Gale (Marskrater)

Gale (Marskrater)

Marskrater Gale
Weiß umrandet das Landegebiet von Curiosity in Aeolis Palus, der Kraterebene des Gale-Kraters (HRSC-Daten)
Weiß umrandet das Landegebiet von Curiosity in Aeolis Palus, der Kraterebene des Gale-Kraters (HRSC-Daten)
Marskrater Gale (Mars)
Marskrater Gale
Position 5° 24′ S, 137° 48′ OKoordinaten: 5° 24′ 0″ S, 137° 48′ 0″ O
Durchmesser 154 km
Geschichte
Alter 3,5 – 3,8 Milliarden Jahre
Eponym Walter Frederick Gale
Schrägansicht auf den Krater mit Höhenüberzeichnung

Datei:Mars Science Laboratory Landing Site Gale Crater.ogv

Gale ist ein Einschlagkrater auf dem Planeten Mars. Sein Durchmesser beträgt etwa 154 km und sein Alter wird auf 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahre geschätzt und müsste somit im Zeitalter Hesperian entstanden sein.[1] Benannt wurde er nach dem australischen Astronomen Walter Frederick Gale.[2] Seit August 2012 erforscht der NASA-Rover Curiosity den Krater.

Charakteristika und Lage

Der Krater befindet sich südlich der Tiefebenen von Elysium Planitia, seine Koordinaten sind bei 5,4° Süd und 137,8° Ost. Der Berg in der Mitte des Kraters trägt den von der für die Marsnomenklatur zuständigen Internationalen Astronomischen Union (IAU) vergebenen Namen Aeolis Mons und ist mit 5,5 km Höhe höher als der eigentliche südliche Kraterrand. Die NASA bezeichnet den Berg als Mount Sharp nach dem kalifornischen Geologen Robert P. Sharp (1911–2004) und ignoriert damit erstmals die Nomenklatur der IAU.[3][4][5]

Die Geschichte des Gale-Kraters ist lang und komplex und offenbart unterschiedliche Episoden seiner Geschichte; vieles davon ist bisher ungeklärt. Nach dem Einschlag, der den Gale-Krater einst hinterließ, füllte sich der Krater mit Sedimenten. Diese wurden dann, möglicherweise in einem sich kumulierenden Prozess, abgetragen. Bisher konnte jedoch nicht ausreichend geklärt werden, ob die Erosion durch Wasser oder Wind verursacht wurde.

Eine Besonderheit des Gale-Kraters ist der enorme Hügel Schutt um die zentrale Spitze des Aeolis Mons. Dutzende, wenn nicht hunderte von verschiedenen Schichten haben sich über einen Zeitraum von 2 Milliarden Jahren abgelagert und den Hügel geformt. Jede Schicht archiviert somit ein Stück der Marsgeschichte. Studien legen nahe, dass der aktuelle Hügel durch Überreste von Sedimentablagerungen erodiert wurde, die einst den ganzen Krater rechts bis zum Kraterrand und möglicherweise darüber hinaus füllten. Die Natur der Schichten ist jedoch bisher weitgehend unbekannt. Eine Entstehungmöglichkeit bezieht sowohl Trümmer, die durch Wind herangetragen wurden, als auch vulkanische Asche, die vom Himmel gefallen ist, ein. Es ist auch vorstellbar, dass der Gale-Krater einst einen See hatte, in dem sich die Sedimente unter dem Schutz von Eis ablagerten.[6]

Diese These ist jedoch wissenschaftlich umstritten.[7][8] Für die meisten Wissenschaftler liegt es aber im Bereich des Möglichen, dass Wasser eine entscheidende Rolle bei dem Formen von großen Teilen der Attraktivität des Gale gespielt hat. Wenn Wasser hier jemals reichlich vorhanden war, dann könnten auch Spuren von Leben auf dem Mars gefunden werden.

