Ägyptischer Kalender

Ägyptischer Kalender

Kalendereinteilung im Grab des Senenmut

Der ägyptische Kalender war ein Naturkalender mit stellarer Ausrichtung.

Jahresanfang und Schaltjahre

Der Jahresanfang war seit frühester Zeit an den heliakischen Aufgang des Sterns Sirius und die Nilschwemme ausgerichtet. Daneben wurde später ein Verwaltungskalender eingeführt, der sich als „Wandeljahrkalender“ ebenfalls auf Sirius bezog. Die Kalenderreform von Ptolemaios III. im Jahr 237 v. Chr. bewirkte die Einführung eines Schalttages, der alle vier Jahre als sechster Heriu-renpet-Tag zusätzlich zum Normaljahr eingeschoben wurde. Mit dem Tod von Ptolemaios III. endete im offiziellen Verwaltungskalender zunächst die Schaltjahresregelung.

Die beiden ägyptischen Kalenderformen wurden jedoch in der Folgezeit parallel weiterhin benutzt. Augustus sollte es vorbehalten bleiben, als erster römischer Kaiser im Jahr 26 v. Chr. die Kalenderform des Ptolemaios III. in Anlehnung an den julianischen Kalender wieder einzuführen.[A 1]

Ursprünge des ägyptischen Kalenders

Im Jahr 139 n. Chr. vermerkte ein ägyptischer Schreiber den heliakischen Aufgang des Sirius am 1. Thot, dem ägyptischen Neujahrstag.[A 2] Diese Eintragung erlaubt die Rückrechnung in mögliche Entstehungszeiten.

Vor Einführung des ägyptischen Verwaltungskalenders, an welchem sich der ägyptische bürgerliche Mondkalender orientierte, richteten sich die Ägypter nach dem Sothisjahr, das im Mittel mit 365,250015 Tagen die ursprüngliche Einteilung des ägyptischen Kalenderjahres vorgab und in etwa dem julianischen Kalender entsprach. Die Jahreszeiten des Sothisjahres verschoben sich im Vergleich gegenüber dem tatsächlichen Sonnenjahr im Durchschnitt etwa alle 126 Jahre um einen Tag.

Vergleich Sonnen- und Sothisjahr (Zeitraum 2770 bis 1500 v. Chr.) [1]
Beobachtungsort 1 Sothisjahr 1 Sonnenjahr Abweichung Verschiebung von einem Tag nach:
Nildelta
365,25001 Tage
365,24208 Tage [2]
0,0079298 Tage
126 Jahren + 39 Tagen
Elephantine
365,25002 Tage
365,24208 Tage [2]
0,0079417 Tage
125 Jahren + 11 Monaten

Die „Hypothese des 19. Juli“

Die Nilschwemme erreichte bis zum Bau des Assuan-Staudammes seit jeher etwa zur Zeit der Sommersonnenwende (19. bis 23. Juni) das Nildelta; in Elephantine/Assuan nach wie vor sogar schon Anfang Juni. Diese Konstellation hat bis heute Bestand. Die meist veröffentlichte Gleichsetzung des Einsetzens der Nilschwemme um den 19. Juli ist älteren Publikationen entnommen und widerspricht den tatsächlichen Gegebenheiten. Der oft als 19. Juli genannte Neujahrstag der Ägypter geht unter anderem auf die Veröffentlichungen von Eduard Meyer und Censorinus zurück, die den im Jahr 139 n. Chr. erfolgten heliakischen Aufgang des Sirius am 19./20. Juli im Nildelta als Grundlage wählten. Meyer übertrug den 19. Juli als festes Datum in den proleptischen Kalender, den er wiederum für seine Chronologie des Alten Ägypten verwendete.

