Leo-IV-Zwerggalaxie

Leo-IV-Zwerggalaxie

Galaxie
Leo-IV-Zwerggalaxie[1]
Leo IV ist eine von mehr als ein Dutzend Ultra Faint Dwarf Galaxien in der direkten Nachbarschaft der Milchstraße[2]
Leo IV ist eine von mehr als ein Dutzend Ultra Faint Dwarf Galaxien in der direkten Nachbarschaft der Milchstraße[2]
Sternbild Löwe
Position
ÄquinoktiumJ2000.0, Epoche: J2000.0
Rektaszension 11h 32m 57s[1]
Deklination −00° 32′ 00″ [1]
Erscheinungsbild
Morphologischer Typ dSph  [3]
Helligkeit (visuell) 15,9 ± 0,5 mag [3]
Winkel­ausdehnung 5,7′ [4]
Physikalische Daten
Zugehörigkeit Lokale Gruppe  
Rotverschiebung (1,63 ± 0,30) ⋅ 10-4  
Radial­geschwin­digkeit 130 km/s  
Entfernung (520.000 ± 49.000) Lj /
(160.000 ± 15.000) pc
Geschichte
Entdeckungsdatum 2006
Katalogbezeichnungen
Leo IV[1]
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Die Leo-IV-Zwerggalaxie kurz auch Leo IV ist eine spheroidale Zwerggalaxie (dSph) im Sternbild des Löwen und wurde im Jahr 2006 nach Analysen der Daten der Durchmusterung des Sloan Digital Sky Survey entdeckt.[3] Die Galaxie befindet sich in einer Entfernung von etwa 160 kpc von unserem Sonnensystem und entfernt sich von diesem mit einer Geschwindigkeit von näherungsweise 130 km/s.[3][5]

Leo IV besitzt entsprechend der Klassifikation eine rundliche Form und hat einen Halblichtradius von 130 pc[4] (andere Quellen nennen auch 160 pc[3]).

Eigenschaften

Leo IV ist eine der kleinsten und lichtschwächsten Trabanten unserer Milchstraße. Die integrale Leuchtkraft beträgt etwa 15.000 L mit einer absoluten Helligkeit von MV = (-5,5 ± 0,3) mag, was weniger ist als diejenige eines typischen Kugelsternhaufens.[4]

Trotzdem ist die Masse der Galaxie mit etwa 1,5 Millionen M derartig hoch, dass ein Masse-Leuchtkraft-Verhältnis von 150 resultiert. Dies impliziert eine nicht untypische Dominanz durch Dunkle Materie auch für diese Zwerggalaxie.[5]

Die Sternpopulation von Leo IV besteht hauptsächlich aus älteren Sternen, die vor mehr als 12 Milliarden Jahren entstanden[4]. Damit gehören sie zu den ersten Sternen überhaupt, die sich im Universum gebildet haben. Die Metallizität dieser alten Sterne ist entsprechend gering mit einem Wert [Fe/H] ≈ −2,58 ± 0,75. Dies bedeutet, dass die Häufigkeit schwererer Elemente etwa 400 mal geringer ausfällt als bei unserer Sonne.[6] Es wurden vor allem Rote Riesensterne beobachtet, obwohl auch einige Horizontalast-Sterne entdeckt wurden einschließlicher dreier variabler RR-Lyrae-Sterne[4] (die Entfernung ermittelt durch die RR-Lyrae-Sterne beträgt dabei (154 ± 4) kpc[4]). Detaillierte Studien der Sternpopulation zeigen für Leo IV aber auch mit einem Alter von 2 Milliarden Jahren und weniger eine kleine Anzahl an deutlich jüngeren Sternen. Dies deutet auf eine komplexe Geschichte der Sternentstehung dieser Galaxie hin.[4] Derzeit ist aber keine aktuelle Sternentstehung in Leo IV feststellbar. Keine der Messergebnisse weist auch auf das Vorhandensein von neutralem Wasserstoff hin, die maximale Obergrenze hierfür sind höchstens 600 M.[7]

2008 wurde eine weitere Galaxie namens Leo V in direkter Nachbarschaft zu Leo IV entdeckt. Sie ist 20 kpc weiter von der Milchstraße entfernt als Leo IV und 3 Grad (~ 10 kpc) von ihr. Es erhärten sich Hinweise, dass die beiden Galaxien möglicherweise auch physisch miteinander verbunden sind.[8]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Leo IV Dwarf Galaxy bei SIMBAD
  2. Hubble Unmasks Ghost Galaxies. In: ESA/Hubble Press Release. Abgerufen am 11. Juli 2012. 
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 V. Belokurov, D. B. Zucker, N. W. Evans, J. T. Kleyna, S. Koposov, S. T. Hodgkin, M. J. Irwin, G. Gilmore, M. I. Wilkinson, M. Fellhauer, D. M. Bramich, P. C. Hewett, S. Vidrih, J. T. A. De Jong, J. A. Smith, H‐W. Rix, E. F. Bell, R. F. G. Wyse, H. J. Newberg, P. A. Mayeur, B. Yanny, C. M. Rockosi, O. Y. Gnedin, D. P. Schneider, T. C. Beers, J. C. Barentine, H. Brewington, J. Brinkmann, M. Harvanek, S. J. Kleinman, J. Krzesinski, D. Long, A. Nitta, S. A. Snedden: Cats and Dogs, Hair and a Hero: A Quintet of New Milky Way Companions. In: The Astrophysical Journal. Band 654, Nr. 2, 2007, S. 897, doi:10.1086/509718.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 David J. Sand, Anil Seth, Edward W. Olszewski, et al.: A Deeper Look at Leo IV: Star Formation History and Extended Structure. In: The Astrophysical Journal. 718, 2010, S. 530–42. arxiv:0911.5352. bibcode:2010ApJ...718..530S. doi:10.1088/0004-637X/718/1/530.
  5. 5,0 5,1 J. D. Simon, Geha, M.: The Kinematics of the Ultra‐faint Milky Way Satellites: Solving the Missing Satellite Problem. In: The Astrophysical Journal. 670, 2007, S. 313, doi:10.1086/521816.
  6. E. N. Kirby, J. D. Simon, Geha, M., Guhathakurta, P., Frebel, A.: Uncovering Extremely Metal-Poor Stars in the Milky Way’s Ultrafaint Dwarf Spheroidal Satellite Galaxies. In: The Astrophysical Journal. 685, 2008: L43. doi:10.1086/592432.
  7. J. Grcevich, M. E. Putman: H I in Local Group Dwarf Galaxies and Stripping by the Galactic Halo. In: The Astrophysical Journal. 696, 2009, S. 385. doi:10.1088/0004-637X/696/1/385.
  8. V. Belokurov, M. G. Walker, N. W. Evans, et al.: Leo V: A companion of a companion of the Milky Way galaxy. In: The Astrophysical Journal. 686, Nr. 2, 2008, S. L83–L86. arxiv:0807.2831. bibcode:2008ApJ...686L..83B. doi:10.1086/592962.


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