Achterdeck des Schiffs

Achterdeck des Schiffs

Sternbild
Achterdeck des Schiffs
Legende
Puppis constellation map.png
Karte des Sternbilds Achterdeck des Schiffs
Lateinischer Name Puppis
Lateinischer Genitiv Puppis
Kürzel Pup
Rektaszension 602006h 02m 00s bis 827588h 27m 58s
Deklination 1489391−51° 06′ 09″ bis 1888492−11° 15′ 08″
Fläche 673 deg²
Rang 20
Voll­stän­dig sicht­bar 39° Nord bis 90° Süd
Beob­achtungs­zeit für Mittel­europa Winter
(teilweise)
Anzahl der Sterne heller als 3 mag 4
Hellster Stern (Größe) Naos (2,11 - 2,17)
Meteorströme

Pi-Puppiden
Puppiden-Veliden

Nachbarsternbilder
(von Norden im
Uhrzeigersinn)
Quellen IAU,

Das Achterdeck des Schiffs (lateinisch Puppis), auch Hinterdeck des Schiffes[1] oder Hinterteil des Schiffes[2] genannt, ist ein Sternbild des Südhimmels.

Beschreibung

Das Sternbild Puppis, wie es mit dem bloßen Auge gesehen werden kann

Das Achterdeck ist ein ausgedehntes Sternbild westlich und südlich des Großen Hundes (Canis Major). Vier seiner Sterne sind heller als die 3. Größenklasse.

Durch den westlichen Teil zieht sich das Band der Milchstraße, daher findet man im Achterdeck mehrere offene Sternhaufen, wie M46, M47 und M93.

Aufgrund seiner Lage kann das Sternbild von Europa aus vollständig nur im äußersten Süden gesehen werden (Südspanien, Sizilien, Peloponnes). Von Mitteleuropa aus steigt das Sternbild bis etwas südlich zur Mitte.

Geschichte

Das Achterdeck des Schiffs ist Teil des antiken Sternbildes Argo Navis, das zu den 48 von Ptolemäus beschriebenen Sternbildern gehörte.

Der französische Astronom Lacaille unterteilte das sehr ausgedehnte und unübersichtliche Sternbild im Jahre 1763 in die Sternbilder Kiel des Schiffs (Carina), Segel des Schiffs (Vela) und Achterdeck. Dabei wurden die ursprünglichen Sternbezeichnungen beibehalten, so dass jeder griechische Buchstabe in den drei Sternbildern nur einmal vorkommt. Daher gibt es einen Stern α Carinae (Canopus), jedoch keine Sterne α Puppis oder α Velorum.

Der Niederländer Petrus Plancius, der für seine Sternbilder meist christliche Motive verwandte, schlug für die Sterne zwischen dem Achterdeck und dem Großen Hund das Sternbild Gallus (Hahn) vor. Es sollte den Hahn darstellen, dessen Krähen Jesus Christus zeigte, dass sein Jünger Petrus ihn dreimal verraten hatte. Das Sternbild setzte sich jedoch nicht durch.

Mythologie

Argo Navis war in der griechischen Mythologie das Schiff des Jason und seiner Gefährten, den Argonauten, die das goldene Vlies, ein goldfarbenes Widderfell suchten. Jason, Sohn des Königs Aison von Thessalien war von seinem Halbbruder Pelias um die Thronfolge gebracht worden. Jason sollte den Thron wieder erhalten, wenn er Pelias das goldene Vlies brachte – eine schier unlösbare Aufgabe, da das sagenhafte Fell in einem heiligen Hain in Kolchis von einem todbringenden Drachen bewacht wurde. Mit Hilfe der Königstochter Medea gelangte Jason jedoch in den Besitz des Fells. Das Schiff Argo und das Vlies wurden in den Himmel versetzt, Letzteres als Sternbild Widder.

Im alten Ägypten war die Konstellation ebenfalls ein Schiff, mit dem ihr Gott Osiris fuhr.

