Tierkreiszeichen

Tierkreiszeichen

Tierkreis, mit Hinweis auf die zwei von der Erde aus gesehenen Bewegungen: die jährliche der Sonne und die tägliche des Himmels. Eine astronomische Uhr zeigt die zwei Bewegungen an.

Tierkreiszeichen sind die Symbolbilder, die den einzelnen Abschnitten des Tierkreises zugeordnet sind. Seit der Antike wurde dabei die Ekliptik in zwölf gleiche Sektoren geteilt: die bis heute bekannten und gebräuchlichen Tierkreiszeichen, die sich an den Eckpunkten im Jahreskreis ausrichten, also der Frühlingstagundnachtgleiche, der Sommersonnenwende, der Herbsttagundnachtgleiche und der Wintersonnenwende.

Die Tierkreiszeichen wurden in der Antike zunächst mit den gleichnamigen Sternbildern assoziiert, die sich in den jeweiligen Abschnitten befanden; sie dürfen aber nicht mit diesen verwechselt werden. Denn infolge der Präzession (einer Periode von 25.800 Jahren), die ebenfalls bereits in der Antike durch Hipparchos beschrieben wurde, sind die Tierkreiszeichen mittlerweile um etwa 30° zu den jeweiligen Sternbildern verschoben.

Der vollständige Tierkreis und seine Aufteilung in „Zeichen“ zu 30° wurde im 4. Jh. v. Chr., vielleicht schon während des Seleukidenreiches, im Gebiet Mesopotamiens entwickelt bzw. erstmals überliefert. Ebenfalls im 4. Jh. v. Chr. entstand dort mit der antik erstmals nachweisbaren mathematische Astronomie die Fähigkeit, die Planetenpositionen vorauszuberechnen auf Basis des Koordinatensystems der 30°-Abschnitte, der einzelnen Tierkreiszeichen des Tierkreises.[1]

Der Tierkreis

Die Ekliptik (blaue Linie) verläuft hier fast mittig durch das Sternbild Stier.

Als Tierkreis bzw. Zodiak (von ζῳδιακός zōidiakós „Lebewesenkreis“) wird eine etwa 20 Grad breite Zone um die Ekliptik bezeichnet, innerhalb derer die scheinbaren Bahnen von Sonne, Mond und Planeten verlaufen.

Die Mittellinie der unsichtbaren großen Straße des Himmels nannten die Griechen die Ekliptik, weil in ihr die Eklipsen, die Sonnen- und Mondfinsternisse, stattfinden. Die Ekliptik dient als Messkreis für die Positionsbestimmung der Gestirne und der astrologischen Schnittpunkte Medium coeli (MC), Aszendent, Mondknoten und Widderpunkt.

Tropischer und siderischer Tierkreis

Datei:Erde,Tierkreis,Guertel2.PNG
Tropischer Tierkreis (schematisch)
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Siderischer Tierkreis (schematisch)
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Zusammenschau von siderischen Sternbildern und Tierkreiszeichen (schematisch) für das Jahr 2000

Es gibt zwei verschiedene Tierkreise, die die Ekliptik in zwölf Tierkreiszeichen aufteilen: den tropischen Tierkreis, der sich unabhängig von den Sternen am Jahreslauf ausrichtet, und den siderischen Tierkreis, der sich an den Sternbildern im Bereich der Ekliptik orientiert.

Als vermutlich ab dem 3. Jh. v. Chr. das astrologische System im hellenistisch geprägten Alexandria entwickelt wurde, stimmten der tropische und der siderische Tierkreis überein. Im Vergleich mit damals stehen die beiden Tierkreise heute jedoch ca. 30° verschoben zueinander. Das liegt daran, dass die für die Jahreszeiten maßgebliche Erdachse torkelt – ähnlich einem Kreisel, nur ganz langsam, nämlich eine Runde in ca. 25.800 Jahren; dieser Vorgang ist als Präzession bekannt. Mit einer Geschwindigkeit von 1° in rund 72 Jahren wandert dabei aus Sicht der Erde der Frühlings- oder Widderpunkt im Uhrzeigersinn durch die unterschiedlich großen Sternbilder. Zur Zeit um Christi Geburt wechselte er vom Sternbild Widder in das Sternbild Fische, was als Beginn des Fische-Zeitalters verstanden wurde.

