Interface Region Imaging Spectrograph

Interface Region Imaging Spectrograph

IRIS
IRIS
Typ: Weltraumteleskop
Land: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Betreiber: NASA
Missionsdaten
Masse: 200 kg
Start: 28. Juni 2013, 02:27 UTC
Startplatz: Vandenberg Air Force Base /
Western Air Drop Zone (WADZ)
Trägerrakete: Pegasus-XL
Status: im Orbit
Bahndaten
Bahnneigung: 97,9°
Apogäum: 596 km
Perigäum: 666 km

Interface Region Imaging Spectrograph (IRIS) ist ein Weltraumteleskop zur Erforschung der Sonnenatmosphäre. IRIS ist ein Satellit im Explorer-Programm der NASA. Nach dem Erreichen der Umlaufbahn hat IRIS die zusätzliche Bezeichnung Explorer 94 erhalten.

Aufgabe

IRIS wurde am 19. Juni 2009 zusammen mit dem später gestrichenen Gravity and Extreme Magnetism SMEX für das SMEX-(Small Explorer)-Programm aus sechs Kandidaten ausgewählt. Federführend für IRIS war das Lockheed Martin Solar and Astrophysics Laboratory (LMSAL).[1][2] Der Satellit wurde vom Lockheed Martin Solar and Astrophysics Laboratory (LMSAL) gebaut und wird von diesem gemeinsam mit dem Ames Research Center der NASA betrieben.

Die Aufgabe von IRIS ist die Erforschung der äußeren Bereiche der Sonnenatmosphäre. IRIS wird den Energie- und Plasmafluss durch die Chromosphäre und die Übergangsregion (engl. interface region) in die Sonnenkorona im ultravioletten Bereich mittels Abbildung und Spektrometrie untersuchen. Dadurch werden Informationen über den Energietransport in die Korona und den Sonnenwind gewonnen, die zum Verständnis dieser bislang nicht näher untersuchten dynamischen Region der Sonne und anderer Sterne beitragen.[3]

Das Teleskop kann pro Aufnahme nur etwa ein Prozent der Sonnenoberfläche erfassen, erreicht aber dabei eine räumliche Auflösung von 240 km. Damit ergänzt IRIS die Aufnahmen des Forschungssatelliten Solar Dynamics Observatory (SDO), der Komplettaufnahmen der Sonne in geringerer Auflösung liefert, beispielsweise zur Untersuchung aktiver Regionen.[4]

Das UV-Teleskop ermöglicht die Beobachtung von Sonnenmaterie im Temperaturbereich von 5000 K bis 65.000 K und Sonneneruptionen bis zu 10 Millionen K. Dieser Bereich wurde so gewählt, um Material in der Photosphäre, der Übergangsschicht und der Chromosphäre zu erfassen. Das Instrument nimmt alle fünf bis zehn Sekunden ein Bild und alle ein bis zwei Sekunden Spektren auf.[4]

Aufbau

Aufbau des IRIS-Satelliten

Der IRIS-Satellit besteht aus einer scheibenförmigen Satellitenstruktur, die die Systeme zur Energieversorgung, Kommunikation, Steuerung und Lageregelung enthält und das UV-Teleskop trägt. Die Energieversorgung erfolgt durch zwei ausklappbare Solarzellenausleger. Diese werden mit dem gesamten Satelliten per Dreiachsenstabilisation auf die Sonne ausgerichtet. Die Daten werden über eine X-Band-Funkverbindung mit einer Datenübertragungsrate von bis zu 10 MBit/Sekunde an die Bodenstation übertragen. Bei einer Masse von 200 kg hat der Satellit eine Höhe von 2,1 m und mit entfalteten Solarzellenauslegern eine Spannweite von 3,7 m.[4]

Der IRIS-Satellit besitzt nur ein Forschungsinstrument: ein abbildendes UV-Spektrometer mit 20 cm Öffnung und hoher Bildrate. Es liefert ein Bild pro Sekunde bei einer räumlichen Auflösung von 0,3 Bogensekunden und einer Spektralauflösung im Sub-Ångström-Bereich. Das Teleskop wurde vom Smithsonian Astrophysical Observatory bereitgestellt, während das Spektrometer und die abbildende UV-Kamera von LMSAL entwickelt und gebaut wurde.