Die Annahme von Censorinus, dass „das große Jahr“ der Ägypter an den 19. Juli gekoppelt war, wurde durch zusätzlich ermittelte astronomische Daten zwischenzeitlich widerlegt. Dennoch werden auch heute noch zumeist die Ausführungen der antiken Historiker zur Berechnung des Sothis-Zyklus und des Neujahrtages genannt. Unter anderem wies der Ägyptologe Rolf Krauss auf die alte Veröffentlichungspraxis hin: „Das Märchen eines Sothis-Zyklus von 1.460 julianischen Jahren mit dem seit Urzeiten konstanten Aufgangstag 19. Juli ist als eine willkürlich geschaffene falsche Konstruktion erwiesen“.[3] Aufgrund der Eigenbewegung war Sirius im Laufe der ägyptischen Geschichte um mehr als einen Monat auf den 19. Juli im Jahr 139 n. Chr. gewandert und hatte seinen heliakischen Aufgang in jenem Jahr einen Monat nach der einsetzenden Nilschwemme.

Einführung

Der ägyptische Kalender war mit dem Neujahrstag in früher Zeit an die Nilschwemme in Unter- oder Oberägypten gebunden. Als mögliche Zeiträume kommen 4213 bis 4186 v. Chr. für Elephantine und 2783 bis 2764 v. Chr. für Memphis in Betracht. Als zusätzliches Kriterium ist die siebzigtägige Unsichtbarkeit des Sirius zu berücksichtigen, die im Alten Ägypten als Zeitraum für die Mumifizierung gewählt wurde. Für den Beobachtungsort Elephantine trat dieser Umstand nur in der Zeit von 4280 bis 4160 v. Chr. auf, während mit Memphis als Bezugspunkt erst ab dem Neuen Reich die notwendige Dauer gegeben war. Altägyptische Texte belegen, dass die siebzigtägige Unsichtbarkeit schon vor der 18. Dynastie bekannt war, weshalb Memphis als Bezugsquelle ausscheidet.[4]

Schon Ludwig Borchardt zog Oberägypten als Beobachtungsort in Betracht, ohne jedoch Berechnungen über die siebzigtägige Unsichtbarkeit des Sirius aufzustellen. Traditionelle Gründe sprechen für Oberägypten und die zugehörigen vorgeschichtlichen Kultzentren, zumal die Reichseinigung von Oberägypten ausging. Gegen die Koppelung der Reichseinigung und Einführung des ägyptischen Kalenders sprechen mindestens zwei Gründe: Der 1. Thot fiel zwar auf den 29. August, aber kalendarisch auf den Beginn des letzten Monats der Nilschwemme. Außerdem betrug die Dauer der Unsichtbarkeit von Sirius im südlichen Oberägypten zu diesem Zeitpunkt 65 und in Unterägypten 78 Tage. Elephantine bildete in Oberägypten seit jeher den südlichsten Punkt, weshalb die Nilschwemme und der heliakische Aufgang dort zuerst zu beobachten waren. Ergänzend sprechen mythologische Gründe für Elephantine als Ort, der die geographische Südgrenze des Alten Ägypten repräsentierte.[5]

Frühform des altägyptischen Kalenders

In der koptischen Liturgie richten sich die religiösen Feste nach dem ursprünglichen altägyptischen Kalender. Entsprechend sind die Mondmonate des ägyptischen Mondkalenders auch heute noch der jeweiligen Jahreszeit zugeordnet.[6] Die Einteilung richtet sich nach der tatsächlichen Nilschwemme, die an der Südgrenze Ägyptens bereits um den 5. Juni einsetzte und nach vierzehn Tagen Alexandria erreichte.

Das Neujahr im koptischen Kirchenjahr beginnt in Anlehnung an die Frühform des altägyptischen Kalenders mit dem 1. Payni, der im Kanopus-Dekret ebenfalls als Neujahrstag mit dem heliakischen Aufgang von Sirius verbunden war. Eine Sonderstellung nimmt der vierte Monat der Peret-Periode ein, der in der Neuzeit als erster Ernte-Monat gilt, wobei die Ernteperiode auf fünf Monate verlängert wurde.

