Richard Gordon

Richard Gordon

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Richard Gordon (Begriffsklärung) aufgeführt.
Richard Gordon
Richard Gordon
Land (Organisation): USA (NASA)
Datum der Auswahl: 17. Oktober 1963
(3. NASA-Gruppe)
Anzahl der Raumflüge: 2
Start erster Raumflug: 12. September 1966
Landung letzter Raumflug: 24. November 1969
Gesamtdauer: 13d 3h 53min
EVA-Einsätze: 2
EVA-Gesamtdauer: 2h 41min
Ausgeschieden: Januar 1972
Raumflüge

Richard Francis „Dick“ Gordon, Jr. (* 5. Oktober 1929 in Seattle, Washington, USA; † 6. November 2017 in San Marcos, Kalifornien[1]) war ein US-amerikanischer Astronaut.

Leben

Gordon verließ 1947 die High School in Poulsbo, einer Kleinstadt 35 Kilometer nordwestlich von Seattle, und begann anschließend ein Chemiestudium an der University of Washington. Nach dem Erwerb des Bachelor-Diploms im Sommer 1951 wurde er von der US-Marine in Pensacola (Florida) zum Piloten ausgebildet, gefolgt von einem Zusatzlehrgang für Düsenmaschinen.

In Jacksonville (Florida) diente Gordon drei Jahre bei einem Geschwader, bis er Anfang 1957 von der United States Naval Test Pilot School in Maryland akzeptiert wurde. Im Juli 1957 war seine Ausbildung zum Testpiloten abgeschlossen (einer seiner Lehrer war Alan Shepard). In der Folge erprobte er am Marinestützpunkt Patuxent River Maschinen der Typen F-8U „Crusader“, F-11F „Tiger“ und FJ „Fury“.

Als Testpilot brachte Gordon das Jagdflugzeug F-4 „Phantom II“ zur Einsatzreife. Mit einer F-4H stellte er im Mai 1961 mit 1.399,7 km/h einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf, als er die Transkontinentalstrecke von Los Angeles nach New York in nur 2 Stunden und 47 Minuten zurücklegte. An der Naval Air Station Miramar in Kalifornien bildete er Marinepiloten im Umgang mit diesem neuen Jagdflugzeug aus.

Mit einem Geschwader wurde Gordon im November 1962 mit dem Flugzeugträger „USS Ranger“ Richtung Fernost entsandt. Nachdem man Japan und das Südchinesische Meer bereist hatte, traf die Einheit im Juni 1963 im Heimathafen Alameda (Kalifornien) wieder ein. Anschließend besuchte Gordon die Naval Postgraduate School in Monterey, schloss sein Studium jedoch nicht ab.

NASA-Tätigkeit

Gordon hatte sich bereits 1962 für die zweite Astronautengruppe der USA beworben. Er wurde für eine Woche zu medizinischen Untersuchungen nach San Antonio in Texas an die School of Aerospace Medicine auf der Brooks Air Force Base eingeladen, verbrachte eine weitere Woche in Houston am Manned Spacecraft Center, wie das JSC damals hieß, wurde aber nicht ausgewählt. Bei der nächsten Selektion hatte er mehr Glück und wurde im Oktober 1963 mit einem Dutzend weiterer Kandidaten der Öffentlichkeit vorgestellt.

Nach einem halben Jahr theoretischer Ausbildung erhielt im Juli 1964 jeder der 14 neuen Astronauten ein Gebiet zugeteilt, für das er verantwortlich zeichnete. Gordon war für die Gestaltung und Anordnung der Bedienelemente des Apollo-Raumschiffs zuständig. Dazu arbeitete er eng mit den Technikern der Hersteller zusammen.

Seit September 1965 war Gordon in der Ersatzbesatzung von Gemini 8 und wurde ein halbes Jahr später erwartungsgemäß in die Flugmannschaft von Gemini 11 berufen. Diese dreitägige Mission fand im September 1966 statt. Hauptaufgabe war die Annäherung und Kopplung mit dem Zielsatelliten Agena, was zur Zufriedenheit aller Beteiligten gelang, ebenso wie die zwei Ausstiege aus dem Raumschiff, die Gordon an zwei aufeinander folgenden Tagen durchführte.

