Felixturm

Der Felixturm 2012

Der Felixturm ist ein etwa 16 Meter hoher Turm auf dem Schafberg im Hüttertal zwischen Wallroda und Radeberg. Er wurde 1824 durch den Radeberger Amtsmaurermeister Tüllmann für den Freiherrn Johann Wilhelm von Gutschmid errichtet. Der Name Felixturm verweist auf den Sohn Gutschmids, für den er den Turm als Sternwarte errichten ließ. Der aus verwittertem Granit erbaute Felixturm steht unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte

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Der Felixturm um 1910

Freiherr Johann Wilhelm von Gutschmid (1761–1830; in einigen Überlieferungen auch Gutschmidt) war der Sohn des kursächsischen Ministers Christian Gotthelf von Gutschmid. Dieser war durch eine Erbschaft in den Besitz des Rittergutes Kleinwolmsdorf gekommen. Johann Wilhelm wählte den nahe gelegenen Schafberg im Hüttertal in der Gemarkung Wallroda, um den Turm für seinen 1815 geborenen[2] Sohn zu errichten.

Der Felixturm 1825 wurde als privates Observatorium eingeweiht. Da das Hüttertal bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vorrangig als Weideland genutzt wurde und deshalb große baumfreie Flächen aufwies, war der Turm schon von weitem aus dem gesamten Umland zu erkennen, wie es auf zeitgenössischen Abbildungen überliefert ist. Eine erste Bergwirtschaft eröffnete 1839 am Turm. Der Gaststättenbetrieb bestand bis 1965 fort.

Von 1862 bis 1890 wurde eine Landesvermessung im Königreich Sachsen zur genauen Erfassung des Staatsgebietes durchgeführt. Zu diesem Zweck errichteten die Vermesser 1865 auf dem Turm einen 1,20 Meter hohen Beobachtungspfeiler. Dieser wurde als trigonometrischer Punkt in das Königlich-Sächsische Triangulationsnetz Netz 2. Ordnung aufgenommen.

Ab 1876 war der Felixturm in Besitz des Vorwerks Heinrichsthal. Auch Agathe Zeis, Gründerin der Heinrichsthaler Milchwerke und Produzentin des ersten deutschen Camemberts, steht dadurch in der Reihe der Besitzer des Turmes. Neben dem Turm wurde 1888 ein Unterkunftsgebäude errichtet. In den folgenden Jahren wechselten die Betreiber der Gastwirtschaft sehr oft.

Im Sommer 1918 schlug ein Blitz in den Turm ein, der daraufhin völlig ausbrannte. Das Gebäude wurde wieder aufgebaut, trotzdem musste 1930 der obere Teil wegen Einsturzgefahr abgetragen werden.

Der Radeberger Amateurastronom Erich Bär war von 1952 bis 1956 Besitzer des Felixturmes. Er errichtete mit der von ihm gegründeten Fachgruppe Astronomie im Hüttertal die erste für die Öffentlichkeit zugängliche Sternwarte für Radeberg und die umliegenden Ortschaften. Die Sternwarte am Felixturm blieb bis zur Eröffnung des Neubaus am Stadtrand von Radeberg im Juni 1964 in Betrieb.[3]

Die Stadt Radeberg kaufte 1960 den Felixturm. Ein abgebrochener Ast zerstörte 1965 das Dach und die Räumlichkeiten der Gaststätte. Diese wurde daraufhin aufgegeben und das Gebäude zur Baustoffgewinnung freigegeben.

Nutzung

Seit 1978 ist der Felixturm in privatem Besitz (zunächst von der Stadt Radeberg gepachtet, im Jahr 2000 gekauft). Die Besitzer renovierten den Innen- und Außenbereich und legten einen kleinen Garten an. Der Turm wurde für Amateurfunkzwecke mit umfangreichen Antennenanlagen ausgestattet.

Sonstiges

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Der Felixturm mit Unterkunftsgebäude um 1901

In der Nähe des Felixturmes entspringt der Schafbornbach und fließt entlang des Wanderweges in die Große Röder. Der Radeberger Oberlehrer Adolf Kohlsdorf errichtete 1905 im Gebiet der Quelle des Baches einen Promenadenweg.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs kam es am Felixturm und am nahegelegenen Taubenberg zu Infanteriegefechten, bei denen Volkssturm und SS-Verbände auf die einrückenden polnischen Streitkräfte trafen.[4]

Am Felixturm endet der Radeberger Planetenwanderweg, welcher am Schloss Klippenstein beginnt. Die Tafel am Turm zeigt den Zwergplaneten Pluto, der bei der Einrichtung des Wanderweges noch als Planet klassifiziert war und damit den äußersten Planeten unseres Sonnensystems darstellte.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kulturdenkmalliste der Gemeinde Arnsdorf, eingesehen am 10. Juli 2012
  2. Lebensdaten des Felix Theodor August von Gutschmid
  3. Geschichte der Volkssternwarte "Erich Bär" in Radeberg. Abgerufen am 5. Juli 2012.
  4. Jörg Hennersdorf: Notizen von den letzten Kriegstagen. In: Große Kreisstadt Radeberg in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Stadtgeschichte (Hrsg.): Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte. Band 10, Radeberg 2012.

Koordinaten: 51° 7′ 16″ N, 13° 57′ 0″ O