Tropischer Tierkreis

Der in der westlichen Astrologie dominierende tropische Tierkreis besteht gleichfalls aus dem 360° -Messkreis mit den zwölf Tierkreiszeichen zu 30° -Abschnitten. Der tropische Tierkreis ist eine gänzliche Abstraktion, da er in keiner Weise mit den Sternbildern auf der Ekliptik korrespondiert. Dies wird u. a. auch dadurch sichtbar, dass der Anfang des tropischen Tierkreises bei 0° im Tierkreiszeichen Widder, der Frühlingspunkt, durch jenen Ekliptik-Punkt bestimmt wird, welchen die Sonne zum exakten Zeitpunkt des Frühjahrs-Äquinoktium in nördliche Richtung überquert. Erst in der Spätantike, nach dem 5. Jh., setzte sich der tropische gegen den siderischen Tierkreis durch, nachdem Astronomen schon mehrere Jahrhunderte zuvor bemerkt hatten, dass der mit dem siderischen Tierkreis verbundene Frühlingsbeginn immer später im Jahreslauf erreicht wurde, mithin aufgrund der Präzession in den meteorologischen Frühling Richtung Sommer wanderte.[2]

Siderischer Tierkreis

Ekliptik-Sternbilder, Blickrichtung Osten.[3] Die Sternbilder an der Ekliptik (rötliche Linie quer) sind verschieden lang, teils überlappend, teils mit Abstand.

Die überwiegend indisch ausgerichtete Methode, als Vedische Astrologie bekannt, benutzt den siderischen Tierkreis. Sie teilt den Messkreis wie beim tropischen Tierkreis ebenfalls in zwölf Abschnitte zu 30° und orientiert sich nach wie vor an dem antiken Sternbild Widder, was den Anfang des 360° - Tierkreises bei 0° im Tierkreiszeichen Widder betrifft. Da sich die jährlich wiederkehrenden Positionen der Sternbilder aufgrund der Präzession ganz langsam ändern (um ca. 1° in 72 Jahren), wandert der Punkt des Frühjahr-Äquinoktiums um den 21. März im tropischen Tierkreis, im Unterschied zum siderischen Tierkreis, scheinbar rückwärts entlang der antiken Sternbilder und befindet sich derzeit im überlappenden Übergang der Sternbilder Fische und Wassermann.[4] Darüber hinaus werden in der Astrologie, welche mit dem siderischen Tierkreis arbeitet, teils Fixsterne und Fixstern-Gruppierungen mit beachtet.

Die zwölf Tierkreiszeichen des Zodiaks

Hauptartikel: Zodiak
Tierkreiszeichen Symbolik ekliptikale
Länge
Zeitraum des scheinbaren
Sonnendurchgangs (2011)a
deutsch lateinisch altgriechisch
Widder Aries Κριός Widder Aries2.jpg 0°–30° 21. März – 20. April
Stier Taurus Tαῦρος Stier Taurus2.jpg 30°–60° 21. April – 21. Mai
Zwillinge Gemini Δίδυμοι Zwillinge Gemini2.jpg 60°–90° 22. Mai – 21. Juni
Krebs Cancer Καρκίνος Krebs Cancer2.jpg 90°–120° 22. Juni – 22. Juli
Löwe Leo Λέων Löwe Leo2.jpg 120°–150° 23. Juli – 22. August
Jungfrau Virgo Παρθένος Jungfrau Virgo2.jpg 150°–180° 23. August – 22. September
Waage Libra Ζυγὁς Waage Libra2.jpg 180°–210° 23. September – 22. Oktober
Skorpion Scorpio Σκορπίος Skorpion Scorpio2.jpg 210°–240° 23. Oktober – 22. November
Schütze Sagittarius Τοξότης Schütze Sagittarius2.jpg 240°–270° 23. November – 20. Dezember
Steinbock Capricornus Αἰγοκερεύς Steinbock Capricorn2.jpg 270°–300° 21. Dezember – 19. Januar
Wassermann Aquarius Ὑδροχόος Wassermann Aquarius2.jpg 300°–330° 20. Januar – 18. Februar
Fische Pisces Ἰχθύες Fische Pisces2.jpg 330°–360° 19. Februar – 20. März
a Aufgeführt sind die Sonnendurchgänge durch die Tierkreiszeichen als gleich große Abschnitte der Ekliptik. Die Datumsangaben sind Mittelwerte, aus Kalendergründen (Schaltjahre) können die Daten um ± einen Tag abweichen.[5]

Siehe auch die Ekliptiksternbilder im Artikel Zodiak mit den Vergleichszeiten der Sonnendurchgänge durch die unterschiedlich großen Sternbilder.

