Lew Petrowitsch Gorkow

Lew Petrowitsch Gorkow

Lew Petrowitsch Gorkow (russisch Лев Петрович Горьков, englische Transliteration Lev Petrovich Gor'kov; * 14. Juni 1929 in Moskau[1]; † 28. Dezember 2016[2]) war ein russisch-US-amerikanischer theoretischer Physiker, der sich mit Vielteilchentheorie und insbesondere der Theorie der Supraleitung beschäftigte.

Leben

Gorkow studierte an der Lomonossow-Universität und schloss sich dann der Theorie-Gruppe von Lew Landau an, wo er mit Alexei Alexejewitsch Abrikossow, Igor Jechijeljewitsch Dsjaloschinski und Isaak Chalatnikow an Problemen der theoretischen Festkörperphysik arbeitete. 1960 erhielt er den russischen Doktortitel (Habilitation) in Leningrad. Danach war er am Landau-Institut für Theoretische Physik in Tschernogolowka bei Moskau tätig, wo er stellvertretender Direktor wurde. 1991 und 1992 war er Gastprofessor an der University of Illinois at Urbana/Champaign und war danach Professor an der Florida State University und Mitglied von deren National High Magnetic Field Laboratory in Tallahassee.

Gorkow war einer der Pioniere der Anwendung quantenfeldtheoretischer Methoden in der Festkörperphysik, die er insbesondere in der Theorie der Supraleitung anwandte (während gleichzeitig Spartak Beljajew die Methoden auf Supraflüssigkeiten anwandte) und dort die BCS-Theorie in eine elegante und gleichzeitig praktikable Form brachte. Er untersuchte damit räumlich inhomogene Supraleiter, entwickelte eine mikroskopische Begründung der Ginsburg-Landau-Theorie, untersuchte den Einfluss von Störstellen und Nichtgleichgewichtsphänomene in der Supraleitung. Mit seinen Kollegen vom Landau-Institut Abrikossow und Dzyaloshinsky verfasste er ein Standardlehrbuch über quantenfeldtheoretische Methoden in der Theorie kondensierter Materie.

Gorkow war seit 1966 korrespondierendes und seit 1987 Vollmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. 1966 erhielt er den Leninpreis und 1988 den Landau-Preis. 2004 erhielt er mit Spartak Beljajew die Feenberg-Medaille und 1991 den Bardeen Award. 1997 wurde er Fellow der American Physical Society. Seit 2005 war er Mitglied der National Academy of Sciences und seit 1991 auswärtiges Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. Er war seit 1992 Ehrendoktor der University of Illinois, seit 1989 der City University of New York und erhielt 1999 den Alexander-von-Humboldt-Forschungspreis für „Senior US Scientists“.

Literatur

  • A.A.Abrikosov, L.P.Gorkov, I.E.Dzyaloshinski „Methods of quantum field theory in statistical physics“, Prentice Hall 1963, 2. Auflage, Pergamon Press 1965, Neuauflage Dover 1977
  • L.P.Gorkov On the energy spectrum of superconductors, Sov.Phys.JETP, Bd. 7 (1958), S.505 (JETP Bd.34 (1958), S.412)
  • L.P.Gorkov Microscopic derivation of the Ginzburg-Landau equations in the theory of superconductivity, Sov.Phys.JETP, Bd. 9 (1959), S.1364 (JETP Bd. 36 (1959), S.1918)
  • L.P.Gorkov, A.A.Abrikosov, I.E.Dzyaloshinski On the application of quantum field theory methods to problems of quantum statistics at finite temperature, Sov.Phys.JETP, Bd. 9 (1959), S.636 (JETP, Bd. 36 (1959), S.900)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. siehe J.A.Chramow, Physiker: Biographisches Wörterbuch, Kiew, Naukowa Dumka, 1977, in russ. Sprache.
  2. Biografische Angaben auf der Website der Russischen Akademie der Wissenschaften (russisch)

