Alexander Markowitsch Poljakow

Alexander Markowitsch Poljakow

Alexander Markowitsch Poljakow (russisch Александр Маркович Поляков, wiss. Transliteration Aleksandr Markovič Poljakov, auf Englisch als Polyakov geschrieben; * 27. September 1945 in Moskau) ist ein russischer Physiker.

Leben und Werk

Poljakow studierte in Moskau und forschte danach am Landau-Institut in Moskau, wo er 1969 promovierte. 1969 bis 1989 war er Professor für Physik am Landau-Institut. Seit 1989 ist er Professor an der Princeton University, ab 1999 als Joseph Henry Professor of Physics.

Mit seinem Freund Alexander Arkadjewitsch Migdal bestand er 1961 noch als Schüler die Eingangsprüfung für das Theoretische Minimum bei Lew Landau persönlich, der wenig später seinen schweren Autounfall hatte. Mit A. A. Migdal entdeckte er 1964 in der Sowjetunion unabhängig das Higgs-Phänomen, worüber sie auch 1966 veröffentlichten, allerdings keinerlei Widerhall fanden, da in der damals in der Sowjetunion dominierenden Landau-Schule Quantenfeldtheorie nicht mehr Ernst genommen wurde.[1]

Poljakow leistete mehrere wichtige Beiträge zur Quantenfeldtheorie, unter anderem arbeitete er auf dem Gebiet der nicht-abelschen Eichtheorie (Yang-Mills-Theorie), wo er 't Hooft-Polyakov-Monopol Lösungen einführte (1974, auch Gerard 't Hooft arbeitete unabhängig auf diesem Gebiet). Mit Belawin, Schwarz und Juri Tjupkin fand er 1975 die Instantonlösungen in Yang-Mills-Theorien. Außerdem forscht er auf dem Gebiet der Konformen Feldtheorie und Stringtheorie. 1984 veröffentlichte er mit Alexander Belawin und Alexander Samolodtschikow eine fundamentale Arbeit über konforme Feldtheorien und ihre Klassifizierung.

Die Polyakov-Wirkung in der Stringtheorie ist nach ihm benannt. Mit ihr führte Poljakow 1981 eine Wegintegral-Quantisierung der Strings durch.

Er fand als erster die Korrespondenz von Strings im 5-dimensionalen Anti-DeSitter-Raum (Holografisches Prinzip) und 4-dimensionalen supersymmetrischen Yang-Mills-Theorien. Im Sinne der „Holographie“ wird so mit einer Feldtheorie auf einer Oberfläche die Physik im von ihr eingeschlossenen Volumen beschrieben (in einem Aufsatz von Poljakov „Wall of the Cave“ in Anspielung auf Platons Höhlengleichnis genannt).

Weiter beschäftigt er sich mit Turbulenz (Anwendung konformer Feldtheorie), mit Stringtheorie-Kosmologie und dem Quark-Confinement Problem in der Quantenchromodynamik, das er ebenfalls als im String-Bild behandelt, nachdem er in den 1970er Jahren schon als einer der ersten topologische Erklärungen für dieses wichtige Problem suchte, u.a. über die von ihm eingeführten Instantonen. In den 1970er Jahren zeigte er, dass „Instanton-Flüssigkeiten“ in der dreidimensionalen (zwei Raum, eine Zeitdimension) kompakten[2] Quantenelektrodynamik (QED) für das Confinement verantwortlich sind[3]. Auch untersuchte er die Anwendung der Konzepte konformer Feldtheorie/Stringtheorie in der statistischen Mechanik (Hochtemperatursupraleiter u.a.), z.B. in seinem Buch Gauge fields and strings.

1986 wurde ihm die Dirac-Medaille (ICTP) und der Dannie-Heineman-Preis für mathematische Physik, 1994 die Lorentz-Medaille verliehen. 2004 erhielt er, zusammen mit Alexander Andrejew, den Pomerantschuk-Preis des Moskauer Instituts für Theoretische und Experimentelle Physik. Im Jahre 2010 wurde ihm der Harvey-Preis des Technion Instituts in Haifa/Israel zugesprochen. 1991 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, seit 2005 ist er Mitglied der National Academy of Sciences. 2011 erhielt er mit Samolodtschikow und Belawin den Lars-Onsager-Preis. 2013 erhielt er den Physics Frontiers Prize und den Fundamental Physics Prize.