Die Epagomenen sind Bestandteil des bürgerlich-ägyptischen Kalenders und tauchen daher nicht im religiösen Kalender auf, zumal im ägyptischen Mondkalender die fünf Zusatztage nicht vorkommen.[6]

Jahreszeitliche Lage der ägyptischen Monate im gregorianischen Kalender[7]
Jahreszeit Monatsname
(Sothis-Kalender)
Datum Elephantine[6] Datum Nildelta[6]
Jahreszeit: Achet (Überschwemmung)
1. Achet I 1. Wepet-renpet 5. Juni 19. Juni
1. Achet II 1. Techi 5. Juli 19. Juli
1. Achet III 2. Menchet 4. August 18. August
1. Achet IV 2. Hut-heru 3. September 17. September
Jahreszeit: Peret (Aussaat / Winter)
1. Peret I 3. Ka-her-ka 3. Oktober 17. Oktober
1. Peret II 3. Schef-bedet 2. November 16. November
1. Peret III 4. Rekeh-wer 2. Dezember 16. Dezember
1. Peret IV 4. Rekeh-nedjes 1. Januar 15. Januar
Jahreszeit: Schemu (Ernte / Sommer)
1. Schemu I 5. Renutet 31. Januar 14. Februar
1. Schemu II 5. Chonsu 2. März 16. März
1. Schemu III 6. Chenti-chet 1. April 15. April
1. Schemu IV 6. Ipet-hemet 1. Mai 15. Mai

Spätform des altägyptischen Kalenders

Zum Sothis-Mondkalender wurde mit der Einführung des bürgerlich-ägyptischen Kalenders zusätzlich der neue bürgerliche Mondkalender entworfen und dem Verwaltungskalender angepasst. Das bürgerliche Verwaltungsjahr war in 12 Monate mit jeweils 30 Tage eingeteilt. Die Monate wiederum gliederten sich in drei „große Wochen“ mit je zehn Tagen oder in sechs „kleine Wochen“ mit je fünf Tagen. Die Epagomenen (Zusatztage) folgten als Jahresverlängerung nach den zwölf Hauptmonaten. Die Gesamtzahl der Tage im ägyptischen Verwaltungskalender betrug damit 365 Tage und bildeten ein sogenanntes Gemeinjahr.

Alan Gardiner wie auch Richard-Anthony Parker vermuten, dass im Laufe der Kalendergeschichte die Jahresform wechselte, weshalb sich der Jahresbeginn spätestens ab dem Neuen Reich nicht mehr an der Nilschwemme orientierte, sondern den heliakischen Aufgang von Sirius als Grundlage hatte. Zu Beginn der 19. Dynastie datierte das „Hervorkommen von Sopdet (Sirius)“ auf dem 5. Juli, der zu jener Zeit auf den ersten Tag des ersten Achet-Monats fiel.

Jahreszeitliche Lage der ägyptischen Monate im gregorianischen Kalender[7]
Jahreszeit Monatsname
(Bürgerlicher Kalender)
Datum 1291 v. Chr. Datum 139 n. Chr. Datum gemäß Augustus
(Einführung jul. Kalender)
Jahreszeit: Achet (Überschwemmung)
1. Achet I 1. Thot 5. Juli 18. Juli 29. August
1. Achet II 1. Phaophi 4. August 17. August 28. September
1. Achet III 1. Hathyr 3. September 16. September 28. Oktober
1. Achet IV 1. Choiak 3. Oktober 16. Oktober 27. November
Jahreszeit: Peret (Aussaat / Winter)
1. Peret I 1. Tybi 2. November 15. November 27. Dezember
1. Peret II 1. Mechir 2. Dezember 15. Dezember 26. Januar
1. Peret III 1. Phamenoth 1. Januar 14. Januar 25. Februar
1. Peret IV 1. Pharmouthi 31. Januar 13. Februar 27. März
Jahreszeit: Schemu (Ernte / Sommer)
1. Schemu I 1. Pachon 2. März 15. März 26. April
1. Schemu II 1. Payni 1. April 14. April 26. Mai
1. Schemu III 1. Epiphi 1. Mai 14. Mai 25. Juni
1. Schemu IV 1. Mesori 31. Mai 13. Juni 25. Juli
Zusatztage: Heriu-renpet (Epagomenen)
1. Zusatztag Geburtstag des Osiris 30. Juni 13. Juli 24. August
2. Zusatztag Geburtstag des Horus 1. Juli 14. Juli 25. August
3. Zusatztag Geburtstag des Seth 2. Juli 15. Juli 26. August
4. Zusatztag Geburtstag der Isis 3. Juli 16. Juli 27. August
5. Zusatztag Geburtstag der Nephthys 4. Juli 17. Juli 28. August

Ägyptisches Neujahrsdatum im julianischen Kalender

Der julianische Kalender löste 46 v. Chr. den römischen Kalender ab, der 154 v. Chr. geplant und 153 v. Chr. eingeführt wurde.