Deutung

Geschichtliche Entwicklung

Sternbildähnliche Fixsterngruppen fanden spätestens ab dem zweiten Jahrtausend v. Chr. im Alten Ägypten als Tagewählkalender Berücksichtigung, nach gleichem Prinzip auch in Mesopotamien. Deutungen gehen auf eine in der altägyptischen Spätzeit (etwa 664–332 v. Chr.) erfolgte Verschmelzung mit den babylonischen Tierkreiszeichen zurück.

Herodot beschrieb Mitte des fünften Jahrhunderts v. Chr. die vermutlich mit den Dekansternen im Zusammenhang stehenden Aussagen:

„Ferner ist von den Ägyptern auch zuerst festgestellt worden, welcher Monat und Tag den einzelnen Göttern heilig ist und welche Schicksale, welches Ende und welchen Charakter die an diesem oder jenem Tage Geborenen haben werden. Griechische Dichter haben diese Dinge ebenfalls übernommen. Und Vorzeichen haben die Ägypter weit mehr herausgefunden als alle anderen Völker. Wenn etwas Auffälliges geschieht, achten sie auf dessen Folgen und schreiben sie auf. Bei einem ähnlichen Vorfall in der Zukunft glauben sie dann, es müssten wieder die gleichen Folgen eintreten.“

Herodot[6]
Trigonaspekte der Zeichen, zugleich Zuordnung der Zeichen zu den vier Elementen

Der vollständige Tierkreis mit seinen – noch unterschiedlich langen – zwölf Sternbildern auf der Ekliptik wurde schließlich im 5. Jh. v. Chr. während des Achämenidenreichs im Gebiet Mesopotamiens entwickelt bzw. erstmals überliefert. Im 4. Jh. v. Chr. entwickelte sich, wohl schon in der seleukidischen Herrschaft nach der hellenistischen Eroberung des Gebietes, die exakte Aufteilung des Tierkreises in zwölf „Zeichen“ zu 30° sowie die antik erstmals nachweisbaren mathematische Astronomie, welche ermöglichte, die Planetenpositionen vorauszuberechnen auf Basis des Koordinatensystems der 30°-Abschnitte der einzelnen Tierkreiszeichen.[7][8] Der siderische Tierkreis selbst mit seinen zwölf gleichen 30°-Abschnitten und dem Beginn mit dem Tierkreiszeichen Widder könnte dadurch entstanden sein, dass er an den schematischen 'Ideal-Kalender' mit zwölf Monaten zu 30 Tagen, mit dem das babylonische Jahr nahe dem Frühjahrs-Äquinoktium vielleicht ab dem 7. Jh. v. Chr. begann, und an den parallelen Sternbildern angelehnt wurde.[9]

Im Hellenismus bzw. ägyptischen Ptolemäerreich wurde der importierte babylonische Tierkreis mit der Idee der am Horizont aufsteigenden Dekansterne verbunden. Später fand der Gedanke, den einzelnen Tierkreiszeichen bestimmte Grunddeutungen zuzuordnen, seine Fortsetzung. Astrologisch-astronomische Traditionen aus dem mesopotamischen Raum bzw. dem (neubabylonischen) und Achämenidenreich wurden mit den Bedeutungen der bereits seit langem in Ägypten (s. ägyptischer Kalender und Nutbuch) praktizierten Unterteilung des Fixsternhimmels in Dekane und Grade vermischt. Später entwickelten sich daraus die eigenständige Dekan- und Grad-Astrologie. Jedem Gradabschnitt wurde eine zusätzliche Bedeutung zugeordnet. Ergänzt wurden die Deutungen um die Vier-Elemente-Lehre (Wasser, Luft, Feuer, Erde), die sich vom 6. bis 5. Jahrhundert v. Chr. ausgebildet hatte und Bestandteil griechischen Alltagsdenkens war:

  • Wasser, Thales von Milet (624–546 v. Chr.)
  • Luft, Anaximenes (585–525 v. Chr.)
  • Feuer, Heraklit (ca. 540–475 v. Chr.)
  • Erde, Empedokles, (ca. um 500 v. Chr.)

Der Vier-Elemente-Lehre folgte um 500 v. Chr. die Harmonielehre der Pythagoreer (begründet von Pythagoras, 570–510). Sie widmeten sich u. a. der Geometrie und Zahlensymbolik. Mit Zählsteinen legten sie geometrische Figuren (z. B. Trigone und Vierecke). Die Vierheit (Tetraktys) hatte große Bedeutung, weil die Gesamtheit der Zahlen 1, 2, 3 und 4 die Summe 10 ergibt. Des Weiteren wurde der Gegensatz von geraden und ungeraden Zahlen sowie nach weiblich und männlich unterschieden. Das ergab die Zuordnungen: gerade für unbegrenzt und weiblich, sowie ungerade für begrenzt und männlich.