Zur genauen Ausrichtung des Observatoriums ist zusätzlich ein Leitteleskop parallel zum Hauptinstrument montiert.

Missionsverlauf

Der Satellit wurde am 16. April 2013 an der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien angeliefert und am 29. Mai auf die Pegasus-XL-Trägerrakete montiert. Als Trägerflugzeug diente eine L-1011 TriStar von Orbital Sciences mit der Bezeichnung Stargazer. Das Trägerflugzeug hob am 28. Juni (nach Ortszeit noch 27. Juni) um 01:27 UTC von der Vandenberg Air Force Base ab und flog zur Point Arguello Western Air Drop Zone (WADZ) bei 36° 0′ N, 123° 0′ W. Dort wurde die Pegasus-Rakete um 02:27 UTC aus 39.000 ft (ca. 11.900 m) Höhe abgeworfen, die Triebwerke zündeten fünf Sekunden später. Die dreistufige Pegasus benötigte etwa 13 Minuten, um den Satelliten in die vorgesehene Umlaufbahn zu bringen und ihn dort erfolgreich auszusetzen.[5] Am 25. Juli 2013 wurde das erste Bild der Sonde veröffentlicht.[6]

Ursprünglich war der Betrieb nur für zwei Jahre vorgesehen, doch die Mission wurde im September 2016 bis zum September 2018 verlängert.[7]

Weblinks

 <Lang> Commons: Interface Region Imaging Spectrograph – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. NASA Selects Small Explorer Investigations for Concept Studies. NASA, 29. Mai 2008, abgerufen am 23. Juli 2013.
  2. NASA Awards Two Small Explorer Development Contracts. NASA, 19. Juni 2009, abgerufen am 23. Juli 2013.
  3. NASA IRIS Homepage - Overview. NASA, 5. Juni 2013, abgerufen am 23. Juli 2013.
  4. 4,0 4,1 4,2 NASA IRIS Homepage - IRIS Spacecraft. NASA, 5. Juni 2013, abgerufen am 23. Juli 2013.
  5. William Graham: Orbital’s Pegasus XL successfully lofts IRIS spacecraft. nasaspaceflight.com, 27. Juni 2013, abgerufen am 1. Juli 2013 (english, Aufgrund der Zeitverschiebung zwischen den USA und UTC trägt der Artikel noch das Datum vom 27. Juni).
  6. Karen C. Fox: NASA's IRIS Telescope Offers First Glimpse of Sun's Mysterious Atmosphere. NASA, 25. Juli 2013, abgerufen am 30. Juli 2013 (english).
  7. Chris Bergin, William Graham: IRIS mission gains extension and Chilean cooperation. nasaspacerflight.com, 19. September 2016, abgerufen am 20. September 2016 (english).