Statt des seit 45 v. Chr. vorgesehenen Vierjahresintervalls im julianischen Kalender wurden irrtümlich alle drei Jahre die Schalttage vorgenommen, was dazu führte, dass sich der heliakische Aufgang des Sirius zum Zeitpunkt der Umstellung durch Augustus vom 18. Juli auf den 17. Juli verschob. Im ägyptischen Kalender war die Einfügung eines Schalttages erstmals im Jahr 26 v. Chr. möglich, da die astronomische Konstellation ein Vorrücken von Sirius auf den 25. Epiphi 25 v. Chr. im alten ägyptischen Kalender signalisierte.

Augustus führte daher noch im Jahr 26 v. Chr. im altägyptischen Kalender das Schaltjahr ein.[A 3] Der sechste Epagomenen-Tag verhinderte dadurch die Verschiebung auf den 25. Epiphi.[A 4] In Addition der 42 Differenztage zum 18. Juli ergab sich der 29. August als ägyptischer Neujahrstag. Die fehlerhaften Schaltungen korrigierte Augustus durch schaltfreie Jahre, weshalb sich der heliakische Aufgang des Sirius zunächst wieder auf den 18. Juli im julianischen Kalender zurückverschob, ehe Sirius bis 139 n. Chr. in Memphis wegen seiner Eigenbewegung auf den 19. Juli im julianischen Kalender vorrückte.

Heliakischer Aufgang des Sirius in Memphis[7]
Jahr Datum im ägyptischen Kalender Datum im julianischen Kalender[7] Datum im gregorianischen Kalender[7]
30 v. Chr. 23. Epiphi 18. Juli 16. Juli
29 v. Chr. 24. Epiphi 18. Juli 16. Juli
26 v. Chr. 24. Epiphi (+ 42 Tage = 1. Thot) 18. Juli (+ 42 Tage = 29. August) 16. Juli
26 v. Chr. 30. Mesori 23. August 21. August
26 v. Chr. 1. Thot (Schaltjahr-Einführung) 30. August 28. August
25 v. Chr. 24. Epiphi 18. Juli (Schaltjahr) 16. Juli
25 v. Chr. 1. Thot 29. August 27. August

Technik und Daten des ägyptischen Kalenders

Gregorianischer Kalender

Der gregorianische Kalender kann nicht für die Berechnung der heliakischen Aufgänge benutzt werden, da er aus unserer heutigen Zeit in die Vergangenheit mit falschen Schaltungen rechnet.

Seit dem ersten Konzil in Nicäa hatte der julianische Kalender eine weitere Abweichung von zehn Tagen aufgebaut. Der gregorianische Kalender löste 1582 n. Chr. mit einer Berichtigung der zehn Tage den julianischen Kalender ab, weshalb auf den 4. Oktober sofort der 15. Oktober als nächster Kalendertag folgte. Für historische Berechnungen muss jedoch zusätzlich die nicht korrigierte Abweichung des julianischen Kalenders berücksichtigt werden, um Vergleichsdaten gegenüber dem in der heutigen Zeit verwendeten gregorianischen Kalender zu erhalten.[7] Im Jahr 45 v. Chr. lag der astronomische Frühlingsanfang im julianischen Kalender auf dem 22. März und entspricht unter Beachtung der korrigierten zwei Tage dem 20. März im gregorianischen Kalender.

Klimazyklus

Definitionen für das tropische Jahr

Der ägyptische Kalender kannte, mit Ausnahme von vier Tagen unter Ptolemaios III., keine Schalttage. Auf Grund der schnelleren Erdrotation betrug der Wert im Jahr 139 n. Chr. für das mittlere Sonnenjahr 365,2423 Tage.[8] Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. lag die Dauer des mittleren Sonnenjahres bei 365,2424 Tagen. Mit der Berechnung: 1 geteilt durch (365,24235 Tage minus 365 Tage) erhält man 4,1263 Jahre. In der ägyptischen Praxis bedeutete dies, dass sich alle 4,1263 Jahre das Klima im ägyptischen Kalender um einen Tag verschob.[7][9] Multipliziert mit der ägyptischen Jahreslänge von 365 Tagen ergibt sich ein Klimazyklus für die berechnete Periode von 1506 Jahren.

