Steven Beckwith

Steven Beckwith

Steven Van Walter Beckwith (* 20. November 1951 in Madison, Wisconsin) ist ein US-amerikanischer Astronom und seit 2008 Vizepräsident der University of California für die Bereiche Forschung und Doktorandenausbildung (Vice president for Research and Graduate Studies) und zugleich Professor für Astronomie an der University of California, Berkeley.

Leben

Beckwith studierte “Engineering Physics” an der Cornell University und promovierte in Physik am California Institute of Technology. Nach seiner Promotion kehrte er nach Cornell zurück, wo er für beinahe 13 Jahre als Assistant Professor für Astronomie lehrte und forschte.

Im Jahr 1991 nahm er einen Ruf als Wissenschaftliches Mitglied und Direktor an das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg an, wo er bis 1998 blieb. In Heidelberg war er unter anderem für das deutsch-spanische Teleskop am Calar Alto zuständig. In einem Interview, das im Jahresbericht 2004 des MPIA erschien, übte Beckwith heftige Kritik an den Bedingungen für eine Arbeitsaufnahme in Deutschland, unter denen seine Frau zu leiden hatte:

"Selbst nachdem wir sieben Jahre hier waren, konnte sie nicht den für eine dauerhafte Beschäftigung nötigen Status erlangen. Sie hatte zwar fast die ganze Zeit eine Anstellung, zuerst bei IBM und später bei SAP, doch hin und wieder zwang die deutsche Regierung diese Firmen, ihre Stelle auszuschreiben und nach qualifizierten deutschen Staatsbürgern zu suchen, die die Arbeit machen sollten, die sie machte. (...) Im Vergleich zu mir war sie nur ein Bürger zweiter Klasse"[1]

1998 kehrte Beckwith in die USA zurück, um Direktor des Space Telescope Science Institute (STSI) zu werden, das unter anderem für den Betrieb des Hubble-Weltraumteleskops zuständig ist. 2005 trat Beckwith von seinem Direktorenposten am STSI zurück.

Am STSI war er für die 600 Mitarbeiter, davon etwa 100 Doktoranden, und einen Etat von 25 Millionen US-Dollar jährlich verantwortlich. Am STSI setzte er sich letztlich erfolgreich für die Fortführung der Hubble-Mission ein: Die NASA beschloss 2004, das Teleskop nicht weiter zu betreiben. Aufgrund von Beckwiths Engagement gegen diesen Beschluss wurde er im Jahr 2006 revidiert.

Nachdem er als Direktor des STSI zurückgetreten war, wurde Beckwith Professor für Physik und Astronomie an der Johns Hopkins University und blieb zugleich “Distinguished Research Scientist” am Space Telescope Science Institute. Im Jahr 2008 wurde er zum Vizepräsidenten der University of California berufen; die entsprechende Stelle wurde an der UC neu geschaffen.

Seine Forschung befasst sich vor allem mit der Evolution von Galaxien und extrasolaren Planetensystemen und der Entstehung von Galaxien im frühen Universum. Im Jahr 2004 leitete er die Forschungsgruppe, die das Hubble Ultra Deep Field erstellt hat, den tiefsten Blick ins Universum im sichtbaren Licht, der je gelungen ist. Sein Werk umfasst rund 200 wissenschaftliche Arbeiten, für die er mehrere internationale Preise gewonnen hat. 2004 wurde er zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Beckwith ist mit der Wissenschaftlerin Susan McCormick verheiratet; das Ehepaar hat zwei gemeinsame Kinder.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

  • Citation by Science Digest: einer der 100 besten US-Wissenschaftler unter 40 Jahren (1984)
  • Max-Planck-Forschungspreis (1997)
  • Regents’ Lecturer, Astronomie und Physik, University of California

Literatur

  • Max-Planck-Gesellschaft (Hrsg.): Handbook of Scientific Members: Handbuch der Wissenschaftlichen Mitglieder. Max-Planck-Gesellschaft, München 2000, S. 14