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


04.05.2021
Handfeste Hinweise auf neue Physik
Das Fermilab (USA) hat heute erste Daten aus dem Myon g-2 Experiment veröffentlicht, welche die Messwerte des gleichnamigen, 2001 durchgeführten Experiments am Brookhaven National Laboratory bestätigen.
04.05.2021
Neuer Exoplanet um jungen sonnenähnlichen Stern entdeckt
Astronomen aus den Niederlanden, Belgien, Chile, den USA und Deutschland bilden neu entdeckten Exoplaneten „YSES 2b“ direkt neben seinem Mutterstern ab.
07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
02.04.2021
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen. Sie werden zum Beispiel für die Vermessung des Schwerefelds der Erde eingesetzt oder um Gravitationswellen aufzuspüren. Weitere Raketenmissionen sollen folgen.
02.04.2021
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
25.03.2021
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
24.03.2021
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
24.03.2021
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
21.03.2021
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.
21.03.2021
Chromatischer Lichtteilcheneffekt für die Entwicklung photonischer Quantennetzwerke enthüllt
Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Entwicklung von Anwendungen der Quanteninformationsverarbeitung. In einem Schlüsselexperiment ist es gelungen, die bislang definierten Grenzen für Photonenanwendungen zu überschreiten.
18.03.2021
Stratosphärische Winde auf Jupiter erstmals gemessen
Mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) hat ein Team von Astronomen zum ersten Mal die Winde in der mittleren Atmosphäre des Jupiters direkt gemessen.
18.03.2021
Was Gravitationswellen über Dunkle Materie verraten
Die NANOGrav-Kollaboration hat kürzlich erste Hinweise auf sehr niederfrequente Gravitationswellen beobachtet.
18.03.2021
Filamente des kosmischen Netzwerks entdeckt
Einem internationalen Team von Astronominnen und Astronomen gelang zum ersten Mal die direkte Kartierung kosmischer Filamente im jungen Universum, weniger als zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Die Beobachtungen zeigen sehr leuchtschwache Galaxien, und geben Hinweise auf deren Vorfahren.
18.03.2021
Blaupausen für das Fusionskraftwerk
Am 21 März 1991 erzeugte die Experimentieranlage ASDEX Upgrade im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching das erste Plasma.
12.03.2021
Was die reflektierte Strahlung von Exoplaneten verraten könnte
Als 1995 der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems gefunden wurde, war das eine Sensation, die später mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt wurde.
12.03.2021
Theoretische Lösung für Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit
Wenn Reisen zu fernen Sternen innerhalb der Lebenszeit eines Menschen möglich sein sollen, muss ein Antrieb gefunden werden, der schneller als Lichtgeschwindigkeit ist.
12.03.2021
Quantenkontrolle mit Fernbedienung
Quantentechnologien basieren auf der präzisen Kontrolle des Zustands und der Wechselwirkung einzelner Quantenteilchen.
12.03.2021
Wie Gesteine die Bewohnbarkeit von Exoplaneten beeinflussen
Die Verwitterung von Silikatgesteinen trägt massgeblich dazu bei, dass auf der Erde ein gemässigtes Klima herrscht.
12.03.2021
Roboter lernen schneller mit Quantentechnologie
Künstliche Intelligenz ist Teil unseres modernen Lebens und eine entscheidende Frage für praktische Anwendungen ist, wie schnell solche intelligenten Maschinen lernen können.
11.03.2021
Mikroskopisch kleine Wurmlöcher als theoretische Möglichkeit
In vielen Science-Fiction-Filmen spielen Wurmlöcher eine wichtige Rolle – als Abkürzung zwischen zwei weit entfernten Orten des Weltalls.
09.03.2021
Das am weitesten entfernte Radio-Leuchtfeuer im frühen Universum
Quasare sind die hellen Zentren von Galaxien, die von schwarzen Löchern angetrieben werden, und aktiv Materie ansammeln.
06.03.2021
Eine nahe, glühend heiße Super-Erde
In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten haben Astronomen Tausende von Exoplaneten aus Gas, Eis und Gestein aufgespürt.