Aristoteles (384–322 v. Chr.) erweiterte die Vier-Elemente-Lehre mit den Zuordnungen Trockenheit bzw. Feuchtigkeit und Wärme bzw. Kälte.[10] Die sich daraus bildende Zusammenstellung führte zu einer Ordnung mit folgender Kombination:

  • Trockenheit und Wärme das Feuer
  • Feuchtigkeit und Wärme die Luft
  • Feuchtigkeit und Kälte das Wasser
  • Trockenheit und Kälte die Erde

Verwendung des tropischen Tierkreises

Die Vier-Elemente-Lehre und Aristoteles’ Ergänzungen bildeten eine bedeutsame Grundlage für die antik entstehende Hellenistische Astrologie und die Deutung der Tierkreiszeichen. Dabei wurde die als wissenschaftlich-physikalisch verstandene Betrachtungsweise der Vier Elemente und vier Zustände (warm-kalt, trocken-feucht) des Aristoteles mit dem jährlichen Sonnenlauf und den tropischen Tierkreis verbunden. Die Sonne tritt im Frühling in das Zeichen Widder, im Sommer in das des Krebses, im Herbst in das der Waage und im Winter in das des Steinbocks.

Quadrataspekte, zugleich Einordnung kardinal, gemeinschaftlich, veränderlich

Die Schnittpunkte der vier Jahreszeiten mit Linien verbunden ergibt ein Quadrat. Es hat nach Pythagoras aufgrund der Summe, 1 + 2 + 3 + 4 = 10, eine große Bedeutung. Zwischen den Schnittpunkten liegen jedes Mal drei aufeinander folgende Tierkreiszeichen, denen eine abgestufte Bedeutung zukommt: das erste Zeichen stark (kardinal), das zweite mittelstark (fix, gemeinschaftlich), das dritte veränderlich (fallend, beweglich).

Zuordnung der Tierkreiszeichen zu Christus (Löwe) und den Aposteln; auf drei Seiten eines Elfenbeinkästchens, Bamberg, um 870
Zuordnung der Tierkreiszeichen zu den Lebensabschnitten; Russische Nationalbibliothek, St. Petersburg, 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
Zuordnung der Tierkreiszeichen zu den Körperteilen; Homo signorum, Heinrich von Laufenberg, Regimen, ca. 1450/60

Die einmal begonnenen Zuordnungen wurden im Laufe der folgenden Jahrhunderte immer mehr verdichtet, wobei sie sich auf Überlieferungen und Vorlagen aus früheren Zeiten bezogen, z. B. Geographie, Wetterkunde und Medizin, deren Anfänge bei Hippokrates (um 460–370 v. Chr.) zu finden sind.[11]

Es kamen die Verteilung der Gestirne (Sonne, Mond und Planeten), Tiere, Pflanzen, Edelsteine und Metalle, später die Stämme Israels und die vier Apostel, s. u. Evangelistensymbole, Persönlichkeitsmerkmale, Berufe und Partnerschaften und Lebensabschnitte dazu sowie die astrologische Medizin (Iatroastrologie), die die Glieder des menschlichen Körpers vom Kopf bis zu den Füßen den zwölf Tierkreiszeichen zuordnete, ähnlich wie dargestellt in der Abbildung des Tierkreiszeichenmannes, Homo signorum. Auf diese Weise spiegelte schließlich alles physische Leben auf Erden sich im Tierkreis wider.

Die folgenden beiden Übersichten erstellte der Astrologe Antiochos von Athen (2. Jahrhundert n. Chr.);[12] Ergänzungen finden sich bei Claudius Ptolemäus (100–160 n. Chr.)[13] und Vettius Valens (120–175 n. Chr.). Sie basieren auf dem tropischen Tierkreis, der mit dem Widderpunkt, also dem Frühlingsanfang beginnt:[14]