Himmelsobjekte

Sterne

B F Namen o. andere Bezeichnungen Größe Lj Spektralklasse
106ζ Naos, Suhail Hadar 2,21m ca. 1100 O5 IAf
116π Pi Puppis 2,7m ca. 800 K3 Ib
117ρ 15 Rho Puppis 2,83m 64 F6 IIp
119τ Tau Puppis 2,94m 182 K1 III
113ν Ny Puppis 3,17m ca. 400 B8 III
118σ Hadir 3,25m ca. 194 K5 III
114ξ 7 Azmidiske (Aspidiske) 3,34m ca. 1200 G6 Ia
2cc c Puppis 3,6m ca. 1000 K5 IIa + ca. B9
3aa 3,7m ca. 350 K1-2 II + A0
2ll 3 HD 62623 3,9m A2 Iab
3PP HD 63922 4,1m B0 III
2jj 11 4,2m F7 + F8 II
3JJ 4,2m B0.5 Ib
115ο Omikron Puppis 4,4m B1 IV:nne
4– 16 4,4m B5 V

Der hellste Stern ζ Puppis ist ein extrem leuchtkräftiger Überriese der Spektralklasse O5 in 1100 Lichtjahren Entfernung. Er besitzt etwa die 60fache Masse, den 40fachen Durchmesser und die 790.000fache bolometrische Leuchtkraft unserer Sonne. Sein Eigenname Naos stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Schiff“.

Doppelsterne

System Größen Abstand
116π
114ξ 3,3 / 5,3m 288"
2kk 4,5 / 4,8m 9,9"
2nn 5,8 / 5,9m 9,7"
113ν 4,7 / 5,1m 240"

π Puppis, der zweithellste Stern, ist ein Doppelsternsystem, in rund 800 Lichtjahren Entfernung. Es handelt sich um einen orange leuchtenden Überriesen, der von einem weiß leuchtenden Stern begleitet wird.

Das System ξ Puppis ist ca. 1200 Lichtjahre entfernt und besteht aus zwei Sternen der Spektralklassen G3 und G0. Aufgrund ihres weiten Winkelabstandes von 288 Bogensekunden können sie bereits mit einem Prismenfernglas beobachtet werden.

Bei k Puppis handelt es sich um einen optischen Doppelstern, gebildet von HR 2948 (k1) und HR 2949 (k2).

Veränderliche Sterne

Stern Größe Periode Typ
3L2L2 2,6m bis 7,54m 140,6 Tage Halbregelmäßig Veränderlicher
4RSRS 7,0m (Spektralklasse: F8Iab) 41,4 Tage Cepheiden

L2 Puppis ist ein 198 Lichtjahre entfernter Halbregelmäßig Veränderlicher Stern, der seine Helligkeit über einen Zeitraum von etwa 140 Tagen ändert. Er ist ein rötlicher Stern der Spektralklassen M5IIIe−M6IIIe. Während des Maximums ist er auffällig hell, im Minimum kann er unter günstigen Sichtbedingungen gerade noch mit bloßem Auge wahrgenommen werden.

RS Puppis ist ein veränderlicher Riesenstern vom Typ der Delta-Cepheiden und der einzige bekannte dieses Typs, der in einen aus feinem Staub bestehenden Reflexionsnebel eingebettet ist. Durch diesen Nebel konnte seine Entfernung sehr genau bestimmt werden zu 6500±90 Lichtjahren. Er ist etwa 200-mal größer, 10-mal schwerer und 15.000-mal leuchtstärker als unsere Sonne.[3]

Messier- und NGC-Objekte

Messier (M) NGC sonstige Größe Typ Name
46 2437 6,5m Offener Sternhaufen
47 2422 4,5m Offener Sternhaufen
93 2447 6,5m Offener Sternhaufen
2298 9,3m Kugelsternhaufen
2423 6,5m Offener Sternhaufen
2438 10,5m Planetarischer Nebel
2451 3,0m Offener Sternhaufen
2477 6,0m Offener Sternhaufen
2539 6,5m Offener Sternhaufen
2546 6,5m Offener Sternhaufen

Im Achterdeck befindet sich eine Reihe von Offenen Sternhaufen. Drei nahm der französische Astronom und Kometenjäger Charles Messier in seinen Katalog nebliger Objekte (Messierkatalog) auf.

