Albrecht Unsöld

Albrecht Unsöld

Albrecht Otto Johannes Unsöld (* 20. April 1905 in Bolheim (Württemberg); † 23. September 1995) war ein deutscher Astrophysiker mit prägendem Einfluss auf die Physik der Sternatmosphären.

Leben und Werk

Unsöld war Sohn eines Pfarrers und studierte Physik in Tübingen und München, wo Arnold Sommerfeld Theoretische Physik und insbesondere Quantenmechanik lehrte. Dort schloss er 1927 seine Dissertation Beiträge zur Quantenmechanik der Atome ab. Während seines Studiums wurde er Mitglied der AMV Stochdorphia Tübingen.[1] Nach Aufenthalten in Potsdam, München, Pasadena und Hamburg wurde er 1932 Professor und Direktor des Instituts für Theoretische Physik an der Universität Kiel. 1958/59 war er ihr Rektor.[2] 1973 wurde er emeritiert.

Schon früh begann Unsöld, quantenphysikalische Methoden auf die Untersuchung von Sternatmosphären anzuwenden. Er gewann die ersten detaillierten Analysen von Sternatmosphären und ihrer Elementhäufigkeiten und beschrieb Entstehung und Verbreiterung von Linien in den Spektren der Sonne und anderer Sterne. Unsölds Analyse des Spektrums des B0-Sterns Tau Scorpii, aufgenommen 1939 bei einem Besuch der Yerkes- und McDonald-Observatorien, lieferte die erste detaillierte Analyse eines Sterns außer der Sonne. Unsöld und seine Kieler Schule erarbeiteten wesentliche Grundlagen der Bestimmung der physikalischen Bedingungen in Sternatmosphären.

Neben seinem einflussreichen Werk über die Physik der Sternatmosphären und dem Standardlehrbuch der Astronomie Der neue Kosmos, gab er die Zeitschrift für Astrophysik heraus, bis sie mit anderen europäischen Zeitschriften in die Astronomy and Astrophysics verschmolz.

1951 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Bayerischen[3] und 1955 der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[4] 1962 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[5] Seit 1946 war er Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft.

Auszeichnungen

  • 1943 Kopernikus-Preis der Universität Königsberg[6]
  • 1956 Bruce Medal
  • 1957 Goldmedaille der Royal Astronomical Society
  • 1973 Cothenius-Medaille der Leopoldina[7]
  • 1988 Namensgeber für den Asteroiden (2842) Unsöld[8]

Werke (Auswahl)

  • Physik der Sternatmosphären, mit besonderer Berücksichtigung der Sonne. Springer, Berlin 1938.
  • Der neue Kosmos. Springer, Berlin 1967.
  • Evolution kosmischer, biologischer und geistiger Strukturen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1981.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Verband Alter SVer (VASV): Anschriftenbuch und Vademecum. Ludwigshafen am Rhein 1959, S. 125.
  2. Univ. Kiel
  3. Albrecht Unsöld Nachruf von Arnulf Schlüter im Jahrbuch 1996 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (PDF-Datei).
  4. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 244.
  5. Mitgliedseintrag von Albrecht Unsöld (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 18. Juni 2016.
  6. Nachrichtenblatt der Deutschen Wissenschaft und Technik, Organ des Reichsforschungsrates (Hrsg.): Forschungen und Fortschritte. Personalnachrichten. Auszeichnungen. Band 19, 23/24, 1943, S. 252.
  7. siehe Seite der Leopoldina mit den Preisträgern der Cothenius-Medaille
  8. Minor Planet Circ. 12969

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