Mondkalender (Babylonien)

Mondkalender (Babylonien)

Der babylonische Mondkalender war ein von babylonischen Astronomen entworfenes theoretisches Lunarkalendermodell, das aus gemittelten synodischen Mondmonaten bestand.

Grundlagen

Animation der Mondphasen.

Der babylonische Mondkalender diente als einheitliches Zeitsystem der Aufzeichnung sowie Vorausberechnung von lunaren und planetarischen Ereignissen. Er besaß daher den Charakter eines astronomischen Vorhersagekalenders, dessen Prognosen mit den Aufzeichnungen von tatsächlich eingetretenen Ereignissen im babylonischen Kalender korrespondierten.[1]

Die Babylonier unterteilten den mittleren synodischen Monat in 30 planetare Ephemeriden-Einheiten, die auch bezüglich der Großkreis-Berechnung als Zeitgröße Anwendung fanden. Die so ermittelten Zeiteinheiten trugen keinen speziellen Namen, sondern erhielten die schlichte Bezeichnung „Tage“, die maximal einen Tag von den realen Kalendereinträgen im babylonischen Kalender abweichen konnten. Die Berechnungsgrundlage des babylonischen lunaren Tages ist mit den indischen Tithi identisch.[1]

Neulichttage fielen im babylonischen Mondkalender immer auf den 1. oder 30. Tag, wobei der Grundsatz galt: Wenn das Neulicht am 30. Tag zu beobachten ist, gilt dieser Tag als 1. Tag des Folgemonats. Die beiden Schaltmonate Addaru II und Ululu II hatten die gleiche Systematik als Grundlage.[2]

Monatsnamen

Die babylonischen Namen der Mond- und Kalendermonate, die aus der altbabylonischen Zeit (2000–1600 v. Chr.) stammen, leiteten sich aus dem älteren Kalendersystem aus Nippur ab.

Monatsnamen in verschiedenen Epochen und Regionen
Monats-Nr. Babylonischer Kalender Nippur-Kalender Ur-III-Kalender Lagaš-Kalender
1 Nisannu (bar) Bara-zag-gar-ra Maš-du-ku Gan-maš
2 Ajaru (gu4) Ezen-gu4-si-su Šeš-da-ku Gu4-du-bi-sar-sar
3 Simanu (sig4) Sig4-ga U5-bi-ku Ezen-dLi9-si4
4 Du'uzu (šu) Šu-numun Ki-sig-dNin-a-zu Šu-numun
5 Abu (izi) NE-NE-gar-ra Ezen-dNin-a-zu Munux-(DIM4)-ku
6 Ululu (kin) Kin-dInanna A-ki-ti Ezen dDumu-zi
7 Tašritu (du6) Du6-ku Ezen-dŠul-gi Ezen-dŠul-gi
8 Araḫsamna (apin) Apin-du8-a Šu-eš-ša Ezen-dBa-ba6
9 Kislimu (gan) Gan-gan-e Ezen-maḫ Mu-šu-du7
10 Tebetu (ab) Ab-e Ezen-an-na Amar-a-a-si
11 Šabatu (ziz) Ziz-a Ezen-me-ki-gal Še-gur10-ku5
12 Addaru (še) Še-gur10-ku5 Še-gur10-ku5 Še-il-la
S Addaru II (DIR, dirig)
Ululu II (KIN-2-KAM, 2-KAM)

Literatur

  • Lis Brack-Bernsen: Zur Entstehung der babylonischen Mondtheorie – Beobachtung und theoretische Berechnung von Mondphasen. Steiner, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-07089-3.
  • Hermann Hunger: Kalender. In: Dietz-Otto Edzard u. a.: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie. Band 5. de Gruyter, Berlin 1980, ISBN 3-1100-7192-4, S. 297–303.
  • Jean Meeus: Astronomische Algorithmen – Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5. 2. Auflage. Barth, Leipzig 2000, ISBN 3-335-00400-0.
  • Jean Meeus: Astronomical Tables of the Sun, Moon and Planets. 2. Auflage. Willmann-Bell, Richmond 1995, ISBN 0-943396-02-6.
  • Otto Neugebauer: A History of ancient mathematical astronomy. Springer, Berlin 1975 (Nachdruck 2006, ISBN 3-540-06995-X).
  • Otto Neugebauer: The exact sciences in antiquity. 2nd edition. Brown University Press, Providence RI 1957, (Auch: Unabridged, slightly corrected reprint. Dover Publications, New York NY 2004, ISBN 0-486-22332-9, (Dover classics of science and mathematics)).
  • Anton Pannekoek: Calculation of dates in the Babylonian tables of planets - Proceedings XIX -. Akadedemie van Wetenschappen te Amsterdam, Amsterdam 1916, S. 684–703.
  • Francis Richard Stephenson: Historical Eclipses and Earth's rotation. Cambridge University Press, Cambridge 1997, ISBN 0-521-46194-4

Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 Otto Neugebauer: The exact sciences in antiquity. S. 128.
  2. Lis Brack-Bernsen: Zur Entstehung der babylonischen Mondtheorie. S. 38.

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