M 46 ist ein Sternhaufen in ca. 6000 Lichtjahren Entfernung. Im Teleskop wird eine Vielzahl von Sternen sichtbar.

Im nördlichen Teil von M 46 sieht man im Teleskop den Planetarischen Nebel NGC 2438, die abgestoßene Gashülle eines Sterns. Der Nebel gehört allerdings nicht zu dem Sternhaufen, da er mit einer Entfernung von 4000 Lichtjahren wesentlich näher ist.

M 47 ist ca. 1800 Lichtjahre entfernt. Er ist bereits mit bloßem Auge als nebliges Fleckchen erkennbar. Bei niedriger Vergrößerung bietet er im Teleskop einen sehr schönen Anblick. Es handelt sich um einen relativ jungen Sternhaufen mit leuchtkräftigen bläulichen Sternen.

M 93 ist ca. 4000 Lichtjahre entfernt. Mit einem Teleskop kann man etwa 50 Sterne wahrnehmen.

NGC 2451 ist der hellste Sternhaufen im Achterdeck und mit bloßem Auge deutlich erkennbar. Aufgrund seiner südlichen Lage kann er allerdings von Mitteleuropa aus nicht beobachtet werden. Er ist ca. 5000 Lichtjahre entfernt.

Siehe auch

Weblinks

 <Lang> Commons: Achterdeck des Schiffs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ich sag dir alles: 100.000 Daten und Fakten. Alltagstaugliche Informationen für jede Gelegenheit. Bertelsmann Lexikon Institut, 2007, S.69
  2. Schlag nach! 100000 Tatsachen aus allen Wissensgebieten. 12., neu bearbeitete Auflage. 1982, S.99
  3. RS Puppis

