Canopus

Canopus

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Canopus (Begriffsklärung) aufgeführt.
{#if:1| }}
Stern
Canopus (α Carinae)
StarArrowOL.svg
Carina constellation map.png
Beobachtungsdaten
ÄquinoktiumJ2000.0, Epoche: J2000.0
Sternbild Kiel des Schiffs
Rektaszension 06h 23m 57,11s [1]
Deklination -52° 41′ 44,4″ [1]
Scheinbare Helligkeit −0,62 mag [1]
Typisierung
Spektralklasse F0 Ib [1]
B−V-Farbindex +0,15 [2]
U−B-Farbindex +0,10 [2]
R−I-Index +0,18 [2]
Astrometrie
Radialgeschwindigkeit (+20,3 ± 0,5) km/s [3]
Parallaxe (10,55 ± 0,56) mas [4]
Entfernung [4] (309 ± 16) Lj
(95 ± 5) pc
Visuelle Absolute Helligkeit Mvis −5,5 mag [5]
Eigenbewegung [4]
Rek.-Anteil: (+19,93 ± 0,52) mas/a
Dekl.-Anteil: (+23,24 ± 0,69) mas/a
Physikalische Eigenschaften
Masse ~ 15 M
Radius 71,4 R [6]
Leuchtkraft

13.800 L

Oberflächentemperatur 7.500 K
Rotationsdauer 135 Tage
Andere Bezeichnungen
und Katalogeinträge
Bayer-Bezeichnungα Carinae
Córdoba-DurchmusterungCD −52° 1541
Bright-Star-Katalog HR 2326 [1]
Henry-Draper-KatalogHD 45348 [2]
Hipparcos-KatalogHIP 30438 [3]
SAO-KatalogSAO 234480 [4]
Tycho-KatalogTYC 8534-2277-1[5]
Weitere BezeichnungenSuhail • Suhel • CPD -52° 914
Aladin previewer

Canopus (α Carinae) ist der hellste Stern im Sternbild Kiel des Schiffs. Er ist nach Sirius der zweithellste Stern am Nachthimmel, steht aber so weit südlich, dass er von Mitteleuropa aus nicht zu sehen ist. Lediglich vom südlichsten Teil Europas (Gibraltar, Malta, Kreta) aus kann er beobachtet werden. Aufgrund seiner Stellung nahe dem Südpol der Ekliptik und seiner großen Helligkeit dient er vielen Raumflugkörpern als Leitstern.

Name

„Alpha Carinae“ ist eine Bezeichnung nach der Bayer-Klassifikation. Alpha (α) ist der erste Buchstabe des griechischen Alphabets, und Carinae (der Genitiv zu lat. Carina, der Schiffskiel) zeigt die Zugehörigkeit zum Sternbild Kiel des Schiffs an.

Benannt wurde Canopus nach einem Schiffssteuermann in Diensten des mythischen Königs Menelaos, siehe Kanopus (Ägyptische Mythologie). Die arabischen Bezeichnungen Suhail oder Suhel (stattlich, leuchtend, prachtvoll, unbekümmert, mühelos, ruhig) sind weniger gebräuchlich und konnten sich nicht durchsetzen, da auch andere Sterne wie Gamma Velorum oder Suhail diesen Namen tragen.

Der Stern ist Namensgeber für den Mount Canopus, ein Berg in der Antarktis.

Physikalische Eigenschaften

Entfernungsmessungen für den Stern schwankten zunächst zwischen 96 und 1.200 Lichtjahren. Damit hätte Canopus einer der energiereichsten Sterne der Milchstraße sein können. Mit dem 1989 in den Erdumlauf gebrachten Weltraumteleskop Hipparcos wurde durch Messung der Parallaxe eine Entfernung von ca. 310 Lichtjahren ermittelt.

Canopus, aufgenommen von der ISS-Expedition 6.

Die Schwierigkeiten bei der Messung ergaben sich aus Canopus’ ungewöhnlicher Spektralklasse F0II. Sterne dieser Klasse sind selten und nur in geringem Maße verstanden, da man nicht weiß, ob sie sich in der Entwicklung hin zu einem roten Riesen oder wieder davon weg zu einem anderen Stadium befinden.[7] Das macht es schwer, die Entfernung aufgrund der Helligkeit intrinsisch abzuschätzen. Somit war die Parallaxenbestimmung mit Satellitenunterstützung der einzige Weg, den Abstand korrekt zu messen.

Canopus ist 14.000 mal leuchtstärker als die Sonne und der hellste Stern in einer Umgebung von 700 Lichtjahren. An Helligkeit am Nachthimmel wird er nur von Sirius übertroffen, der aber lediglich 8,6 Lichtjahre entfernt ist. Sein Durchmesser konnte mittels optischer Interferometrie am Very Large Telescope der ESO zu 71,4 Sonnendurchmessern bestimmt werden; daraus ergibt sich eine Oberflächentemperatur von etwa 7500 K.[6] Wäre der Stern das Zentrum des Sonnensystems, so würde sein Radius mehr als drei Viertel des Abstands von Merkur zur Sonne betragen. Ein Planet mit erdähnlichen Temperatur- und Klimaverhältnissen müsste einen etwa dreimal so großen Bahnradius um Canopus einnehmen wie Pluto um die Sonne.[7]

Canopus in der Literatur

In dem von Frank Herbert verfassten Science-Fiction-Romanzyklus Dune (dt. Der Wüstenplanet) ist Canopus der Zentralstern des Planeten Arrakis, auf dem der Hauptteil der Handlung spielt.

In Friedrich Dürrenmatts Novelle Der Auftrag taucht der Stern Canopus im 23. Kapitel als Hoffnungsträger der Protagonistin F. auf. Des Weiteren wird er namentlich im Psalm Salomos, den Weltraumfahrern zu singen im Drama Die Physiker erwähnt.