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Siehe Interview im Jahresbericht 2004 des MPIA, Seite 125 unter http://www.mpia.de/Public/MPIA/JB2004/MPIA-JB_2004_dt.pdf

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
02.04.2021
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen. Sie werden zum Beispiel für die Vermessung des Schwerefelds der Erde eingesetzt oder um Gravitationswellen aufzuspüren. Weitere Raketenmissionen sollen folgen.
02.04.2021
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
25.03.2021
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
24.03.2021
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
24.03.2021
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
21.03.2021
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.
21.03.2021
Chromatischer Lichtteilcheneffekt für die Entwicklung photonischer Quantennetzwerke enthüllt
Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Entwicklung von Anwendungen der Quanteninformationsverarbeitung. In einem Schlüsselexperiment ist es gelungen, die bislang definierten Grenzen für Photonenanwendungen zu überschreiten.
18.03.2021
Stratosphärische Winde auf Jupiter erstmals gemessen
Mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) hat ein Team von Astronomen zum ersten Mal die Winde in der mittleren Atmosphäre des Jupiters direkt gemessen.
18.03.2021
Was Gravitationswellen über Dunkle Materie verraten
Die NANOGrav-Kollaboration hat kürzlich erste Hinweise auf sehr niederfrequente Gravitationswellen beobachtet.
18.03.2021
Filamente des kosmischen Netzwerks entdeckt
Einem internationalen Team von Astronominnen und Astronomen gelang zum ersten Mal die direkte Kartierung kosmischer Filamente im jungen Universum, weniger als zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Die Beobachtungen zeigen sehr leuchtschwache Galaxien, und geben Hinweise auf deren Vorfahren.
18.03.2021
Blaupausen für das Fusionskraftwerk
Am 21 März 1991 erzeugte die Experimentieranlage ASDEX Upgrade im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching das erste Plasma.
12.03.2021
Was die reflektierte Strahlung von Exoplaneten verraten könnte
Als 1995 der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems gefunden wurde, war das eine Sensation, die später mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt wurde.
12.03.2021
Theoretische Lösung für Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit
Wenn Reisen zu fernen Sternen innerhalb der Lebenszeit eines Menschen möglich sein sollen, muss ein Antrieb gefunden werden, der schneller als Lichtgeschwindigkeit ist.
12.03.2021
Quantenkontrolle mit Fernbedienung
Quantentechnologien basieren auf der präzisen Kontrolle des Zustands und der Wechselwirkung einzelner Quantenteilchen.
12.03.2021
Wie Gesteine die Bewohnbarkeit von Exoplaneten beeinflussen
Die Verwitterung von Silikatgesteinen trägt massgeblich dazu bei, dass auf der Erde ein gemässigtes Klima herrscht.
12.03.2021
Roboter lernen schneller mit Quantentechnologie
Künstliche Intelligenz ist Teil unseres modernen Lebens und eine entscheidende Frage für praktische Anwendungen ist, wie schnell solche intelligenten Maschinen lernen können.
11.03.2021
Mikroskopisch kleine Wurmlöcher als theoretische Möglichkeit
In vielen Science-Fiction-Filmen spielen Wurmlöcher eine wichtige Rolle – als Abkürzung zwischen zwei weit entfernten Orten des Weltalls.
09.03.2021
Das am weitesten entfernte Radio-Leuchtfeuer im frühen Universum
Quasare sind die hellen Zentren von Galaxien, die von schwarzen Löchern angetrieben werden, und aktiv Materie ansammeln.
06.03.2021
Eine nahe, glühend heiße Super-Erde
In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten haben Astronomen Tausende von Exoplaneten aus Gas, Eis und Gestein aufgespürt.
06.03.2021
Vulkane könnten den Nachthimmel dieses Planeten erhellen
Bisher haben Forschende keine Anzeichen auf globale tektonische Aktivität auf Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems gefunden.
03.03.2021
„Ausgestorbenes Atom“ lüftet Geheimnisse des Sonnensystems
Anhand des „ausgestorbenen Atoms“ Niob-92 konnten Forscherinnen Ereignisse im frühen Sonnensystem genauer datieren als zuvor.