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


13.06.2021
Die Taktgeber der Sonne
Nicht nur der prägnante 11-Jahres-Zyklus, auch alle weiteren periodischen Aktivitätsschwankungen der Sonne können durch Anziehungskräfte der Planeten getaktet sein.
13.06.2021
Wenn Schwarze Löcher den Weg für die Sternentstehung in Satellitengalaxien freimachen
Eine Kombination von systematischen Beobachtungen mit kosmologischen Simulationen hat gezeigt, dass Schwarze Löcher überraschenderweise bestimmten Galaxien helfen können, neue Sterne zu bilden.
13.06.2021
Flüssiges Wasser auf Monden sternenloser Planeten
Monde sternenloser Planeten können eine Atmosphäre haben und flüssiges Wasser speichern. Münchner Astrophysiker haben berechnet, dass die Wassermenge ausreicht, um Leben auf diesen wandernden Mond-Planeten-Systemen zu ermöglichen und zu erhalten.
13.06.2021
Solar Orbiter: Neues vom ungewöhnlichen Magnetfeld der Venus
Solar Orbiter ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der NASA, die bahnbrechende neue Erkenntnisse über die Sonne liefern wird.
13.06.2021
Quantenbits aus Löchern
Wissenschafter haben ein neues und vielversprechendes Qubit gefunden – an einem Ort, an dem es nichts gibt.
07.06.2021
Gammablitz aus der kosmischen Nachbarschaft
Die hellsten Explosionen des Universums sind möglicherweise stärkere Teilchenbeschleuniger als gedacht: Das zeigt eine außergewöhnlich detaillierte Beobachtung eines solchen kosmischen Gammastrahlungsblitzes.
31.05.2021
Verblüffendes Quantenexperiment wirft Fragen auf
Quantensysteme gelten als äußerst fragil: Schon kleinste Wechselwirkungen mit der Umgebung können zur Folge haben, dass die empfindlichen Quanteneffekte verloren gehen.
31.05.2021
Symmetrie befördert Auslöschung
Physiker aus Innsbruck zeigen in einem aktuellen Experiment, dass auch die Interferenz von nur teilweise ununterscheidbaren Quantenteilchen zu einer Auslöschung führen kann.
31.05.2021
Wie Wasser auf Eisplaneten den felsigen Untergrund auslaugt
Laborexperimente erlauben Einblicke in die Prozesse unter den extremen Druck- und Temperatur-Bedingungen ferner Welten. Fragestellung: Was passiert unter der Oberfläche von Eisplaneten?
31.05.2021
Neues Quantenmaterial entdeckt
Auf eine überraschende Form von „Quantenkritikalität“ stieß ein Forschungsteam der TU Wien gemeinsam mit US-Forschungsinstituten. Das könnte zu einem Design-Konzept für neue Materialien führen.
27.05.2021
Wenden bei Höchstgeschwindigkeit
Physiker:innen beobachten neuartige Lichtemission. und zwar wenn Elektronen in topologischen Isolatoren ihre Bewegungsrichtung abrupt umdrehen.
27.05.2021
Mit Klang die Geschichte der frühen Milchstraße erkunden
Einem Team von Astronominnen und Astronomen ist es gelungen, einige der ältesten Sterne in unserer Galaxie mit noch nie dagewesener Präzision zu datieren.
11.05.2021
Teleskop zur Erforschung von Objekten höchster Dichte im Universum
Eine internationale Gruppe von Astronomen hat erste Ergebnisse eines groß angelegten Programms vorgestellt, bei dem Beobachtungen mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop dazu verwendet werden, die Theorien von Einstein mit noch nie dagewesener Genauigkeit zu testen.
11.05.2021
Quantencomputing einfach erklärt
„Quantencomputing kompakt“ lautet der Titel eines aktuellen Buchs, das Bettina Just veröffentlicht hat. Die Mathematikerin und Informatikerin, die an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) lehrt und forscht, behandelt darin ein Teilgebiet der Informationstechnik mit großem Entwicklungspotenzial.
11.05.2021
Auf dem Weg zum kleinstmöglichen Laser
Bei extrem niedrigen Temperaturen verhält sich Materie oft anders als gewohnt.
07.05.2021
Die Entdeckung von acht neuen Millisekunden-Pulsaren
Eine Gruppe von Astronomen hat mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop acht Millisekunden-Pulsare entdeckt, die sich in Kugelsternhaufen mit hoher Sterndichte befinden.
04.05.2021
Handfeste Hinweise auf neue Physik
Das Fermilab (USA) hat heute erste Daten aus dem Myon g-2 Experiment veröffentlicht, welche die Messwerte des gleichnamigen, 2001 durchgeführten Experiments am Brookhaven National Laboratory bestätigen.
04.05.2021
Neuer Exoplanet um jungen sonnenähnlichen Stern entdeckt
Astronomen aus den Niederlanden, Belgien, Chile, den USA und Deutschland bilden neu entdeckten Exoplaneten „YSES 2b“ direkt neben seinem Mutterstern ab.
07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
02.04.2021
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen. Sie werden zum Beispiel für die Vermessung des Schwerefelds der Erde eingesetzt oder um Gravitationswellen aufzuspüren. Weitere Raketenmissionen sollen folgen.
02.04.2021
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
25.03.2021
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.