Klaus Thiessen

Klaus Thiessen

Klaus Thiessen (2014)

Klaus Thiessen (* 27. Juli 1927 in Göttingen) ist ein deutscher Physiker.

Wissenschaftlicher Werdegang

Thiessen wurde am 27. Juli 1927 als Sohn des Physikochemikers Peter Adolf Thiessen in Göttingen geboren. Sein Bruder ist der deutsche Chemiker Karsten Peter Thiessen. Von 1945 bis 1950 arbeitete er in Suchumi als Laborant am Institut für Uran-Anreicherung, das von Manfred von Ardenne geleitet wurde. Von 1950 bis 1955 studierte er Physik an der Staatlichen Universität in Rostow am Don und an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität, wo er 1959 auch seine Doktorarbeit auf dem Gebiet der Halbleiterphysik verteidigte.

Von 1958 bis 1969 war Thiessen am Physikalisch-Technischen Institut (Leiter: Robert Rompe) der Deutschen Akademie der Wissenschaften (DAW) in Berlin tätig. Hier wirkte er in einem Kreis profilierter Wissenschaftler, aus denen später – neben ihm selbst – auch weitere Professoren hervorgegangen sind wie Marion Asche u. a. Dieses Institut entwickelte sich im Zuge der Akademiereform von 1968 bis 1972 unter dem Akademiepräsidenten Hermann Klare zum Zentralinstitut für Elektronenphysik der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW).

Thiessen befasste sich mit Untersuchungen zu Nichtgleichgewichtsprozessen in Germanium, Silizium, Siliziumkarbid und anderen Materialien. Seine Forschungsresultate fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Publikationen und in Patenten. Der 1960 patentierte Herstellungsprozess schnell schaltender Dioden für Computer wurde in zahlreichen Unternehmen in der Welt genutzt.

Von 1961 bis 1964 war er als Hochschullehrer auf dem Gebiet der Halbleiterphysik an der Humboldt-Universität Berlin tätig, wo im Jahr 1969 auch seine Habilitation erfolgte.

Wirken für die Optoelektronik

Datei:Klaus-Thiessen-mit-Senator-Harald-Wolf-27.10.2007.jpg
Klaus Thiessen mit Wirtschafts-Senator Harald Wolf anlässlich seines 80. Geburtstages (2007)

Von 1970 bis 1981 war Thiessen als Forschungsdirektor am optoelektronischen Werk für Fernsehelektronik in Berlin tätig. Unter seiner Leitung wurden verschiedene Typen von Halbleiter-Sensoren entwickelt, darunter CCD-Arrays, Licht-emittierende Dioden und Displays, Laserdioden für die Lichtleiter-Telekommunikation und LCD-Bauelemente. Erfolgreich wurden insbesondere Technologien für die Ionen-Implantation zur Herstellung mikroelektronischer Bauelemente sowie für die Metallorganische Gasphasenepitaxie bei Dünnen Schichten geschaffen, die 1981 und 1988 mit dem Nationalpreis der DDR für Wissenschaft und Technik ausgezeichnet wurden.

Von 1981 bis 1991 arbeitete er als Stellvertretender Direktor des Zentralinstituts für Optik und Spektroskopie (ZOS) der Akademie der Wissenschaften der DDR, wo er für Forschungen zu Laserdioden für die Lichtleiter-Telekommunikation und den Transfer dieser Technologien in die Produktion zuständig war.

Gleichzeitig hielt er als Professor ab 1970 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1992 Vorlesungen zur Optoelektronik an der Technischen Universität Chemnitz. Von 1995 bis 1999 war er Mitglied des Kuratoriums der TU Chemnitz. Viele seiner früheren Studenten sind heute erfolgreich in Forschung und Bildung bzw. in Unternehmen in Deutschland und in Europa tätig.

Pionier der Photovoltaik

Klaus Thiessen zusammen mit Nobelpreisträger Schores Alfjorow (2007)

1990 war Thiessen Mitbegründer der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Angewandte Optik, Optoelektronik, Quantenelektronik und Spektroskopie (GOS e.V.), deren Vorsitzender er bis 1999 war.

Aus einem international anerkannten Spezialisten für Optoelektronik wurde nach seiner Pensionierung im Jahr 1992 ein leidenschaftlicher Vorkämpfer für die Anwendung der Solartechnologien. Seit 1960 beschäftigte er sich mit Grundlagenforschungen zur Photovoltaik. Für namhafte Photovoltaik-Unternehmen ist er heute als Berater international tätig, darunter auf Messen und Konferenzen in den USA, in Osteuropa und in China.

Seine besondere Leidenschaft gilt im Rahmen der Initiative WISTAsolar seit 1995 der Entwicklung eines Photovoltaik-Parks im WISTA Forschungs- und Technologiepark Berlin-Adlershof.

