Franco Rasetti

Franco Rasetti

Franco Dino Rasetti (* 10. August 1901 in Castiglione del Lago, Italien; † 5. Dezember 2001 in Waremme, Belgien) war ein italienischer Physiker.

Rasetti wurde 1901 in Castiglione del Lago geboren. Er war seit seiner Jugend hauptsächlich an Zoologie und Botanik interessiert. An der Universität Pisa begann er auf Wunsch des Vaters ein Ingenieurstudium, wechselte aber unter dem Einfluss von Enrico Fermi, mit dem er sich befreundete, zur Physik. 1922 wurde er in Pisa promoviert und danach Dozent an der Universität Florenz am Lehrstuhl von Antonio Garbasso (1871–1933), der damals Bürgermeister von Florenz war. In Florenz, wo er ebenfalls mit Fermi war, beschäftigte er sich mit Atomphysik. 1927 kam er an die Universität Rom als erster Assistent von Orso Mario Corbino (1876–1937), dem Professor für Experimentalphysik und Direktor des Physik-Instituts. Dort wirkte als zentrale Persönlichkeit einer eigenen Schule von Physikern Fermi, der auch dafür verantwortlich war, dass Rasetti nach Rom kam. 1928/29 war Rasetti am Caltech bei Robert A. Millikan, wo er über den gerade entdeckten Raman-Effekt arbeitete[1], was ihm internationale Anerkennung brachte. Er stieß in den Spektren auf Abweichungen von den theoretischen Vorhersagen, die später auf die Existenz des Neutrons im Atomkern zurückgeführt wurden (was die Teilchen-Statistik in einigen Atomkernen änderte im Vergleich zu der Annahme des Aufbaus nur aus Protonen und Elektronen, von Fermistatistik zu Bosestatistik oder umgekehrt). Am Caltech traf er auch Arnold Sommerfeld und Werner Heisenberg, mit dem er sich befreundete. Bald darauf wandte er sich der Kernphysik zu. Er war 1931/32 und 1934/35 im Labor von Otto Hahn und Lise Meitner in Berlin. 1934 wurde er Professor in Rom. 1939 ging er kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs an die Universität Laval in Kanada, wo er das Physik Institut gründete und über kosmische Strahlung arbeitete. Dort war Bruno Pontecorvo ein Jahr sein Assistent. Ein Angebot während des Krieges in der Gruppe um Hans von Halban an der Universität Montreal im Umfeld des britischen Teils des Manhattan Projects zu arbeiten, lehnte er ab (dort waren unter anderem George Placzek, Pontecorvo). In den 1940er und 1950er Jahren arbeitete er zum Beispiel über Neutronenphysik und Elementarteilchenphysik, wobei er die kosmische Höhenstrahlung nutzte und dabei als einer der ersten den Zerfall des Muons im Labor beobachtete. Im Jahr 1947 ging Rasetti als Professor an die Johns Hopkins University, wo er bis zu seiner Emeritierung 1970 blieb. Seit 1952 hatte er die US-Staatsbürgerschaft. Nach seiner Pensionierung 1970 ging er wieder nach Italien.

Rasetti befasste sich seit seiner Zeit mit Kanada auch mit Paläontologie und sammelte Trilobiten, zunächst von einer bekannten Fundstelle nahe Québec, wo er gleich neue Arten entdeckte. Er las die Werke von Charles Doolittle Walcott und knüpfte (auf einer Bergtour 1941 in British Columbia) Kontakte zum Trilobitenexperten Charles E. Resser vom Smithsonian. Er setzte seine Forschungen, bei denen er hunderte neue Arten entdeckte und auch die Klassifikation revidierte, später in den USA fort und brachte es auch auf diesem Gebiet zu hohem Ansehen: 1952 wurde ihm die Charles Doolittle Walcott Medal der National Academy of Sciences verliehen. 1964 wurde er ehrenamtlicher Mitarbeiter (Honorary Research Associate) des Smithsonian. Er stiftete seine ganze Sammlung (insgesamt rund 50.000 Exemplare) dem Smithsonian und dem Canadian Museum of Nature und die aus seiner späteren Sammler- und Forschungstätigkeit im Südwesten Sardiniens dem Museum des Geologischen Dienstes Italiens in Rom. Nun ein Exemplar behielt er, das vollständig erhalten war (was selten ist) und vom Mount Stephen in British Columbia stammte.

Rasetti sammelte außerdem seit seiner Jugend Käfer und war später ein Experte für in Italien und den Alpen heimische Orchideen. Sein Interesse für Botanik erwachte schon an der Johns Hopkins University. Er war auch ein passionierter Bergsteiger, einem Hobby dem er zum Beispiel mit dem mit ihm befreundeten Fritz Zwicky in Kalifornien nachgegangen war. Im Jahr 2001 starb er 100-jährig in Waremme, Belgien, seinem letzten Wohnort.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rasetti Raman effect in gases, Nature Band 123, 1929, S. 205. Rasetti On the Raman effect in diatomic gases, Proc. Nat. Acad. Sci., Band 15, 1929, S. 234, 515

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