Tierkreiszeichen Jahreszeit Elemente Qualität Lebensalter Windrichtung
Widder
Stier
Zwillinge
Frühling Feuer
Erde
Luft
trocken + warm
trocken + kalt
feucht + warm
Kindheit Süd
Krebs
Löwe
Jungfrau
Sommer Wasser
Feuer
Erde
feucht + kalt
trocken + warm
trocken + kalt
Jugend Ost
Waage
Skorpion
Schütze
Herbst Luft
Wasser
Feuer
feucht + warm
feucht + kalt
trocken + warm
Mannheit Nord
Steinbock
Wassermann
Fische
Winter Erde
Luft
Wasser
trocken + kalt
feucht + warm
feucht + kalt
Alter West
Qualitäten Aggregatzustände Säfte Temperament Farben
feucht + warm flüssig Blut sanguinisch Rot
trocken + warm fein (gasförmig) Galle cholerisch Gelb
trocken + kalt dicht schwarze Galle melancholisch Schwarz
feucht + kalt zähe Schleim phlegmatisch Weiß
Geographie, Zuordnungen nach Ptolemäus[15][16]
Tierkreiszeichen Geographie
Widder Britannien, Galatien, Germanien, Bastarnien, Koilesyrien, Palästina, Idumäa, Judäa
Stier Parthien, Medien, Persien, die Kykladen, Zypern, die Küste Kleinasiens
Zwillinge Hyrkanien, Armenien, Mathianien, Kyrenaika, Marmarika, Unter-Ägypten
Krebs Numidien, Karthago, Afrika, Bithynien, Phrygien, Kolchis
Löwe Italien, Gallien, Sizilien, Apulien, Phönizien, Chaldäa, Orchinien
Jungfrau Mesopotamien, Babylonien, Assyrien, Hellas, Achaia, Kreta
Waage Baktrien, Kasperia, Serika, Theben, Oasis, das Land der Troglodyten
Skorpion Metagonien, Mauretanien, Gaetulien, Syrien, Kommagene, Kappadokien
Schütze Thyrrhenien, das Land der Kelten, Spanien, Arabia Felix
Steinbock Indien, Arrianien, Gedrosien, Thrakien, Macedonien, Illyrien
Wassermann Sarmatien, Oxiana, Sogdiana, Arabien, Azania, Mittel-Äthiopien
Fische Phazanien, das Land der Nasamontanen, der Garamanten, Lydien, Kilikien, Pamphylien

Kalenderdeutung, Kalenderastrologie

„Tabula Bianchini“, eine Sternwahrsagetafel, ein astromantisches Würfelbrett, entwickelt um 3.–2. Jahrhundert v. Chr., Marmortafel; 1705 auf dem Aventin in Rom ausgegraben, Italien[17] (Jean Sylvain Bailly. Histoire de l’astronomie ancienne: depuis son origine jusqu’à l’établissement de l’école d’Alexandrie. De Bure fils aîné, 1781. Pl. 3) 3. Jahrhundert v. Chr.
Tierkreis und Kalender mit zahlreichen Zuordnungen aus dem „Katalanischen Atlas“ von Abraham und Jehuda Cresques, 1375

Angesichts der immer komplexeren Ausgestaltung des Tierkreises mit Deutungen und Einteilungen, ergänzt u. a. um Tabellen für günstige bzw. ungünstige, verhängnisvolle bzw. unheilvolle und neutrale Tage sowie Jahres-, Monats- und Tagesregenten, begann sich um die Zeitenwende eine eigenständige Tierkreisastrologie zu etablieren. In der Praxis beschränkte sie sich auf den Geburtstag als Grundlage, wodurch sie sich zur ausschließlichen Kalenderdeutung wandelte.[18] Als Vorläufer kann die „Tabula Bianchini“, eine Sternwahrsagetafel, ein astromantisches Würfelbrett, entwickelt um 3.–2. Jahrhundert v. Chr., angesehen werden.[17][19]

Mit der eigentlichen, der ernsten Astrologie (s. u.), zu deren Selbstverständnis die gewissenhafte Berechnung der Positionen von Sonne, Mond und Planeten gehört, hatte sie keine Ähnlichkeit mehr, bediente sich aber nach wie vor ihres Namens, vielleicht um bedeutungsvoller zu erscheinen.[20]

Die Kalenderdeutung, vermischt mit Volksaberglauben und Brauchtum, begünstigte den Beginn der vereinfachten, oberflächlichen Laien- und Unterhaltungsastrologie. Sie blühte innerhalb weniger Jahrhunderte zu ungeahnter Größe auf, Jahresbilder, Monatsbilder, Planetenkinder kamen hinzu, wozu auch die Kunst in Malerei, Architektur, Bildhauerei, Literatur und Musik erheblich beitrug, die sich von der Idee, im Tierkreis spiegele sich alles Irdisch-Menschliche wider, kreativ inspirieren ließ (Beispiele: Albrecht Dürer, 1471–1528, Melencolia I/Melancholia und Illustration zu Theoderich Ulsenius’ Syphilisgedicht; Sammlung Aby Warburg, und Monatsbilder im Palazzo Schifanoia; außerdem viele Fresken, Wand- und Deckenmalereien, Marmortafeln, aufwendige Holzschnitte für Handschriften).

