Otto Halpern

Otto Halpern

Otto Halpern (* 25. April 1899 in Wien; † 28. Oktober 1982 in London) war ein österreichischer theoretischer Physiker.

Leben

Halpern war der Sohn eines Arztes, besuchte das Akademische Gymnasium in Wien und studierte an der Universität Wien bei Hans Thirring und wurde 1922 promoviert (Zur Photophorese). Danach war er Assistent bei Thirring. Seine 1926 angestrebte Habilitation wurde aus antisemitischen Gründen an der Universität von einer – Bärenhöhle genannten – rechtsgerichteten Clique von Professoren um den Paläontologen Othenio Abel hintertrieben.[1] Das Habilitationsverfahren wuchs sich zu einem Skandal aus. Seine wissenschaftliche Eignung war unbestritten, seine Gegner konstruierten aber persönliche Nichteignungs-Gründe (kollegiale Unverträglichkeit). Die Kommission stimmte zwar eindeutig für Halpern, das Professorenkollegium einen Monat später aber dagegen. Halpern prozessierte gegen die Entscheidung und erzielte auch Teilerfolge vor Gericht, was ihm aber an der Universität nichts nützte. 1932 unterlag er auch vor dem Verwaltungsgericht.

Halpern hatte schon vorher die Pläne für eine Karriere in Wien aufgegeben und war 1928/29 mit einem Rockefeller-Stipendium zu Werner Heisenberg nach Leipzig gegangen, der ihn in die USA weiterempfahl. 1930 ging er nach New York und wurde Professor an der New York University. Dort arbeitete er mit Gregory Breit und wurde nach dessen Weggang 1934 Vorsitzender der Physik-Fakultät. Er befasste sich dort mit unterschiedlichsten Gebieten der theoretischen Physik (insbesondere Neutronenphysik) und war aktiv im wöchentlichen theoretischen Kolloquium der New Yorker Physiker an der Columbia University. 1931 wurde er Fellow der American Physical Society.

Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er in der Radarforschung am Radiation Laboratory des MIT und erfand einen Anstrich für Flugzeuge, der das Radarecho minimierte (HARP genannt). Die Erfindung wurde damals als geheim eingestuft und Halpern erhielt kein Patent. Nach dem Krieg erstritt er sich vor Gericht in einem Prozess, der bis vor den Obersten Gerichtshof ging von der US-Regierung eine hohe Abfindung (1960 rund 340.000 Dollar). Für die Erfindung erhielt er auch die Science Defense Department Medal.

Nach dem Krieg ging er nach Südkalifornien und an das Lawrence Radiation Laboratory in Berkeley. Dort blieb er bis zu einem Autounfall 1961. Er war aber weiter wissenschaftlich aktiv und zog 1965 nach Wien (wo er drei Jahre lebte) und dann nach London.

Er übersetzte und bearbeitete die Statistische Mechanik von Ralph H. Fowler ins Deutsche (1931). Er war auch mit Rabi einer der Entdecker von Julian Schwinger, mit dem er 1935 publizierte, als dieser gerade 16 Jahre alt war. Eine Arbeit von 1937 mit Mongomery H. Johnson[2] über Neutronenstreuung (und die Wechselwirkung des magnetischen Moments des Neutrons mit dem Magnetfeld des Streuzentrums) war einflussreich für die Anwendung der Neutronenstreuung in der Festkörperphysik, wofür Clifford Shull mit anderen den Nobelpreis erhielt. Mit Hans Thirring veröffentlichte er ein frühes Buch über Quantenmechanik. Er schrieb Artikel über Statistik und Relativitätsmechanik im Handbuch der Physik von Geiger/Scheel.

Zu seinen Doktoranden in den USA zählten Theodore Holstein (1915–1985) und Morton Hamermesh.

Schriften

  • mit Hans Thirring: The elements of the new quantum mechanics, London, Methuen 1932

Literatur

  • Paul Urban: In memoriam Otto Halpern, Acta Physica Austriaca, 55, 1983, 1-6
  • Havey Hall: Otto Halpern, Physics Today, Juli 1983

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dazu gehörten die Historiker Carl Patsch und Heinrich von Srbik und der Paläontologe Kurt Ehrenberg, Assistent des Gründers der Clique Othenio Abel. Auch der Physiker Adolf Smekal war entschieden gegen eine Habilitation von Halpern - Halpern war bekannt dafür, dass er fachliche Kritik unbesehen der Person äußerte.
  2. Halpern, Johnson Magnetic scattering of slow neutrons, Phys. Rev., Band 52, 1937, 52