Um einen direkten Vergleich mit dem gregorianischen Kalender zu ermöglichen, muss die Anpassung an das julianische Kalendereinführungsjahr 46 v. Chr. vorgenommen werden.[7] Im Jahr 85 n. Chr. betrug die Abweichung zum mittleren Sonnenjahr einen Tag und der heliakische Aufgang des Sirius erfolgte am 22. Mesori des ägyptischen Kalenders.

Die Differenz des Zeitraums von 46 v. Chr. bis 139 n. Chr. beträgt 184 Jahre, in denen Sirius 46,25 Tage gewandert war, um 139 n. Chr. auf dem 1. Thot heliakisch aufzugehen. In Umrechnung bedeutet dies, dass Sirius letztmals am 19. Epiphi 46 v. Chr. und 45 v. Chr. erstmals am 20. Epiphi heliakisch in der Morgendämmerung aufging. Der 20. Epiphi repräsentierte im julianischen Kalender im Jahr 45 v. Chr. den 18. Juli (Bezugsort Memphis), dem der 16. Juli im gregorianischen Kalender entspricht.

Der ägyptische und gregorianische Kalender deckten sich in den Jahren 39 bis 36 v. Chr., da der 22. Epiphi mit dem 16. Juli gleichzusetzen ist. Unter Hinzurechnung der 1506 Jahre (ohne Berücksichtigung der Schalttage durch Ptolemaios III.) fand die letzte Übereinstimmung in den Jahren 1545 bis 1542 v. Chr. statt.

Nilschwemme

Der antike Historiker Herodot berichtet, dass die Nilschwemme im Nildelta zur Zeit der Sommersonnenwende eintraf; die Dauer der Nilschwemme gibt er mit knapp 100 Tagen an.[10] Das Ende der Überschwemmungszeit fiel nach Herodots Ausführungen in den Bereich um den 25. September.

In Umrechnung auf den ägyptischen Kalender und dem 1. Thot, der als Neujahrstag in direkter Abhängigkeit zur Nilschwemme auf die Sommersonnenwende (22. Juni) fällt, waren diese Bedingungen in den Jahren 1264 bis 1261 v. Chr. im Neuen Reich und 2771 bis 2768 v. Chr. in der frühdynastischen Periode gegeben.

Friedensvertrag Ägypten-Hatti unter Ramses II.

Der 1. Thot fiel 1259 v. Chr. auf den 21. Juni. Der Abschluss des historischen Friedensvertrages zwischen Ägypten und Hatti fand im Jahr 1259 v. Chr. am 21. Tybi statt. Aus der ermittelten Tagesdifferenz von 140 Tagen ergibt sich der 8. November im gregorianischen Kalender.

In der Fachliteratur wird für diesen historischen Tag meist der 21. November im proleptischen Kalender angegeben. Ursache für die Tagesdifferenz von 13 Tagen ist die Nichtberücksichtigung der Kalenderabweichung gegenüber dem gregorianischen Kalender.[7]

Der Sothis-Zyklus

Hauptartikel: Sothis-Zyklus

Der Beginn der jährlichen Überschwemmungszeit hing ab ca. 2300 v. Chr. eng mit dem ersten Erscheinen des Sirius (ägypt. Sopdet) am morgendlichen Himmel zusammen. Um 3000 v. Chr. erfolgte der sichtbare heliakische Aufgang des Sirius in Assuan am 10./11. Juni und im Fayum am 17./18. Juni. Der heliakische Siriusaufgang kann als ursprüngliches Neujahrsdatum ausgeschlossen werden, da die Nilflut im Delta meistens zwischen dem 21. Juni und dem 1. Juli einsetzte.[A 5][11] Die Bestätigung für das Datum und die Länge der Nilflut liefert Herodot: Die Nilflut setzt immer zur Sommersonnenwende ein und bringt fast 100 Tage Überschwemmung.[12] Die durchschnittliche Dauer der Nilflut kann deshalb von etwa dem 22./23. Juni bis Ende September angesetzt werden. Nach den Landvermessungsarbeiten begann Mitte Oktober die Aussaat.

