Rigel

Rigel

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Rigel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Dreifachstern
Rigel (β Orionis)
1e10m comparison Rigel, Aldebaran, and smaller - antialiased no transparency.png
Links oben: Rigel, rechts Aldebaran,
klein in der Mitte Sonne
StarArrowUR.svg
Orion constellation map.png
Karte des Sternbilds Orion
Beobachtungsdaten
Epoche: J2000.0
Sternbild Orion
Vis. Helligkeit
(gesamt)
0,12 mag [1]
Astrometrie
Radialgeschwindigkeit +25 km/s [1]
Entfernung [2] (770 ± 130) Lj
((235 ± 40) pc)
Absolute visuelle
Helligkeit (gesamt)
Mvis
ca. −6,7 mag
Eigenbewegung [2]
Rek.-Anteil: +1,87 ± 0,77 mas/a
Dekl.-Anteil: −0,56 ± 0,49 mas/a
Einzeldaten
Namen A (Rigel), B/C, D
Beobachtungsdaten:
Rektaszension [3] A (Rigel) 05h 14m 32,3s
B/C 05h 14m 32,3s
D 05h 14m 32,2s
Deklination [3] A (Rigel) 1918794.1−8° 12′ 05,9″
B/C 1918787−8° 12′ 13″
D 1918880−8° 11′ 20″
Scheinbare
Helligkeit
A (Rigel) 0,18m
B/C 6,6 / 6,6m
D 15,3m
Typisierung:
Spektralklasse A (Rigel) B8 Ia
B/C B9 V
D K7 V
B-V Farbindex [1] A (Rigel) −0,03
B/C
D
U-B Farbindex [1] A (Rigel) −0,66
B/C
D
Astrometrie:
Absolute
visuelle
Helligkeit
Mvis
A (Rigel) −6,7 mag
B/C −0,4 / −0,4 mag
D +8,5 mag
Physikalische Eigenschaften:
Masse A (Rigel) 17 M
B/C 4 / 4 M
D 0,38 M
Radius A (Rigel) 62 R
B/C 4,1 / 4,1 R
D 0,55 R
Leuchtkraft A (Rigel) 40600 L
B/C 128 / 128 L
D 0,0332 L
Oberflächen-
temperatur
A (Rigel) 12300 K
B/C 10500 / 10500 K
D 4.060 K
Rotationsdauer A (Rigel) 70 d
B/C 0,7 / 0,7 d
D 17 d
Bezeichnungen und Katalogeinträge
Bayer-Bez. β Orionis
Flamsteed-Bez. 19 Orionis
Bonner Durchm. BD −8° 1063
Bright-Star-Kat. HR 1713
HD-Katalog HD 34085
SAO-Katalog SAO 131907
Tycho-Katalog TYC 5331-1752-1
Hipparcos-Katalog HIP 24436

Rigel ist der hellste Stern im Sternbild Orion und der siebthellste des Nachthimmels. Sein Name kommt vom arabischen رجل الجوزاء اليسرى Ridschl Dschauza’ al-Yusri ‚linker Fuß des Mittleren‘. Obwohl er heller als α Orionis (Beteigeuze) ist, wird er in der Astronomie als β Orionis bezeichnet. Das liegt daran, dass Beteigeuze (wie fast alle Roten Überriesen) ein unregelmäßiger Veränderlicher ist und Rigel im Maximum hin und wieder übertreffen kann. Rigel ist Teil des Wintersechsecks.

In der altägyptischen Sprache hieß Rigel „Seba-en-Sah“, was übersetzt „Fußstern“ beziehungsweise „Zehenstern“ bedeutet. Als Hauptstern und Namensgeber des altägyptischen Sternbildes Sah spielte er eine bedeutende Rolle in der altägyptischen Mythologie.

Beschreibung

Schematischer Größenvergleich zwischen der Sonne (links) und dem mehr als 60-mal größeren Blauen Riesen Rigel (rechts).

Die Entfernung Rigels beträgt zwischen 650 und 900 Lichtjahren; der Hipparcos-Satellit maß sie mit 770 Lichtjahren, bei derartigen Entfernungen liegt der Fehlerbereich der Hipparcos-Messungen allerdings bei etwa 20 %.

Rigel ist ein Mehrfachsternsystem. Die Hauptkomponente Rigel A ist ein Riesenstern der Spektralklasse B8. Der Stern der Leuchtkraftklasse Ia befindet sich in der Übergangsphase vom Blauen Riesen zum Roten Überriesen. Er strahlt mit der etwa 46.000-fachen Leuchtkraft der Sonne, damit ist er nach Beteigeuze (135.000-fach) und Antares (90.000-fach) der leuchtstärkste Stern innerhalb einer Entfernung von 1000 Lichtjahren von der Erde. Der nächste noch hellere Stern ist mit einem Abstand von etwa 1600 bis 3200 Lichtjahren der Hauptstern des Schwans Deneb.