Die Erosion scheint im Norden stärker gewirkt zu haben und formte dabei u. a. eine Art Schwemmfächer. Dieser könnte nach Meinung einiger Wissenschaftler u. a. durch die Ablagerung von Sedimenten entstanden sein, die durch Wasser transportiert wurden. Die Form dieser Ablagerungen ähnelt einem Fächer, wie in der Regel an Schluchtmündungen auftritt oder an Stellen, wo ein Strom seine Sedimente in ein stehendes Gewässer ergibt. Während der Trümmerfächer einige Schichten behält, scheint er durch einen erst kürzlich nach Nordwesten führenden Kanal eingeschnittenen worden zu sein. Der Kanal kommt über die unteren Sedimentschichten des Hügels in Richtung der nördlichen Kraterebene herunter. Hochauflösende Bilder des MOC-Instruments an Bord der NASA-Sonde Mars Global Surveyor legen nahe, dass die unteren Schichten das aufweisen, was Geologen eine Diskordanz nennen. Zudem wäre ein Spalt, der in dieser Zeit durch Erosion einstanden ist, ein Bruch in der geologischen Aufzeichnung.[6]

An den Flanken des Kegelbergs konnten mit Hilfe der HiRISE-Kamera an Bord des Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter geschichtete Gesteinsablagerungen nachgewiesen werden, welche unterschiedliche Minerale enthalten. Direkt am Fuß des Berges wurden so zum Beispiel Tonminerale entdeckt, welche sich nur unter dem Einfluss von Wasser bilden konnten. Laut den spektroskopischen Messungen der verschiedenen Marsorbiter beinhalten diese Sedimentschichten neben Tonmineralien, verschiedene wasserhaltige Sulfate.[9]

Erforschung

Zahlreiche Kanäle sind in die Flanken des zentralen Kraterhügels erodiert und könnten so Zugriff auf den Schichten für weitergehende Studien geben. So war der Galekrater ein mögliches Ziel für die Mars Exploration Rover Mission der NASA im Jahre 2003 und einer der vier voraussichtlichen Landeplätze für die ESA-Mission ExoMars.

Am 22. Juli 2011 wurde bekanntgegeben, dass Gale als Landeplatz für den Marsrover Curiosity ausgewählt wurde. Die Landung erfolgte nach etwa neun Monaten Flug am 6. August 2012 um 5:31 UTC in der Kraterebene Aeolis Palus nordwestlich des Zentralbergs.[10] Man erwartet, in dem Krater verschiedene Sedimente und Gesteinsschichten untersuchen zu können. So soll unter anderem auch nach möglichen Spuren von Leben gesucht werden. Ebenso sind der geologische Aufbau des Mars sowie sein Klima genauer zu erforschen. Durch diese Mission werden auch neue Erkenntnisse bei der Vorbereitung zukünftiger bemannter Landungen auf dem Mars erwartet.[11]

Panoramabild Aeolis Mons

Panoramabild des Aeolis Mons, aufgenommen vom Rover Curiosity

Siehe auch

Weblinks

 <Lang> Commons: Gale-Krater – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Multimedia

Einzelnachweise

  1. Gale Crater’s History Book. Mars Odessy THEMIS, abgerufen am 6. August 2011 (englisch).
  2. Biographie Walter Frederick Gale. Abgerufen am 6. August 2011 (englisch).
  3. USGS: Three New Names Approved for Features on Mars. USGS. 16. Mai 2012. Abgerufen am 7. August 2012.
  4. IAU: Planetary Names: Mons, montes: Aeolis Mons on Mars. USGS. 16. Mai 2012. Abgerufen am 7. August 2012.
  5. Why there is no "Mount Sharp" on Mars (and why there can't be one)
  6. 6,0 6,1 http://themis.mars.asu.edu/feature/22 Gale Crater's History Book
  7. Hydrogeologic Evolution of Gale Crater and Its Relevance to the Exobiological Exploration of Mars (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive)
  8. http://www.agu.org/pubs/crossref/2005/2005JE002460.shtml An intense terminal epoch of widespread fluvial activity on early Mars: 2. Increased runoff and paleolake development
  9. http://www.raumfahrer.net/raumfahrt/curiosity/gale_krater.shtml Der Gale-Krater
  10. Mars-Rover Curiosity ist gelandet! Abgerufen am 6. August 2012.
  11. Mars Science Laboratory: Mission/Science. NASA/JPL, abgerufen am 6. August 2011 (englisch).

