamburg und den USA haben einen neuartigen Weg für die Programmierung eines Schichtkristalls entwickelt, der bahnbrechende Abbildungsfähigkeiten erzeugt.
10.02.2021
Weltweit erste Videoaufnahme eines Raum-Zeit-Kristalls gelungen
Einem Forschungsteam ist der Versuch gelungen, bei Raumtemperatur einen Mikrometer großen Raum-Zeit-Kristall aus Magnonen entstehen zu lassen. Mithilfe eines Rasterröntgenmikroskops an BESSY II konnten sie die periodische Magnetisierungsstruktur sogar filmen.
07.02.2021
Lang lebe die Supraleitung!
Supraleitung - die Fähigkeit eines Materials, elektrischen Strom verlustfrei zu übertragen - ist ein Quanteneffekt, der trotz jahrelanger Forschung noch immer auf tiefe Temperaturen be-schränkt ist.
05.02.2021
Quantensysteme lernen gemeinsames Rechnen
Quantencomputer besitzen heute einige wenige bis einige Dutzend Speicher- und Recheneinheiten, die sogenannten Qubits.
03.02.2021
SpaceX-Marsrakete explodiert bei Landung
02.02.2021
Wie kommen erdnahe Elektronen auf beinahe Lichtgeschwindigkeit?
Elektronen können in den Van-Allen-Strahlungsgürteln um unseren Planeten ultra-relativistische Energien erreichen und damit nahezu Lichtgeschwindigkeit.
02.02.2021
Entwicklung einer rekordverdächtigen Quelle für Einzelphotonen
Forschende der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum haben eine Quelle für einzelne Photonen entwickelt, die Milliarden dieser Quantenteilchen pro Sekunde produzieren kann.
02.02.2021
Mit Künstlicher Intelligenz warme dichte Materie verstehen
Die Erforschung warmer dichter Materie liefert Einblicke in das Innere von Riesenplaneten, braunen Zwergen und Neutronensternen.
01.02.2021
Durch die fünfte Dimension zur Dunklen Materie
Eine Entdeckung in der theoretischen Physik könnte helfen, das Rätsel der Dunklen Materie zu lösen.
28.01.2021
KI für die Raumfahrt
Ob der eigenwillige HAL 9000 bei Odyssee im Weltraum, der dezent agierende „Computer“ der Enterprise oder die nüchtern-sarkastischen TARS und CASE in Interstellar – in der Science-Fiction wird die Exploration des Weltraums seit jeher von Künstlicher Intelligenz begleitet.