Die Zeitspanne, die der Sirius benötigt, um einen 365 Tageskalender (ohne Schalttag) einmal zu durchlaufen, wird von den Historikern auch Sothis-Zyklus [A 6] genannt. Die Zeitdauer schwankte, da die Eigenbewegung des Sirius und die unterschiedlichen Sonnenaufgangszeiten für die jeweilige Periode verantwortlich waren. Die Zeitverschiebung der Jahreszeiten war den Priestern wohlbekannt, aber der Versuch einer Kalenderreform (237 v. Chr.) von Ptolemaios III. wurde nach seinem Tod wieder rückgängig gemacht. Da sich der Frühaufgang nicht immer exakt alle vier Jahre um einen Kalendertag verschob, rückte er manchmal schon nach drei Jahren um einen Tag vor.

Siehe auch

  • Liste der Kalendersysteme
  • Koptischer Kalender

Literatur

  • Hans Förster: Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias – Eine Anfrage an die Entstehungshypothesen; Studien und Texte zu Antike und Christentum. Mohr Siebeck, Tübingen 2007, ISBN 3-16-149399-0.
  • Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten: Studien zur astronomischen und technischen Chronologie Altägyptens. Gerstenberg, Hildesheim 1985, ISBN 3-8067-8086-X.
  • Christian Leitz: Studien zur ägyptischen Astronomie. Harrassowitz, Wiesbaden 1991, ISBN 3-447-03157-3.
  • Hans Lietzmann, Kurt Aland: Zeitrechnung der römischen Kaiserzeit, des Mittelalters und der Neuzeit für die Jahre 1 – 2000 n. Chr. de Gruyter, Berlin 1984, ISBN 3-11-010049-5.
  • Alexandra von Lieven: Der Himmel über Esna – Eine Fallstudie zur religiösen Astronomie in Ägypten am Beispiel der kosmologischen Decken- und Architravinschriften im Tempel von Esna. Harrassowitz, Wiesbaden 2000, ISBN 3-447-04324-5.
  • Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne – Das sogenannte Nutbuch. The Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies (u. a.), Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0406-5.
  • Alexandra von Lieven: Wein, Weib und Gesang — Rituale für die Gefährliche Göttin (Sopdet). In: Carola Metzner-Nebelsick: Rituale in der Vorgeschichte, Antike und Gegenwart – Studien zur Vorderasiatischen, Prähistorischen und Klassischen Archäologie, Ägyptologie, Alten Geschichte, Theologie und Religionswissenschaft; Interdisziplinäre Tagung vom 1.-2. Februar 2002 an der Freien Universität Berlin. Leidorf, Rahden 2003, ISBN 3-89646-434-5, S. 47–55.
  • Jean Meeus: Astronomische Algorithmen. u. a. Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5. 2. Auflage, Barth, Leipzig 2000, ISBN 3-335-00400-0.
  • Richard-Anthony Parker: The calendars of ancient Egypt. Chicago Press, Chicago 1950.
  • Lynn E. Rose: Sun, moon, and Sothis: a study of calendars and calendar reforms in ancient Egypt (= Osiris series. Bd. 2). Kronos Press, Deerfield Beach 1999, ISBN 0-917994-15-9.
  • Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz/ Wiesbaden 1950.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Das genaue Umstellungsjahr ist in keiner heute noch erhaltenen zeitgenössischen Quelle vermerkt. Es wurden deshalb die Jahre 30 v. Chr. und 26 v. Chr. als mögliche Einführungsjahre angesehen. Nur das Jahr 26 v. Chr. stimmt jedoch mit der astronomischen Berechnung des heliakischen Aufgangs des Sirius überein. Vgl. dazu auch Jürgen Malitz: Die Kalenderreform Caesars. Ein Beitrag zur Geschichte seiner Spätzeit. In: Ancient Society 18 , 1987, S. 103–131.
  2. Die Beobachtung des astronomischen heliakischen Aufgangs von Sirius ist auf Grund der Helligkeit der Sonne nicht möglich. Erst eine Sirius-Altitude von etwa 8,5° zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs macht bei idealen Sichtbedingungen den Aufgang des Sirius für das menschliche Auge wahrnehmbar. Quelle: MPIA Ulrich Bastian, Axel M.Quetz.
  3. Das ägyptische Schaltjahr erfolgte immer direkt vor dem julianischen Schaltjahr; vgl. dazu Hans Lietzmann, Kurt Aland: Zeitrechnung der römischen Kaiserzeit, des Mittelalters und der Neuzeit für die Jahre 1 – 2000 n. Chr., de Gruyter, Berlin 1984, S. 81–82.
  4. Die Beobachtungen und Aufzeichnungen des heliakischen Aufgangs bezogen sich während der Ptolemäerzeit auf Memphis.
  5. Datumsberechnungen und Nachweise im Hauptartikel Nilschwemme.
  6. Sothis ist der griechische Name für Sirius. Die ägyptische Bezeichnung für den Stern lautete „spdt“, da nur Konsonanten geschrieben wurden. Die Vokale müssen anhand sprachwissenschaftlicher Vergleiche, beispielsweise mit der koptischen Sprache, ergänzt werden.