Im Jahr 2001 wurde Thiessen Ehrenmitglied des Physikalisch-Technischen Joffe-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Seit vielen Jahren verbindet ihn eine enge persönliche Freundschaft mit dem ehemaligen Direktor des Joffe-Instituts und Nobelpreisträger Schores Alfjorow. Als Ehrenmitglied des Brücke Osteuropa e.V. engagiert es sich besonders auch für die Förderung der Zusammenarbeit mit den Ländern Osteuropas.

Weblinks

Klaus Thiessen beim Besuch des Solarparks in Droyßig (2007)
 <Lang> Commons: Klaus Thiessen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


07.06.2021
Gammablitz aus der kosmischen Nachbarschaft
Die hellsten Explosionen des Universums sind möglicherweise stärkere Teilchenbeschleuniger als gedacht: Das zeigt eine außergewöhnlich detaillierte Beobachtung eines solchen kosmischen Gammastrahlungsblitzes.
31.05.2021
Verblüffendes Quantenexperiment wirft Fragen auf
Quantensysteme gelten als äußerst fragil: Schon kleinste Wechselwirkungen mit der Umgebung können zur Folge haben, dass die empfindlichen Quanteneffekte verloren gehen.
31.05.2021
Symmetrie befördert Auslöschung
Physiker aus Innsbruck zeigen in einem aktuellen Experiment, dass auch die Interferenz von nur teilweise ununterscheidbaren Quantenteilchen zu einer Auslöschung führen kann.
31.05.2021
Wie Wasser auf Eisplaneten den felsigen Untergrund auslaugt
Laborexperimente erlauben Einblicke in die Prozesse unter den extremen Druck- und Temperatur-Bedingungen ferner Welten. Fragestellung: Was passiert unter der Oberfläche von Eisplaneten?
31.05.2021
Neues Quantenmaterial entdeckt
Auf eine überraschende Form von „Quantenkritikalität“ stieß ein Forschungsteam der TU Wien gemeinsam mit US-Forschungsinstituten. Das könnte zu einem Design-Konzept für neue Materialien führen.
27.05.2021
Wenden bei Höchstgeschwindigkeit
Physiker:innen beobachten neuartige Lichtemission. und zwar wenn Elektronen in topologischen Isolatoren ihre Bewegungsrichtung abrupt umdrehen.
27.05.2021
Mit Klang die Geschichte der frühen Milchstraße erkunden
Einem Team von Astronominnen und Astronomen ist es gelungen, einige der ältesten Sterne in unserer Galaxie mit noch nie dagewesener Präzision zu datieren.
11.05.2021
Teleskop zur Erforschung von Objekten höchster Dichte im Universum
Eine internationale Gruppe von Astronomen hat erste Ergebnisse eines groß angelegten Programms vorgestellt, bei dem Beobachtungen mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop dazu verwendet werden, die Theorien von Einstein mit noch nie dagewesener Genauigkeit zu testen.
11.05.2021
Quantencomputing einfach erklärt
„Quantencomputing kompakt“ lautet der Titel eines aktuellen Buchs, das Bettina Just veröffentlicht hat. Die Mathematikerin und Informatikerin, die an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) lehrt und forscht, behandelt darin ein Teilgebiet der Informationstechnik mit großem Entwicklungspotenzial.
11.05.2021
Auf dem Weg zum kleinstmöglichen Laser
Bei extrem niedrigen Temperaturen verhält sich Materie oft anders als gewohnt.
07.05.2021
Die Entdeckung von acht neuen Millisekunden-Pulsaren
Eine Gruppe von Astronomen hat mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop acht Millisekunden-Pulsare entdeckt, die sich in Kugelsternhaufen mit hoher Sterndichte befinden.
04.05.2021
Handfeste Hinweise auf neue Physik
Das Fermilab (USA) hat heute erste Daten aus dem Myon g-2 Experiment veröffentlicht, welche die Messwerte des gleichnamigen, 2001 durchgeführten Experiments am Brookhaven National Laboratory bestätigen.
04.05.2021
Neuer Exoplanet um jungen sonnenähnlichen Stern entdeckt
Astronomen aus den Niederlanden, Belgien, Chile, den USA und Deutschland bilden neu entdeckten Exoplaneten „YSES 2b“ direkt neben seinem Mutterstern ab.
07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
02.04.2021
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen. Sie werden zum Beispiel für die Vermessung des Schwerefelds der Erde eingesetzt oder um Gravitationswellen aufzuspüren. Weitere Raketenmissionen sollen folgen.
02.04.2021
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
25.03.2021
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
24.03.2021
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
24.03.2021
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
21.03.2021
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.
21.03.2021
Chromatischer Lichtteilcheneffekt für die Entwicklung photonischer Quantennetzwerke enthüllt
Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Entwicklung von Anwendungen der Quanteninformationsverarbeitung. In einem Schlüsselexperiment ist es gelungen, die bislang definierten Grenzen für Photonenanwendungen zu überschreiten.
18.03.2021
Stratosphärische Winde auf Jupiter erstmals gemessen
Mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) hat ein Team von Astronomen zum ersten Mal die Winde in der mittleren Atmosphäre des Jupiters direkt gemessen.