Ihre phantasiereichen Vertreter traf man in erlauchten Kreisen ebenso wie auf Straßen, Jahrmärkten und im Zirkus; auch redegewandte Scharlatane und Betrüger fanden sich ein, die versuchten, die Leichtgläubigkeit der Menschen mit ihren doppelsinnigen, vagen und allgemeingültigen, aber glaubhaft wirkenden Wahrsagetexten zu beeindrucken.[21] Die Kalenderdeutung hatte für jeden Geschmack etwas dabei und bot Beschreibungen an, die allesamt dem Barnum-Effekt zuzuordnen sind.

Mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert wuchs ihre Verbreitungsmöglichkeit sprunghaft. Ihre millionenfache Abhandlung erfolgt bis heute durch Printmedien, auf Karten und Kalendern, Amuletten und Textilien aller Art, in TV- und Rundfunksendungen, im Internet usw. Sie ist international Bestandteil des Alltags geworden. Dies gilt sinngemäß für die chinesische Astrologie, die ebenfalls der Kalenderdeutung zuzuordnen ist.

Praktische Anwendung in der Astrologie

Der tropische Tierkreis mit seinen zwölf gleich großen Abschnitten, den Tierkreiszeichen, dient dem Horoskop als Messkreis, um die Horoskop-Elemente wie Sonne und Mond sowie Planeten, Aszendenten und die weiteren Horoskop-Häuser einzutragen. Ohne Geburtsort und Geburtszeit kann kein Horoskop erstellt werden.Als Tierkreiszeichen einer Person wird dasjenige bezeichnet, in dem die Sonne zum Zeitpunkt ihrer Geburt stand (Geburtszeichen). Die Tierkreiszeichen spielen auch eine Rolle in den Ende des 20. Jahrhunderts wieder in Mode gekommenen Mondkalendern, die auf Frühformen aus dem Mittelalter zurückgehen.

Tierkreiszeichen und bürgerlicher Kalender

Faltkalender (um 1400) mit Tierkreiszeichen des Monats, Tageslängen und zu verrichtender Tätigkeit

Da die Sonne selten um Mitternacht von einem Tierkreiszeichen in das nächste wechselt, ist die häufig zu findende allgemeine Einteilung nach Kalendertagen nicht vollkommen präzise. Der genaue Zeitpunkt des Übergangs variiert auch von Jahr zu Jahr, da das Sonnenjahr nicht genau 365 Tage lang ist. Astrologen berechnen den Übergang daher genau unter Zuhilfenahme der Ephemeriden, in Tierkreiszeichen-Büchern und Zeitungshoroskopen ist dennoch die Angabe von Kalendertagen üblich.

Tierzeichen in Indien und China

Die Erdzweige („chinesische Tierzeichen“) haben nichts mit dem Sternenhimmel zu tun, sondern sind ein Nummerierungssystem des chinesischen Kalenders, der als astronomischer Kalender auf die tatsächliche Sonnenbahn bezogen ist. Sie gehen vermutlich auf die antike Dodekaetris zurück.

In der indischen Astrologie sind die 30 Grad großen Tierkreiszeichen an die Sternbilder gebunden und wandern mit ihnen allmählich durch die Jahreszeiten. Diese Art der Astrologie bezeichnet man als siderische Astrologie im Unterschied zur tropischen Astrologie mit an den Frühlingspunkt gebundenen Zeichen.

Rezeption

Ein Großteil der an die Wirksamkeit der Astrologie Glaubenden hält die Kalenderastrologie oder noch häufiger die Stellung der Sonne bei der eigenen Geburt im jeweiligen Tierkreiszeichen für 'die Astrologie'.

Die Naturwissenschaft lehnt jede Form der Astrologie aufgrund ihrer „unstrittigen Unwissenschaftlichkeit“ ab. Im Jahre 1975 veröffentlichte die amerikanische Zeitschrift The Humanist eine Erklärung mit dem Titel Einwände gegen die Astrologie.[22] Einleitend hieß es: „Wir, die Unterzeichner - Astronomen, Astrophysiker und Naturwissenschaftler anderer Fachrichtungen - möchten die Öffentlichkeit vor einem ungeprüften Vertrauen zu den Vorhersagen und Ratschlägen warnen, die Astrologen privat und öffentlich machen und erteilen. Wer an die Astrologie glauben möchte, sollte sich vor Augen halten, daß es für ihre Lehren keine wissenschaftliche Grundlage gibt.“[23]