Literatur

  • Polyakov Gauge fields and strings, Harwood Academic Publishers, 1987
  • ders. Quark confinement and topology of gauge fields, Nuclear Physics B, Bd.120, 1977, S.429-458
  • ders. Particle spectrum in Quantum Field Theory, JETP Letters, Bd. 20, 1974, S.194 (t´Hooft- Polyakov Monopol)
  • ders., Belavin, A.Schwarz, Tyupkin Pseudoparticle solutions of Yang-Mills equations, Physics Letters B, Bd. 59, 1975, S.82 (Instantonen)
  • ders. Quantum geometry of the bosonic string, Physics Letters B, Bd. 103, 1981, S.207 (Polyakov Wirkung, Wegintegralquantisierung String)
  • ders. Quantum geometry of the fermionic string, Physics Letters B, Bd. 103, 1981, S.211 (Polyakov Wirkung, Wegintegralquantisierung String)
  • ders., Belavin, Zamolodchikov Infinite conformal symmetry in two-dimensional quantum field theory, Nuclear Physics B, Bd.241, 1984, S.333-380 (konforme Feldtheorie), als preprint online hier:KISS (KEK Information Service System) for Preprints using WWW-SQL interface
  • ders., Gubser, Klebanov Gauge theory correlators from non critical string theory, Physics Letters B, Bd.428, 1998, S.105-114, online hier: Gauge Theory Correlators from Non-Critical String Theory
  • ders. 2 dimensional quantum gravity and superconductivity at high $ T_{c} $, Les Houches Lectures Bd. 49, 1988
  • ders. A view from the island, in Hoddeson u.a. (Hrsg.) The rise of the Standard Model, Cambridge University Press 1997

Siehe auch

  • AdS/CFT

Weblinks

Einige Preprints in denen er einen Überblick über seine Arbeiten und seine Sicht gibt:

Anmerkungen

  1. Alexander Migdal, Erinnerungen
  2. das heißt die QED-Eichgruppe U(1) ist periodisch, die entsprechenden Phasen werden modulo $ 2 \pi $ identifiziert
  3. Polyakov Quark confinement and topology of gauge fields, Nuclear Physics B, Bd.120, 1977, S.429-58, Compact gauge fields and the infrared catastrophe, Physics Letters B, Bd. 59, 1975, S.82