Ein Jahr nach seinem Jungfernflug wurde Gordon zum Piloten der Kommandokapsel der Apollo-8-Ersatzmannschaft bestimmt, um neun Monate später in dieser Funktion für Apollo 9 aufgestellt zu werden.

Ab März 1969 gehörte Gordon als Pilot der Kommandokapsel zur Flugbesatzung von Apollo 12. Wie bei seinem Erstflug mit Gemini 11 war der Kommandant Charles Conrad. Apollo 12 war die zweite bemannte Mondlandung und fand im November 1969 statt. Nachdem die Mondfähre „Intrepid“ gelandet war, betraten Conrad als dritter und Mondfährenpilot Alan Bean als vierter Mensch den Mond. Gordon blieb während der gesamten Mission an Bord des Kommandomoduls „Yankee Clipper“.

Am 26. März 1970 wurde die Besatzung von Apollo 15 bekanntgegeben, mit Gordon als Ersatzkommandant. Da üblicherweise die Ersatzmannschaft drei Flüge später die Hauptmannschaft bildete, konnten sich Richard Gordon, Vance Brand und Jack Schmitt berechtigte Hoffnungen machen, für Apollo 18 nominiert zu werden. Am 2. September 1970 wurde dieser geplante Flug ebenso wie Apollo 19 und 20 von der NASA gestrichen.

Im Januar 1972 verließ Gordon die US-Raumfahrtbehörde und ging zunächst in den Sport: Er war fünf Jahre lang Vizepräsident der „New Orleans Saints“, eines Football-Clubs in der NFL-Profiliga. Anschließend leitete er für kurze Zeit ein texanisches Chemieunternehmen (Energy Developers). 1978 übernahm er für drei Jahre die Führung der Resolution Engineering and Development Company, die sich mit der Nutzbarmachung wilder Erdölquellen beschäftigte. Zwischen 1981 und 1983 war er Direktor für den Bereich Los Angeles bei Scott Science and Technology. Zudem war er ab 1982 Präsident der Astro Sciences Corporation.

Gordon war in zweiter Ehe verheiratet und hatte sechs Kinder.

Besonderheiten und Rekorde

  • 1966–1968 zusammen mit Charles Conrad Rekordhalter für die größte Entfernung von der Erde (1.374 km mit Gemini 11)

Siehe auch

Weblinks

 <Lang> Commons: Richard Gordon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Richard Goldstein: Richard Gordon, Gemini and Apollo Astronaut, Dies at 88. New York Times, abgerufen am 7. November 2017