Mit der Tierkreisastrologie befasste sich auch das dänisch-deutsche Forscherteam um Peter Hartmann in einer großangelegten Studie. Es wertete die Daten von insgesamt mehr als 15.000 Personen statistisch aus und stellte fest: ein Zusammenhang zwischen Geburtsdatum – und damit auch dem Tierkreiszeichen, in dem zum Zeitpunkt der Geburt die Sonne steht – und individuellen Persönlichkeitsmerkmalen konnte nicht nachgewiesen werden.[24]

Da die NASA mit aktuellen wissenschaftlichen Daten die Sternbilder neu berechnete, berichten Medien nicht nur über die angebliche Entdeckung eines 13. Sternbilds Schlangenträger.[25] Aufgrund der Präzession der Erdachse müssten auch die Zeiträume der Sternzeichen um die mittlerweile 30° korrigiert werden, was viele Leute in ein anderes Tierkreiszeichen verschieben würde.[26] Diese Meldungen beruhen jedoch auf der Verwechslung von Sternbildern mit Tierkreiszeichen, kommen regelmäßig in den Medien und wurden bereits 2011[27] und 2016[28][29] wiederholt. Die unteren Sterne aus dem Schlangenträger wurden zur Zeit der Entstehung und Benennung der Tierkreiszeichen und Sternbilder aber noch dem Skorpion zugeordnet, und so befanden sich nur 12 Sternbilder auf der Ekliptik – die in etwa den zwölf Monaten eines Jahres entsprechen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Georg Gundel: Zodiakos: Tierkreisbilder im Altertum. Kosmische Bezüge und Jenseitsvorstellungen im antiken Alltagsleben. (= Kulturgeschichte der antiken Welt. Band 54). Von Zabern, Mainz 1992, ISBN 3-8053-1324-1
  • Wolfgang Hübner: Die Eigenschaften der Tierkreiszeichen in der Antike: Ihre Darstellung und Verwendung unter besonderer Berücksichtigung des Manilius. (= Sudhoffs Archiv. Beihefte, Band 22). Steiner, Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-03337-8.
  • Robert Powell: Geschichte des Tierkreises. Diss. phil. [Warschau 2004]. Aus dem Englischen übersetzt von Wilhelm Maas. Astronova, Tübingen 2006, ISBN 3-937077-23-5.
  • Wolfgang Hübner: Tierkreis. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 12, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01470-3, Sp. 553–563.