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
02.04.2021
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen. Sie werden zum Beispiel für die Vermessung des Schwerefelds der Erde eingesetzt oder um Gravitationswellen aufzuspüren. Weitere Raketenmissionen sollen folgen.
02.04.2021
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
25.03.2021
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
24.03.2021
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
24.03.2021
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
21.03.2021
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.
21.03.2021
Chromatischer Lichtteilcheneffekt für die Entwicklung photonischer Quantennetzwerke enthüllt
Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Entwicklung von Anwendungen der Quanteninformationsverarbeitung. In einem Schlüsselexperiment ist es gelungen, die bislang definierten Grenzen für Photonenanwendungen zu überschreiten.
18.03.2021
Stratosphärische Winde auf Jupiter erstmals gemessen
Mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) hat ein Team von Astronomen zum ersten Mal die Winde in der mittleren Atmosphäre des Jupiters direkt gemessen.
18.03.2021
Was Gravitationswellen über Dunkle Materie verraten
Die NANOGrav-Kollaboration hat kürzlich erste Hinweise auf sehr niederfrequente Gravitationswellen beobachtet.
18.03.2021
Filamente des kosmischen Netzwerks entdeckt
Einem internationalen Team von Astronominnen und Astronomen gelang zum ersten Mal die direkte Kartierung kosmischer Filamente im jungen Universum, weniger als zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Die Beobachtungen zeigen sehr leuchtschwache Galaxien, und geben Hinweise auf deren Vorfahren.
18.03.2021
Blaupausen für das Fusionskraftwerk
Am 21 März 1991 erzeugte die Experimentieranlage ASDEX Upgrade im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching das erste Plasma.
12.03.2021
Was die reflektierte Strahlung von Exoplaneten verraten könnte
Als 1995 der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems gefunden wurde, war das eine Sensation, die später mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt wurde.
12.03.2021
Theoretische Lösung für Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit
Wenn Reisen zu fernen Sternen innerhalb der Lebenszeit eines Menschen möglich sein sollen, muss ein Antrieb gefunden werden, der schneller als Lichtgeschwindigkeit ist.
12.03.2021
Quantenkontrolle mit Fernbedienung
Quantentechnologien basieren auf der präzisen Kontrolle des Zustands und der Wechselwirkung einzelner Quantenteilchen.
12.03.2021
Wie Gesteine die Bewohnbarkeit von Exoplaneten beeinflussen
Die Verwitterung von Silikatgesteinen trägt massgeblich dazu bei, dass auf der Erde ein gemässigtes Klima herrscht.
12.03.2021
Roboter lernen schneller mit Quantentechnologie
Künstliche Intelligenz ist Teil unseres modernen Lebens und eine entscheidende Frage für praktische Anwendungen ist, wie schnell solche intelligenten Maschinen lernen können.
11.03.2021
Mikroskopisch kleine Wurmlöcher als theoretische Möglichkeit
In vielen Science-Fiction-Filmen spielen Wurmlöcher eine wichtige Rolle – als Abkürzung zwischen zwei weit entfernten Orten des Weltalls.
09.03.2021
Das am weitesten entfernte Radio-Leuchtfeuer im frühen Universum
Quasare sind die hellen Zentren von Galaxien, die von schwarzen Löchern angetrieben werden, und aktiv Materie ansammeln.
06.03.2021
Eine nahe, glühend heiße Super-Erde
In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten haben Astronomen Tausende von Exoplaneten aus Gas, Eis und Gestein aufgespürt.
06.03.2021
Vulkane könnten den Nachthimmel dieses Planeten erhellen
Bisher haben Forschende keine Anzeichen auf globale tektonische Aktivität auf Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems gefunden.
03.03.2021
„Ausgestorbenes Atom“ lüftet Geheimnisse des Sonnensystems
Anhand des „ausgestorbenen Atoms“ Niob-92 konnten Forscherinnen Ereignisse im frühen Sonnensystem genauer datieren als zuvor.