Rigel A befindet sich im Übergang zum Roten-Überriesen-Stadium und weist eine gewisse Veränderlichkeit in seiner scheinbaren Helligkeit auf. Diese schwach ausgeprägte, unregelmäßige Veränderlichkeit ist typisch für Überriesen; dabei schwankt seine Helligkeit um etwa 30 % (wegen der logarithmischen Definition der scheinbaren Helligkeit) in einem mittleren Zeitraum von 25 Tagen. Bei den kleineren Komponenten Rigel B/C, die selbst ein gebundenes Doppelsternsystem bilden, handelt es sich um bläulich-weiße Hauptreihensterne der Spektralklasse B9 und der 128-fachen Leuchtkraft der Sonne. Der nur schwach leuchtende Rigel D gehört vermutlich einem späten Untertyp der Spektralklasse K an. Da die Komponente D nahezu überstrahlt wird, können bisher keine exakten Werte in Bezug auf seine physikalischen Eigenschaften angegeben werden.

Der Hauptstern Rigel A und das Doppelsternsystem Rigel B/C umkreisen den gemeinsamen Schwerpunkt im Abstand von 2000 AE. Die Komponenten Rigel B und C umkreisen einander in 28 AE Entfernung. Rigel D ist etwa 10.000 AE von Rigel A entfernt. Welches Baryzentrum er umkreist, konnte bisher noch nicht eindeutig festgestellt werden.

Rigel befindet sich in einem Bereich, der reich an interstellarer Materie ist, und bringt aufgrund seiner Leuchtkraft mehrere Staubwolken zum Leuchten. Eine davon ist der Hexenkopfnebel mit der Bezeichnung IC 2118.

Beobachtung

Während schon mit einem Fernrohr von 6 cm Objektivöffnung das Mehrfachsystem in die Komponenten Rigel A und dem Doppelsternsystem B/C aufgelöst werden kann, bräuchte man für eine Separation der Komponenten des Doppelsternsystems Rigel B/C mindestens 90 cm Öffnung und aufwärts, was in der Realität aber an der Luftunruhe scheitert. Der Winkelabstand zwischen dem 0,12m hellen Rigel A[1] und dem nur 6,6m hellen Rigel B/C-System beträgt 9,5" und der Positionswinkel 204°.[4]

Umgebung

Rigel wird auch mit dem Orionnebel M 42 in Verbindung gebracht, der zwar in derselben Himmelsregion steht, aber etwa doppelt so weit entfernt liegt. Verfolgt man jedoch Rigels räumliche Bewegung entsprechend seinem angenommenen Alter zurück, so kommt man nahe an den Nebel heran. Daher wird Rigel gelegentlich als entferntes Mitglied der Orion-OB1-Sternassoziation angesehen, einer lockeren Ansammlung von Sternen der Spektraltypen O und B, zu der auch eine Reihe anderer heller Sterne des Orions gehören. Häufiger wird Rigel allerdings als Mitglied der Taurus-Orion-R1-Sternassoziation betrachtet, und die Orion-OB1-Sternassoziation den räumlich näher bei ihr liegenden Sternen vorbehalten.

Rigel in der Fiktion

Im Star-Trek-Universum ist das Rigel-System das am dichtesten besiedelte Sternensystem im bekannten Weltraum.

Rigel 7 wird in Folge 16 der 14. Staffel sowie in der 9. Folge der 23. Staffel der Simpsons thematisiert.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 D. Hoffleit, W. H. Warren Jr.: The Bright Star Catalogue. Fünfte, überarbeitete Auflage, Version 2, 1994
  2. 2,0 2,1 M. A. C. Perryman et al.: The Hipparcos Catalogue
  3. W. Fricke, H. Schwan, T. Lederle: Fifth Fundamental Catalogue (FK5), Part I. The Basic Fundamental Stars. Veröff. Astronomisches Recheninstitut, Nr. 32, Heidelberg 1988. W. Fricke, H. Schwan, T. E. Corbin: Fifth Fundamental Catalogue (FK5), Part II. The FK5 Extension. Veröff. Astronomisches Recheninstitut, Nr. 33, Heidelberg, 1991
  4. C. E. Worley, G. G. Douglass: Washington Catalog of Visual Double Stars. Band 1996.0. United States Naval Observatory, 1996

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