Kataklysmus

Die Sintflut (Francis Danby, 1837–1839; Tate Gallery, London)

Der Begriff Kataklysmus oder Kataklysmos (lat. cataclysmus, griech. κατακλυσμός kataklysmós, zu kataklýzein „überschwemmen“; katá „hinunter“, klýzein „spülen, wegspülen“) bezeichnet eine sehr große, alles zerstörende Katastrophe.

Begriffsgeschichte

In der griechischen Philosophie trat der Begriff in Zusammenhang mit den Theorien über einen viele Jahrtausende währenden Weltzyklus, auch Großes Jahr genannt, auf. Demzufolge wiederholt sich das Weltgeschehen zyklisch. An den durch das Wiederauftreten bestimmter Planetenkonstellationen markierten Wendepunkten des Zyklus kam es zu großen Katastrophen, und zwar gigantischen Flutereignissen, eben den Kataklysmen, bzw. zu einem Weltbrand, der Ekpyrosis.

Daher war es naheliegend, dass bei der Übersetzung der hebräischen Bibel in die griechische Septuaginta die „Sintflut“ mit „Kataklysmos“ übersetzt wurde (Gen 6,17 LXX). Dementsprechend heißt im orthodoxen Christentum der Feiertag, der an die Sintflut erinnert, ebenfalls Kataklysmos. Es ist auf Zypern ein gesetzlicher Feiertag, der 50 Tage nach dem orthodoxen Osterfest am Pfingstmontag insbesondere in den Küstenstädten begangen wird. Das Fest weist einen mystischen Bezug zum Wasser auf; nach dem Gottesdienst ziehen viele Gemeinden ans Meer, wo der Priester ein Kreuz ins Wasser wirft und junge Männer danach tauchen; das Auffinden wird als Glückszeichen gedeutet.

Kataklysmische Ereignisse erscheinen aber auch sonst in der antiken Literatur, beispielsweise

  • bei Platon in Zusammenhang mit der Beschreibung des Untergangs von Atlantis[1] sowie in den Nomoi,[2] oder
  • bei Ovid, der in seinen Metamorphosen von zwei Kataklysmen berichtet, nämlich der Flut, die außer Deukalion und seiner Frau alles Leben vernichtet, und dem Absturz des Phaethon, der mit dem Sonnenwagen fast die Erde verbrannt hätte (was einer Ekpyrosis entspräche).

Kataklysmen in der Geologie

Speziell in der Geologie bezeichnet Kataklysmus eine erdgeschichtliche Katastrophe.

Die Anfänge der wissenschaftlichen Geologie im 18. und 19. Jahrhundert waren geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der Kataklysmentheorien, die geologische Befunde als Folge der Sintflut zu deuten versuchten (und damit insbesondere den biblischen Zeitrahmen von wenigen Jahrtausenden seit Entstehung der Welt retten wollten), und deren Gegnern, die wesentlich langsamere, über Jahrmillionen hin wirkende Prozesse am Werk sehen wollten.

Aufgrund dieser Auseinandersetzungen wurden in der Geologie Vertreter von Theorien, die mit geologischen Katastrophen operierten, lange Zeit an den Rand gedrängt und ihnen die wissenschaftliche Ernsthaftigkeit abgesprochen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Voreingenommenheit langsam verflüchtigt und kataklysmische Ereignisse der Erdgeschichte erfahren die gebührende Aufmerksamkeit. Zu solchen Ereignissen zählen:

  • Einschläge großer Himmelskörper, beispielsweise eines Kometen, was als Ursache des Aussterbens der Dinosaurier vermutet wird, siehe K-P-Impakt,
  • Ausbrüche von Supervulkanen, beispielsweise der Yellowstone-Caldera,
  • globale Eiszeiten, siehe Schneeballerde, oder
  • die Explosion einer nahen Supernova.

Weblinks

 Wiktionary: Kataklysmus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Platon Timaios 22a–d
  2. Platon Nomoi 677a ff

Die News der letzten Tage

22.06.2022
Teilchenphysik
Lange gesuchtes Teilchen aus vier Neutronen entdeckt
Ein internationales Forschungsteam hat nach 60 Jahren vergeblicher Suche erstmals einen neutralen Kern entdeckt – das Tetra-Neutron.
22.06.2022
Festkörperphysik
Dunklen Halbleiter zum Leuchten gebracht
Ob Festkörper etwa als Leuchtdioden Licht aussenden können oder nicht, hängt von den Energieniveaus der Elektronen im Kristallgitter ab.
15.06.2022
Exoplaneten
Zwei neue Super-Erden in der Nachbarschaft
Unsere Sonne zählt im Umkreis von zehn Parsec (33 Lichtjahre) über 400 Sterne und eine stetig wachsende Zahl an Exoplaneten zu ihren direkten Nachbarn.
15.06.2022
Quantenphysik
Quantenelektrodynamik 100-fach genauerer getestet
Mit einer neu entwickelten Technik haben Wissenschaftler den sehr geringen Unterschied der magnetischen Eigenschaften zweier Isotope von hochgeladenem Neon in einer Ionenfalle mit bisher unzugänglicher Genauigkeit gemessen.
13.06.2022
Quantenphysik
Photonenzwillinge ungleicher Herkunft
Identische Lichtteilchen (Photonen) sind wichtig für viele Technologien, die auf der Quantenphysik beruhen.
10.06.2022
Kometen und Asteroiden | Sonnensysteme
Blick in die Kinderstube unseres Sonnensystems
Asteroiden sind Überbleibsel aus der Kinderstube unseres Sonnensystems und mit rund 4,6 Milliarden Jahren ungefähr so alt wie das Sonnensystem selbst.
07.06.2022
Galaxien | Sterne
Das Ende der kosmischen Dämmerung
Eine Gruppe von Astronomen hat das Ende der Epoche der Reionisation auf etwa 1,1 Milliarden Jahre nach dem Urknall genau bestimmt.