In Doris Lessings Romanzyklus Canopus im Argos: Archive ist Canopus (neben Sirius und Puttiora) der Herrschaftssitz eines der drei Sternenreiche.

Hafenstadt Kanopus

Die antike Stadt Kanopus im Nildelta in Ägypten liegt südlich des Breitengrads 32° Nord. Diese Lage zeichnet sich durch folgenden Effekt aus: Kommt man per Schiff aus dem Norden, von Griechenland her und nähert sich der damals bedeutenden Hafenstadt Kanopus an, so steigt Canopus (passende Tageszeit je nach Jahreszeit sei vorausgesetzt) ausreichend hoch über den Horizont, um als zweithellster Stern am Himmel sichtwirksam zu werden.[8]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Hipparcos-Katalog (ESA 1997)
  2. 2,0 2,1 2,2 Bright Star Catalogue
  3. Pulkovo radial velocities for 35493 HIP stars
  4. 4,0 4,1 4,2 Hipparcos, the New Reduction (van Leeuwen, 2007)
  5. Schätzung anhand der scheinbaren Helligkeit und der Entfernung
  6. 6,0 6,1 A. Domiciano de Souza et al: Diameter and photospheric structures of Canopus from AMBER/VLTI interferometry. In: Astronomy and Astrophysics. Band 489, 2008, S. L5-L8, doi:10.1051/0004-6361:200810450.
  7. 7,0 7,1 Kaler, J.B.: The Hundred Greatest Stars. Springer, 2002, ISBN 0387954368, S. 37.
  8. http://oe1.orf.at/programm/286344

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


04.05.2021
Handfeste Hinweise auf neue Physik
Das Fermilab (USA) hat heute erste Daten aus dem Myon g-2 Experiment veröffentlicht, welche die Messwerte des gleichnamigen, 2001 durchgeführten Experiments am Brookhaven National Laboratory bestätigen.
04.05.2021
Neuer Exoplanet um jungen sonnenähnlichen Stern entdeckt
Astronomen aus den Niederlanden, Belgien, Chile, den USA und Deutschland bilden neu entdeckten Exoplaneten „YSES 2b“ direkt neben seinem Mutterstern ab.
07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
02.04.2021
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen. Sie werden zum Beispiel für die Vermessung des Schwerefelds der Erde eingesetzt oder um Gravitationswellen aufzuspüren. Weitere Raketenmissionen sollen folgen.
02.04.2021
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
25.03.2021
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
24.03.2021
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
24.03.2021
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
21.03.2021
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.
21.03.2021
Chromatischer Lichtteilcheneffekt für die Entwicklung photonischer Quantennetzwerke enthüllt
Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Entwicklung von Anwendungen der Quanteninformationsverarbeitung. In einem Schlüsselexperiment ist es gelungen, die bislang definierten Grenzen für Photonenanwendungen zu überschreiten.
18.03.2021
Stratosphärische Winde auf Jupiter erstmals gemessen
Mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) hat ein Team von Astronomen zum ersten Mal die Winde in der mittleren Atmosphäre des Jupiters direkt gemessen.
18.03.2021
Was Gravitationswellen über Dunkle Materie verraten
Die NANOGrav-Kollaboration hat kürzlich erste Hinweise auf sehr niederfrequente Gravitationswellen beobachtet.
18.03.2021
Filamente des kosmischen Netzwerks entdeckt
Einem internationalen Team von Astronominnen und Astronomen gelang zum ersten Mal die direkte Kartierung kosmischer Filamente im jungen Universum, weniger als zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Die Beobachtungen zeigen sehr leuchtschwache Galaxien, und geben Hinweise auf deren Vorfahren.
18.03.2021
Blaupausen für das Fusionskraftwerk
Am 21 März 1991 erzeugte die Experimentieranlage ASDEX Upgrade im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching das erste Plasma.
12.03.2021
Was die reflektierte Strahlung von Exoplaneten verraten könnte
Als 1995 der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems gefunden wurde, war das eine Sensation, die später mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt wurde.
12.03.2021
Theoretische Lösung für Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit
Wenn Reisen zu fernen Sternen innerhalb der Lebenszeit eines Menschen möglich sein sollen, muss ein Antrieb gefunden werden, der schneller als Lichtgeschwindigkeit ist.
12.03.2021
Quantenkontrolle mit Fernbedienung
Quantentechnologien basieren auf der präzisen Kontrolle des Zustands und der Wechselwirkung einzelner Quantenteilchen.
12.03.2021
Wie Gesteine die Bewohnbarkeit von Exoplaneten beeinflussen
Die Verwitterung von Silikatgesteinen trägt massgeblich dazu bei, dass auf der Erde ein gemässigtes Klima herrscht.
12.03.2021
Roboter lernen schneller mit Quantentechnologie
Künstliche Intelligenz ist Teil unseres modernen Lebens und eine entscheidende Frage für praktische Anwendungen ist, wie schnell solche intelligenten Maschinen lernen können.
11.03.2021
Mikroskopisch kleine Wurmlöcher als theoretische Möglichkeit
In vielen Science-Fiction-Filmen spielen Wurmlöcher eine wichtige Rolle – als Abkürzung zwischen zwei weit entfernten Orten des Weltalls.
09.03.2021
Das am weitesten entfernte Radio-Leuchtfeuer im frühen Universum
Quasare sind die hellen Zentren von Galaxien, die von schwarzen Löchern angetrieben werden, und aktiv Materie ansammeln.
06.03.2021
Eine nahe, glühend heiße Super-Erde
In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten haben Astronomen Tausende von Exoplaneten aus Gas, Eis und Gestein aufgespürt.