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


17.06.2021
Helligkeitseinbruch von Beteigeuze
Als der helle, orangefarbene Stern Beteigeuze im Sternbild Orion Ende 2019 und Anfang 2020 merklich dunkler wurde, war die Astronomie-Gemeinschaft verblüfft.
17.06.2021
Das Elektronenkarussell
Die Photoemission ist eine Eigenschaft unter anderem von Metallen, die Elektronen aussenden, wenn sie mit Licht bestrahlt werden.
17.06.2021
Ultrakurze Verzögerung
Trifft Licht auf Materie geht das an deren Elektronen nicht spurlos vorüber.
17.06.2021
Entdeckung der größten Rotationsbewegung im Universum
D
13.06.2021
Die Taktgeber der Sonne
Nicht nur der prägnante 11-Jahres-Zyklus, auch alle weiteren periodischen Aktivitätsschwankungen der Sonne können durch Anziehungskräfte der Planeten getaktet sein.
13.06.2021
Wenn Schwarze Löcher den Weg für die Sternentstehung in Satellitengalaxien freimachen
Eine Kombination von systematischen Beobachtungen mit kosmologischen Simulationen hat gezeigt, dass Schwarze Löcher überraschenderweise bestimmten Galaxien helfen können, neue Sterne zu bilden.
13.06.2021
Flüssiges Wasser auf Monden sternenloser Planeten
Monde sternenloser Planeten können eine Atmosphäre haben und flüssiges Wasser speichern. Münchner Astrophysiker haben berechnet, dass die Wassermenge ausreicht, um Leben auf diesen wandernden Mond-Planeten-Systemen zu ermöglichen und zu erhalten.
13.06.2021
Solar Orbiter: Neues vom ungewöhnlichen Magnetfeld der Venus
Solar Orbiter ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der NASA, die bahnbrechende neue Erkenntnisse über die Sonne liefern wird.
13.06.2021
Quantenbits aus Löchern
Wissenschafter haben ein neues und vielversprechendes Qubit gefunden – an einem Ort, an dem es nichts gibt.
07.06.2021
Gammablitz aus der kosmischen Nachbarschaft
Die hellsten Explosionen des Universums sind möglicherweise stärkere Teilchenbeschleuniger als gedacht: Das zeigt eine außergewöhnlich detaillierte Beobachtung eines solchen kosmischen Gammastrahlungsblitzes.
31.05.2021
Verblüffendes Quantenexperiment wirft Fragen auf
Quantensysteme gelten als äußerst fragil: Schon kleinste Wechselwirkungen mit der Umgebung können zur Folge haben, dass die empfindlichen Quanteneffekte verloren gehen.
31.05.2021
Symmetrie befördert Auslöschung
Physiker aus Innsbruck zeigen in einem aktuellen Experiment, dass auch die Interferenz von nur teilweise ununterscheidbaren Quantenteilchen zu einer Auslöschung führen kann.
31.05.2021
Wie Wasser auf Eisplaneten den felsigen Untergrund auslaugt
Laborexperimente erlauben Einblicke in die Prozesse unter den extremen Druck- und Temperatur-Bedingungen ferner Welten. Fragestellung: Was passiert unter der Oberfläche von Eisplaneten?
31.05.2021
Neues Quantenmaterial entdeckt
Auf eine überraschende Form von „Quantenkritikalität“ stieß ein Forschungsteam der TU Wien gemeinsam mit US-Forschungsinstituten. Das könnte zu einem Design-Konzept für neue Materialien führen.
27.05.2021
Wenden bei Höchstgeschwindigkeit
Physiker:innen beobachten neuartige Lichtemission. und zwar wenn Elektronen in topologischen Isolatoren ihre Bewegungsrichtung abrupt umdrehen.
27.05.2021
Mit Klang die Geschichte der frühen Milchstraße erkunden
Einem Team von Astronominnen und Astronomen ist es gelungen, einige der ältesten Sterne in unserer Galaxie mit noch nie dagewesener Präzision zu datieren.
11.05.2021
Teleskop zur Erforschung von Objekten höchster Dichte im Universum
Eine internationale Gruppe von Astronomen hat erste Ergebnisse eines groß angelegten Programms vorgestellt, bei dem Beobachtungen mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop dazu verwendet werden, die Theorien von Einstein mit noch nie dagewesener Genauigkeit zu testen.
11.05.2021
Quantencomputing einfach erklärt
„Quantencomputing kompakt“ lautet der Titel eines aktuellen Buchs, das Bettina Just veröffentlicht hat. Die Mathematikerin und Informatikerin, die an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) lehrt und forscht, behandelt darin ein Teilgebiet der Informationstechnik mit großem Entwicklungspotenzial.
11.05.2021
Auf dem Weg zum kleinstmöglichen Laser
Bei extrem niedrigen Temperaturen verhält sich Materie oft anders als gewohnt.
07.05.2021
Die Entdeckung von acht neuen Millisekunden-Pulsaren
Eine Gruppe von Astronomen hat mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop acht Millisekunden-Pulsare entdeckt, die sich in Kugelsternhaufen mit hoher Sterndichte befinden.
04.05.2021
Handfeste Hinweise auf neue Physik
Das Fermilab (USA) hat heute erste Daten aus dem Myon g-2 Experiment veröffentlicht, welche die Messwerte des gleichnamigen, 2001 durchgeführten Experiments am Brookhaven National Laboratory bestätigen.
04.05.2021
Neuer Exoplanet um jungen sonnenähnlichen Stern entdeckt
Astronomen aus den Niederlanden, Belgien, Chile, den USA und Deutschland bilden neu entdeckten Exoplaneten „YSES 2b“ direkt neben seinem Mutterstern ab.
07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.