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


28.01.2021
KI für die Raumfahrt
Ob der eigenwillige HAL 9000 bei Odyssee im Weltraum, der dezent agierende „Computer“ der Enterprise oder die nüchtern-sarkastischen TARS und CASE in Interstellar – in der Science-Fiction wird die Exploration des Weltraums seit jeher von Künstlicher Intelligenz begleitet.
28.01.2021
Extrem hochfrequentes Zwitschern vermessen
In einem neuen Verfahren vermag ein ultraschneller Plasmaschalter Teile hochfrequenter Lichtblitze zeitlich abzuschneiden.
28.01.2021
Die Geburtsstätten von Planeten der kleinsten Sterne
Seit kurzem finden Wissenschaftler in den Scheiben um junge Sterne ringförmige Strukturen, die auf Planetenbildung hindeuten.
27.01.2021
Aus Weiß wird (Extrem)-Ultraviolett
Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie (MBI) haben eine neue Methode entwickelt, um die spektrale Breite von extrem-ultraviolettem (XUV) Licht zu modifizieren.
27.01.2021
Neue Möglichkeiten bei Suche nach kalter dunkler Materie
Das Baryon-Antibaryon-Symmetrie-Experiment (BASE) am Antiprotonen-Entschleuniger des CERN hat neue Grenzen für die Masse von Axion-ähnlichen Teilchen – hypothetischen Teilchen, die Kandidaten für dunkle Materie sind – festgelegt und eingeschränkt, wie leicht sie sich in Photonen, die Teilchen des Lichts, verwandeln können.
25.01.2021
Weltraumteleskop findet einzigartiges Planetensystem
Das Weltraumteleskop CHEOPS entdeckt sechs Planeten, die den Stern TOI-178 umkreisen.
25.01.2021
Ladungsradien der Quecksilberkerne 207Hg und 208Hg wurden erstmals vermessen
Was hält Atomkerne im Innersten zusammen? Das können Physikerinnen und Physiker anhand von Präzisionsmessungen des Gewichts, der Größe und der Form von Atomkernen erkennen.
25.01.2021
Physiker erzeugen und leiten Röntgenstrahlen simultan
Röntgenstrahlung ist meist ungerichtet und schwer zu leiten.
25.01.2021
Optimale Information über das Unsichtbare
Wie vermisst man Objekte, die man unter gewöhnlichen Umständen gar nicht sehen kann? Universität Utrecht und TU Wien eröffnen mit speziellen Lichtwellen neue Möglichkeiten.
23.01.2021
Physiker filmen Phasenübergang mit extrem hoher Auflösung
Laserstrahlen können genutzt werden, um die Eigenschaften von Materialien gezielt zu verändern.
23.01.2021
Die Entstehung des Sonnensystems in zwei Schritten
W
23.01.2021
Die Entstehung erdähnlicher Planeten unter der Lupe
Innerhalb einer internationalen Zusammenarbeit haben Wissenschaftler ein neues Instrument namens MATISSE eingesetzt, das nun Hinweise auf einen Wirbel am inneren Rand einer planetenbildenden Scheibe um einen jungen Stern entdeckt hat.
20.01.2021
Älteste Karbonate im Sonnensystem
Die Altersdatierung des Flensburg-Meteoriten erfolgte mithilfe der Heidelberger Ionensonde.
20.01.2021
Einzelnes Ion durch ein Bose-Einstein-Kondensat gelotst.
Transportprozesse in Materie geben immer noch viele Rätsel auf.
20.01.2021
Der Tanz massereicher Sternenpaare
Die meisten massereichen Sterne treten in engen Paaren auf, in denen beide Sterne das gemeinsame Massenzentrum umkreisen.
20.01.2021
Sonnenaktivität über ein Jahrtausend rekonstruiert
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der ETH Zürich hat aus Messungen von radioaktivem Kohlenstoff in Baumringen die Sonnenaktivität bis ins Jahr 969 rekonstruiert.
20.01.2021
Forschungsteam stoppt zeitlichen Abstand von Elektronen innerhalb eines Atoms
Seit mehr als einem Jahrzehnt liefern Röntgen-Freie-Elektronen-Laser (XFELs) schon intensive, ultrakurze Lichtpulse im harten Röntgenbereich.
20.01.2021
Welche Rolle Turbulenzen bei der Geburt von Sternen spielen
Aufwändige und in diesem Umfang bis dahin noch nicht realisierte Computersimulationen zur Turbulenz in interstellaren Gas- und Molekülwolken haben wichtige neue Erkenntnisse zu der Frage gebracht, welche Rolle sie bei der Entstehung von Sternen spielt.
20.01.2021
Wie Aerosole entstehen
Forschende der ETH Zürich haben mit einem Experiment untersucht, wie die ersten Schritte bei der Bildung von Aerosolen ablaufen.
13.01.2021
Schnellere und stabilere Quantenkommunikation
Einer internationalen Forschungsgruppe ist es gelungen, hochdimensionale Verschränkungen in Systemen aus zwei Photonen herzustellen und zu überprüfen. Damit lässt sich schneller und sicherer kommunizieren, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen.
12.01.2021
Elektrisch schaltbares Qubit ermöglicht Wechsel zwischen schnellem Rechnen und Speichern
Quantencomputer benötigen zum Rechnen Qubits als elementare Bausteine, die Informationen verarbeiten und speichern.
12.01.2021
ALMA beobachtet, wie eine weit entfernte kollidierende Galaxie erlischt
Galaxien vergehen, wenn sie aufhören, Sterne zu bilden.
11.01.2021
Umgekehrte Fluoreszenz
Entdeckung von Fluoreszenzmolekülen, die unter normalem Tageslicht ultraviolettes Licht aussenden.
11.01.2021
Weyl-Punkten auf der Spur
Ein Material, das leitet und isoliert – gibt es das? Ja, Forschende haben erstmals 2005 sogenannte topologische Isolatoren beschrieben, die im Inneren Stromdurchfluss verhindern, dafür aber an der Oberfläche äußerst leitfähig sind.
11.01.2021
MOONRISE: Schritt für Schritt zur Siedlung aus Mondstaub
Als Bausteine sind sie noch nicht nutzbar – aber die mit dem Laser aufgeschmolzenen Bahnen sind ein erster Schritt zu 3D-gedruckten Gebäuden, Landeplätzen und Straßen aus Mondstaub.