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


17.06.2021
Helligkeitseinbruch von Beteigeuze
Als der helle, orangefarbene Stern Beteigeuze im Sternbild Orion Ende 2019 und Anfang 2020 merklich dunkler wurde, war die Astronomie-Gemeinschaft verblüfft.
17.06.2021
Das Elektronenkarussell
Die Photoemission ist eine Eigenschaft unter anderem von Metallen, die Elektronen aussenden, wenn sie mit Licht bestrahlt werden.
17.06.2021
Ultrakurze Verzögerung
Trifft Licht auf Materie geht das an deren Elektronen nicht spurlos vorüber.
17.06.2021
Entdeckung der größten Rotationsbewegung im Universum
D
13.06.2021
Die Taktgeber der Sonne
Nicht nur der prägnante 11-Jahres-Zyklus, auch alle weiteren periodischen Aktivitätsschwankungen der Sonne können durch Anziehungskräfte der Planeten getaktet sein.
13.06.2021
Wenn Schwarze Löcher den Weg für die Sternentstehung in Satellitengalaxien freimachen
Eine Kombination von systematischen Beobachtungen mit kosmologischen Simulationen hat gezeigt, dass Schwarze Löcher überraschenderweise bestimmten Galaxien helfen können, neue Sterne zu bilden.
13.06.2021
Flüssiges Wasser auf Monden sternenloser Planeten
Monde sternenloser Planeten können eine Atmosphäre haben und flüssiges Wasser speichern. Münchner Astrophysiker haben berechnet, dass die Wassermenge ausreicht, um Leben auf diesen wandernden Mond-Planeten-Systemen zu ermöglichen und zu erhalten.
13.06.2021
Solar Orbiter: Neues vom ungewöhnlichen Magnetfeld der Venus
Solar Orbiter ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der NASA, die bahnbrechende neue Erkenntnisse über die Sonne liefern wird.
13.06.2021
Quantenbits aus Löchern
Wissenschafter haben ein neues und vielversprechendes Qubit gefunden – an einem Ort, an dem es nichts gibt.
07.06.2021
Gammablitz aus der kosmischen Nachbarschaft
Die hellsten Explosionen des Universums sind möglicherweise stärkere Teilchenbeschleuniger als gedacht: Das zeigt eine außergewöhnlich detaillierte Beobachtung eines solchen kosmischen Gammastrahlungsblitzes.
31.05.2021
Verblüffendes Quantenexperiment wirft Fragen auf
Quantensysteme gelten als äußerst fragil: Schon kleinste Wechselwirkungen mit der Umgebung können zur Folge haben, dass die empfindlichen Quanteneffekte verloren gehen.
31.05.2021
Symmetrie befördert Auslöschung
Physiker aus Innsbruck zeigen in einem aktuellen Experiment, dass auch die Interferenz von nur teilweise ununterscheidbaren Quantenteilchen zu einer Auslöschung führen kann.
31.05.2021
Wie Wasser auf Eisplaneten den felsigen Untergrund auslaugt
Laborexperimente erlauben Einblicke in die Prozesse unter den extremen Druck- und Temperatur-Bedingungen ferner Welten. Fragestellung: Was passiert unter der Oberfläche von Eisplaneten?
31.05.2021
Neues Quantenmaterial entdeckt
Auf eine überraschende Form von „Quantenkritikalität“ stieß ein Forschungsteam der TU Wien gemeinsam mit US-Forschungsinstituten. Das könnte zu einem Design-Konzept für neue Materialien führen.
27.05.2021
Wenden bei Höchstgeschwindigkeit
Physiker:innen beobachten neuartige Lichtemission. und zwar wenn Elektronen in topologischen Isolatoren ihre Bewegungsrichtung abrupt umdrehen.
27.05.2021
Mit Klang die Geschichte der frühen Milchstraße erkunden
Einem Team von Astronominnen und Astronomen ist es gelungen, einige der ältesten Sterne in unserer Galaxie mit noch nie dagewesener Präzision zu datieren.
11.05.2021
Teleskop zur Erforschung von Objekten höchster Dichte im Universum
Eine internationale Gruppe von Astronomen hat erste Ergebnisse eines groß angelegten Programms vorgestellt, bei dem Beobachtungen mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop dazu verwendet werden, die Theorien von Einstein mit noch nie dagewesener Genauigkeit zu testen.
11.05.2021
Quantencomputing einfach erklärt
„Quantencomputing kompakt“ lautet der Titel eines aktuellen Buchs, das Bettina Just veröffentlicht hat. Die Mathematikerin und Informatikerin, die an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) lehrt und forscht, behandelt darin ein Teilgebiet der Informationstechnik mit großem Entwicklungspotenzial.
11.05.2021
Auf dem Weg zum kleinstmöglichen Laser
Bei extrem niedrigen Temperaturen verhält sich Materie oft anders als gewohnt.
07.05.2021
Die Entdeckung von acht neuen Millisekunden-Pulsaren
Eine Gruppe von Astronomen hat mit dem südafrikanischen MeerKAT-Radioteleskop acht Millisekunden-Pulsare entdeckt, die sich in Kugelsternhaufen mit hoher Sterndichte befinden.
04.05.2021
Handfeste Hinweise auf neue Physik
Das Fermilab (USA) hat heute erste Daten aus dem Myon g-2 Experiment veröffentlicht, welche die Messwerte des gleichnamigen, 2001 durchgeführten Experiments am Brookhaven National Laboratory bestätigen.
04.05.2021
Neuer Exoplanet um jungen sonnenähnlichen Stern entdeckt
Astronomen aus den Niederlanden, Belgien, Chile, den USA und Deutschland bilden neu entdeckten Exoplaneten „YSES 2b“ direkt neben seinem Mutterstern ab.
07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.