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


07.04.2021
Myon g-2: Kleines Teilchen mit großer Wirkung
Das Myon g-2-Experiment des Fermilab in den USA steht vor einem Sensationsmoment, der die Geschichte der Teilchenphysik neu schreiben könnte. Und vielleicht sogar Hinweise auf noch unbekannte Teilchen im Universum gibt.
02.04.2021
Zwei merkwürdige Planeten
Uranus und Neptun habe beide ein völlig schiefes Magnetfeld.
02.04.2021
Der erste interstellare Komet könnte der ursprünglichste sein, der je gefunden wurde
Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass der abtrünnige Komet 2I/Borisov einer der ursprünglichsten ist, die je beobachtet wurden.
02.04.2021
Erstmals Atominterferometer im Weltraum demonstriert
Atominterferometer erlauben hochpräzise Messungen, indem sie den Wellencharakter von Atomen nutzen. Sie werden zum Beispiel für die Vermessung des Schwerefelds der Erde eingesetzt oder um Gravitationswellen aufzuspüren. Weitere Raketenmissionen sollen folgen.
02.04.2021
Sendungsverfolgung für eine Quantenpost
Quantenkommunikation ist abhörsicher, aber bislang nicht besonders effizient.
25.03.2021
Astronomen bilden Magnetfelder am Rand des Schwarzen Lochs von M 87 ab
Ein neuer Blick auf das massereiche Objekt im Zentrum der Galaxie M 87 zeigt das Erscheinungsbild in polarisierter Radiostrahlung.
24.03.2021
Die frühesten Strukturen des Universums
Das extrem junge Universum kann nicht direkt beobachtet werden, lässt sich aber mithilfe mathematischer Theorien rekonstruieren.
24.03.2021
Können Sternhaufen Teilchen höher beschleunigen als Supernovae?
Ein internationales Forschungsteam hat zum ersten Mal gezeigt, dass hochenergetische kosmische Strahlung in der Umgebung massereicher Sterne erzeugt wird. Neue Hinweise gefunden, wie kosmische Strahlung entsteht.
24.03.2021
Neue Resultate stellen physikalische Gesetze in Frage
Forschende der UZH und des CERN haben neue verblüffende Ergebnisse veröffentlicht.
21.03.2021
Elektronen eingegipst
Eine scheinbar einfache Wechselwirkung zwischen Elektronen kann in einem extremen Vielteilchenproblem zu verblüffenden Korrelationen führen.
21.03.2021
Chromatischer Lichtteilcheneffekt für die Entwicklung photonischer Quantennetzwerke enthüllt
Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Entwicklung von Anwendungen der Quanteninformationsverarbeitung. In einem Schlüsselexperiment ist es gelungen, die bislang definierten Grenzen für Photonenanwendungen zu überschreiten.
18.03.2021
Stratosphärische Winde auf Jupiter erstmals gemessen
Mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) hat ein Team von Astronomen zum ersten Mal die Winde in der mittleren Atmosphäre des Jupiters direkt gemessen.
18.03.2021
Was Gravitationswellen über Dunkle Materie verraten
Die NANOGrav-Kollaboration hat kürzlich erste Hinweise auf sehr niederfrequente Gravitationswellen beobachtet.
18.03.2021
Filamente des kosmischen Netzwerks entdeckt
Einem internationalen Team von Astronominnen und Astronomen gelang zum ersten Mal die direkte Kartierung kosmischer Filamente im jungen Universum, weniger als zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Die Beobachtungen zeigen sehr leuchtschwache Galaxien, und geben Hinweise auf deren Vorfahren.
18.03.2021
Blaupausen für das Fusionskraftwerk
Am 21 März 1991 erzeugte die Experimentieranlage ASDEX Upgrade im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching das erste Plasma.
12.03.2021
Was die reflektierte Strahlung von Exoplaneten verraten könnte
Als 1995 der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems gefunden wurde, war das eine Sensation, die später mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt wurde.
12.03.2021
Theoretische Lösung für Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit
Wenn Reisen zu fernen Sternen innerhalb der Lebenszeit eines Menschen möglich sein sollen, muss ein Antrieb gefunden werden, der schneller als Lichtgeschwindigkeit ist.
12.03.2021
Quantenkontrolle mit Fernbedienung
Quantentechnologien basieren auf der präzisen Kontrolle des Zustands und der Wechselwirkung einzelner Quantenteilchen.
12.03.2021
Wie Gesteine die Bewohnbarkeit von Exoplaneten beeinflussen
Die Verwitterung von Silikatgesteinen trägt massgeblich dazu bei, dass auf der Erde ein gemässigtes Klima herrscht.
12.03.2021
Roboter lernen schneller mit Quantentechnologie
Künstliche Intelligenz ist Teil unseres modernen Lebens und eine entscheidende Frage für praktische Anwendungen ist, wie schnell solche intelligenten Maschinen lernen können.
11.03.2021
Mikroskopisch kleine Wurmlöcher als theoretische Möglichkeit
In vielen Science-Fiction-Filmen spielen Wurmlöcher eine wichtige Rolle – als Abkürzung zwischen zwei weit entfernten Orten des Weltalls.
09.03.2021
Das am weitesten entfernte Radio-Leuchtfeuer im frühen Universum
Quasare sind die hellen Zentren von Galaxien, die von schwarzen Löchern angetrieben werden, und aktiv Materie ansammeln.
06.03.2021
Eine nahe, glühend heiße Super-Erde
In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten haben Astronomen Tausende von Exoplaneten aus Gas, Eis und Gestein aufgespürt.
06.03.2021
Vulkane könnten den Nachthimmel dieses Planeten erhellen
Bisher haben Forschende keine Anzeichen auf globale tektonische Aktivität auf Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems gefunden.
03.03.2021
„Ausgestorbenes Atom“ lüftet Geheimnisse des Sonnensystems
Anhand des „ausgestorbenen Atoms“ Niob-92 konnten Forscherinnen Ereignisse im frühen Sonnensystem genauer datieren als zuvor.