Weblinks

 Wiktionary: Tierkreiszeichen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Tierkreiszeichen – Zitate
 <Lang> Commons: Tierkreiszeichen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Mathieu Ossendrijver: Astronomie und Astrologie in Babylonien, in: Joachim Marzahn, Beatrice André-Salvini, Jonathan Taylor, Babylon - Mythos und Wahrheit: Katalog zur Ausstellung in den Staatlichen Museen zu Berlin, Pergamonmuseum, 26.6.2008-5.10.2008. Hirmer Verlag, München 2008. S. 380.
  2. Jürgen Hamel: Begriffe der Astrologie. Wissenschaftlicher Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2010. S. 580., Stichwort Tierkreis, tropischer.
  3. Am 9. November 1989, 18h57, Berlin.
  4. Jürgen Hamel: Begriffe der Astrologie. Wissenschaftlicher Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2010. S. 579., Stichwort Tierkreis, siderischer.
  5. Angaben nach Gertrud I. Hürlimann: Astrologie. 6. Auflage. Edition Astroterra, M & T Verlag, Zürich 1990, S. 22.
  6. Herodot: Historien. 2.82
  7. James Herschel Holden: A History of Horoscopic Astrology. American Federation of Astrologers, Tempe (USA) 2006. S. 3.
  8. Mathieu Ossendrijver: Astronomie und Astrologie in Babylonien, in: Joachim Marzahn, Beatrice André-Salvini, Jonathan Taylor, Babylon – Mythos und Wahrheit: Katalog zur Ausstellung in den Staatlichen Museen zu Berlin, Pergamonmuseum, 26.6.2008-5.10.2008. Hirmer Verlag, München 2008. S. 380.
  9. Francesca Rochberg: Heavenly Writing. Cambridge University Press, New York 2004, S. 129 f.
  10. Carl Bezold, Franz Boll, Wilhelm Gundel: Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. 6./7. Auflage. G. B. Teubner, Stuttgart 1974/1977, S. 50–52.
  11. Carl Bezold, Franz Boll, Wilhelm Gundel: Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. 6./7. Auflage. G. B. Teubner, Stuttgart 1974/1977, S. 55, 138, 140 ff.
  12. Carl Bezold, Franz Boll, Wilhelm Gundel: Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. 7. Auflage. G. B. Teubner, Stuttgart, Nachdruck Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1977, S. 54, 192.
  13. Claudius Ptolemäus: Tetrabiblos. („Vier Bücher“). Vierbändiges Grundlagenwerk der Astrologie, 2. Jahrhundert n. Chr. Nach der von Philipp Melanchthon ins Griechische und Lateinische verfassten Ausgabe (1553) ins Deutsche übersetzt von M. Erich Winkel, Buch I und II, Linser Verlag, Berlin 1923, S. 34, 37, 39, 69, 89. (Neuauflage: Chiron-Verlag, Mössingen 2000, ISBN 3-925100-17-2, S. 160, 166)
  14. Otto Schönberger, Eberhard Knobloch: Blütensträusse. Übersetzung ins Deutsche „Vettius Valens, Anthologiae“. Chiron Verlag, Tübingen 2005, zahlreiche Textstellen
  15. Claudius Ptolemäus: Tetrabiblos. („Vier Bücher“). Vierbändiges Grundlagenwerk der Astrologie, 2. Jahrhundert n. Chr. Nach der von Philipp Melanchton ins Griechische und Lateinische verfassten Ausgabe (1553) ins Deutsche übersetzt von M. Erich Winkel, Buch I und II, Linser Verlag, Berlin 1923, S. 89. (Neuauflage: Chiron-Verlag, Mössingen 2000, ISBN 3-925100-17-2, S. 160, 166)
  16. F. E. Robbins: Ptolemy. Tetrabiblos. Loeb Classical Library, Harvard University Press, London 1980, S. 156 ff.
  17. 17,0 17,1 Carl Bezold, Franz Boll, Wilhelm Gundel: Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. 6./7. Auflage. G. B. Teubner, Stuttgart 1974/1977, S. 60, 149, 191 ff.
  18. Carl Bezold, Franz Boll, Wilhelm Gundel: Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. 6./7. Auflage. G. B. Teubner, Stuttgart 1974/1977, S. 60.
  19. James Evans: The Astrologer’s Apparatus: A Picture of Professional Practice in Greco-Roman Egypt. In: Journal for the History of Astronomy. (ISSN 0021-8286), Bd. 35, Teil 1, Nr. 118, S. 6, 8, 13.
  20. Carl Bezold, Franz Boll, Wilhelm Gundel: Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. 6./7. Auflage. G. B. Teubner, Stuttgart 1974/1977, S. 101 ff., 173 ff.
  21. Carl Bezold, Franz Boll, Wilhelm Gundel: Sternglaube und Sterndeutung. Die Geschichte und das Wesen der Astrologie. 6./7. Auflage. G. B. Teubner, Stuttgart 1974/1977, S. 70.
  22. Objections to Astrology. A Statement by 186 Scientists. In: Patrick Grim (Hrsg.): Philosophy of Science and the Occult. Albany: State University of New York Press, 1982, S. 14–18. *.pdf in Englisch, abgerufen am 6. Juli 2011.
  23. Übersetzung aus: Nias Eysenck: Astrologie - Wissenschaft oder Aberglaube? München 1988, S. 17 f.
  24. Peter Hartmann (Universität von Aarhus) u. a.: The relationship between date of birth and individual differences in personality and general intelligence: A large-scale study. In: Personality and Individual Differences. Mai 2006, Bd. 40, S. 1349–1362.
  25. Bernd Harder: Wieder mal … alle Horoskope falsch. In: GWUP Blog. 15. Januar 2011, abgerufen am 14. August 2017.
  26. Lee Hutchinson: NASA changed all the astrological signs and I’m a crab now. Chaos reigns as addition of Ophiuchus casts doubt over accuracy of all horoscopes. In: Ars Technica. WIRED Media Group, 26. September 2016, abgerufen am 14. August 2017 (english).
  27. Claudia Becker: Das unbekannte 13. Sternzeichen, der Schlangenträger. WeltN24 GmbH, 3. Februar 2011, abgerufen am 14. August 2017.
  28. Christine Kewitz: Frauenmagazine geschockt, weil NASA angeblich „Sternzeichen verschoben“ hat. In: Motherboard. Vice (Magazin), 20. September 2016, abgerufen am 14. August 2017.
  29. Beatrice Predan-Hallabrin: NASA-Sensation: Deshalb ist Ihr Sternzeichen falsch. In: Chip.de Online-News. Chip (Zeitschrift), 27. September 2016, abgerufen am 14. August 2017.

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