Einzelnachweise

  1. J. Meeus: Astronomische Algorithmen. u. a. Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5. Barth, Leipzig 2000 für: Ephemeris Tool 4,5 nach J. Meeus, Umrechnungsprogramm, 2001.
  2. 2,0 2,1 Von Sommersonnenwende zur nächsten Sommersonnenwende, bezogen auf den Zeitraum Zeitraum 2770 v.  Chr. bis 1500 v. Chr.
  3. Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten. S. 54.
  4. Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten. S. 61.
  5. Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten. S. 66.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Hans Förster: Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias. S. 117–118.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 7,5 7,6 7,7 7,8 J. Meeus: Astronomische Algorithmen. u. a. Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5. Barth, Leipzig 2000 für: Ephemeris Tool 4,5 nach J. Meeus, Umrechnungsprogramm, 2001.
  8. J. Meeus: More Mathematical Astronomy Morsels. Willmann-Bell, Richmond 2002, ISBN 0-943396-74-3, S. 362.
  9. J. Meeus, D. Savoie: The history of the tropical year. In: The journal of the British Astronomical Association. Band 102, Nr. 1, 1992 (bibcode:1992JBAA..102...40M)
  10. Herodot, Historien 2, 19.
  11. J. Meeus: Astronomische Algorithmen. u. a. Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5.
  12. Herodot: Historien 1, 1 2, 19-28, 2.

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18.03.2021
Filamente des kosmischen Netzwerks entdeckt
Einem internationalen Team von Astronominnen und Astronomen gelang zum ersten Mal die direkte Kartierung kosmischer Filamente im jungen Universum, weniger als zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Die Beobachtungen zeigen sehr leuchtschwache Galaxien, und geben Hinweise auf deren Vorfahren.
18.03.2021
Blaupausen für das Fusionskraftwerk
Am 21 März 1991 erzeugte die Experimentieranlage ASDEX Upgrade im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching das erste Plasma.
12.03.2021
Was die reflektierte Strahlung von Exoplaneten verraten könnte
Als 1995 der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems gefunden wurde, war das eine Sensation, die später mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt wurde.
12.03.2021
Theoretische Lösung für Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit
Wenn Reisen zu fernen Sternen innerhalb der Lebenszeit eines Menschen möglich sein sollen, muss ein Antrieb gefunden werden, der schneller als Lichtgeschwindigkeit ist.
12.03.2021
Quantenkontrolle mit Fernbedienung
Quantentechnologien basieren auf der präzisen Kontrolle des Zustands und der Wechselwirkung einzelner Quantenteilchen.
12.03.2021
Wie Gesteine die Bewohnbarkeit von Exoplaneten beeinflussen
Die Verwitterung von Silikatgesteinen trägt massgeblich dazu bei, dass auf der Erde ein gemässigtes Klima herrscht.